Die Zukunft der Wirtschaftsprüfer
Maschinen übernehmen die einfachen Tätigkeiten

Die Branche der Wirtschaftsprüfer wird gehörig aufgemischt: Automaten halten Einzug in die Buchhaltung, die EU-Vorschrift zur Rotation verteilt den Markt neu. Welche Zukunftsszenarien führende Manager erwarten.

FrankfurtSteuerfachgehilfen, Prüfungsassistenten – das sind die typischen Einstiegsjobs bei den großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften. Hunderte junger Menschen fangen nach der Ausbildung auf dieser niedrigen Stufe in der Karriereleiter an. Sie blicken in die Buchhaltungsunterlagen beim Mandaten, checken die Belege, prüfen die Steuererklärungen. Es sind die einfachen Tätigkeiten in diesem Geschäft, schnell kehrt Routine ein.

Doch ob es diese Jobs in Zukunft überhaupt noch in dieser Form geben wird ist fraglich. So prognostizieren es zumindest Topmanager aus der Branche: „Unsere Personalstruktur wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett verändern.“, sagt Jost Wiechmann, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Roever Broenner Susat Mazars. „Die einfachen Tätigkeiten werden durch Maschinen ersetzt. Zugleich brauchen wir viel mehr hochqualifizierte Spezialisten in der Prüfung und Beratung.“

Die Wirtschaftsprüfer werden von der Digitalisierung erfasst. Es geht um Vernetzung mit den Kunden und neue Möglichketen zur Datenanalyse mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Das wird die ganze Branche aufmischen, zeigten sich die Brancheexperten überzeugt, die am Mittwoch zum Wirtschaftsprüfer-Roundtable nach Frankfurt gekommen waren. Eingeladen hatte dazu die Marktforschungsgesellschaft Lünendonk.

Die Prüfer erwarten eine Art digitalen Sturm in den nächsten Jahren: Intelligente Software zur Datenanalyse, komplett neue IT-Infrastruktur, innovative Digitaldienstleistungen – für all das müssen die Gesellschaften viel Geld investieren.

Neben der Prüfung setzen immer mehr Anbieter mit ihren Beratungstöchtern auf das Thema Datenanalyse und Datensicherheit. Beispielsweise Deloitte: „Die Digitalisierung wird unser Produktportfolio bis zum Jahr 2020 komplett verändern“, erwartet Deutschlandchef Martin Plendl. Die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen sei in der Industrie riesig.

Die Hamburger BDO AG, Nummer fünf in Deutschland, baut ihre IT-Beratungstochter massiv aus. Mehr als 100 Mitarbeiter sollen dort künftig tätig sein. Das sei eine „echte Kraftanstrengung“, wie der BDO-Vorstandsvorsitzende Holger Otte unterstrich.

Investieren müssen die Gesellschaften auch ins Personal. Der Schwerpunkt lag bisher bei BWL- und Jura-Absolventen. Künftig wollen die Prüfungsgesellschaften verstärkt Techniker und IT-Spezialisten einstellen. Absehbar ist: Statt einfacher Prüfungsassistenten werden sie immer mehr Experten brauchen, die mit Hilfe der neuen Technologie tiefgehende Steuer- und Rechtsberatung abliefern können.

Schon jetzt verdienen die Prüfungsgesellschaften ihr Geld verstärkt mit ihren Teams für Steuer-, Rechts-und Managementberatung. Das zeigt sich in der neuen Branchenstudie, die Lünendonk am Mittwoch vorstellte. Danach geht der Anteil der klassischen Abschlussprüfung am Gesamtumsatz der Branche tendenziell zurück, der im vergangenen Jahr bei 12,2 Milliarden Euro lag. Sie macht aber immer noch rund 40 Prozent des Geschäfts aus. Tendenziell steigend sind hingegen die Gewinnspannen, wie die Umfrage von Lünendonk ergab.

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