Energiesparte: Bilfinger hält an Kraftwerkgeschäft fest

Energiesparte
Bilfinger hält an Kraftwerkgeschäft fest

Die Energiewende hat den deutschen Versorgern hohe Verluste eingebrockt. Darunter leidet auch Zulieferer Bilfinger. Von der Sparte will sich der Konzern nicht trennen – das Kraftwerkgeschäft wird aber umgekrempelt.
  • 0

Mannheim/StuttgartTrotz trüber Aussichten im Energiesektor hält der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger an seiner kriselnden Kraftwerkssparte fest. Das Geschäft mit Projektierung, Bau und Wartung von Kraftwerken und Stromnetzen war im vergangenen Jahr der Hauptgrund für den ersten Konzernverlust seit 1998. Doch soll die Sparte nicht abgestoßen werden. „Ich halte nichts von solchen Drohkulissen“, sagte Bilfinger-Chef Herbert Bodner am Mittwoch in Mannheim. „Zerschlagungspläne sind nicht in Sicht.“ Bilfinger sehe sich mit seinen drei Säulen Industrial, Power sowie Building and Facility für die Zukunft gut aufgestellt.

Allerdings ist eine grundlegende Neuausrichtung des Kraftwerksgeschäfts geplant. Bodner, der seit dem Rücktritt von Roland Koch im August den Konzern befristet bis Ende Mai führt, bekräftigte, ein weiterer Personalabbau über die schon beschlossenen 370 Stellen hinaus sei möglich. Die Energiewende in Deutschland hat den Versorgern hohe Verluste oder Gewinnrückgänge eingebrockt. Kraftwerke werden stillgelegt oder nicht erneuert. Das hat bei Bilfinger als Zulieferer der Energiekonzerne 2014 zu einem Auftragseinbruch in der Sparte Power von einem Viertel geführt. Das kleinste der drei Geschäftsfelder warf nur noch acht Millionen Euro operativen Gewinn ab. Da die Kapazitäten verringert wurden, soll es beim Ergebnis in diesem Jahr wieder deutlich aufwärts gehen. Doch die Leistung von zuletzt 1,4 Milliarden Euro werde erneut um mehr als fünf Prozent sinken.

Auf Talfahrt bleibt auch das Industriegeschäft, mit 3,7 Milliarden Euro Leistung die größte Sparte. Bei Leistung und operativen Gewinn (Ebita) sagt Bilfinger einen deutlichen Rückgang - also ein Minus von mindestens fünf Prozent - voraus. Größter Risikofaktor ist hier der Ölpreisrückgang. Ölkonzerne wie der Bilfinger-Großkunde Statoil verdienen deshalb weniger und kürzen Investitionen. "Der Bereich, der uns am meisten Sorgen macht, ist der Bereich mit Öl- und Gaskunden", sagte Bodner.

Stabilisiert wird der Mannheimer Konzern unterdessen vom Bau- und Immobiliengeschäft, das durch die Niedrigzinsen in der Euro-Zone angetrieben wird. Hier fokussiert sich Bilfinger stärker auf Dienstleistungen als auf das traditionelle Baugeschäft, aus dem sich das Unternehmen schon seit einigen Jahren immer weiter zurückgezogen hat. Insgesamt erwartet der MDax -Konzern in diesem Jahr einen Umsatzrückgang um 200 Millionen Euro auf 7,5 Millliarden Euro. Der operative Gewinn von zuletzt 270 Millionen Euro soll um bis zu fünf Prozent steigen.

Bilfinger wartet unterdessen noch immer auf einen neuen Vorstandschef. Der Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes hat Insidern zufolge den Norweger Per Utnegaard dazu auserkoren. Doch der jetzige Chef des Schweizer Flughafendienstleisters Swissport konnte bisher noch nicht ernannt werden, da sein Arbeitgeber ihn noch nicht gehen ließ. Bodner deutete an, dass die Führungsfrage bald entschieden wird. Er werde wohl nicht länger als geplant Vorstandschef von Bilfinger bleiben, sagte er.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Energiesparte: Bilfinger hält an Kraftwerkgeschäft fest"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%