Fahrdienst-App Uber
Top-Manager will Journalisten unter Druck setzen

Nachdem ein Top-Manager mit Ideen für Schmutzkampagnen gegen Reporter für Empörung sorgte, betreibt Uber-Chef Travis Kalanick Schadensbegrenzung: Die Äußerungen seien „schrecklich“. Doch es gibt bereits neue Vorwürfe.
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San FranciscoDer Chef des umstrittenen Fahrdienst-Vermittlers Uber hat sich von einem seiner wichtigsten Top-Manager distanziert, der Schmutzkampagnen gegen Journalisten ins Gespräch gebracht hatte. Die Äußerungen des Vizepräsidenten Emil Michael seien „schrecklich“ gewesen, schrieb Firmenchef und Mitgründer Travis Kalanick am späten Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Michael habe damit nicht die Position des Unternehmens vertreten. Zugleich sei er sicher, dass Michael aus Fehlern lernen könne, schrieb Kalanick. Uber-Manager Michael hatte in einer vermeintlich privaten Unterhaltung davon gesprochen, das Privatleben kritischer Journalisten auszuforschen, um sie unter Druck zu setzen.

Michael brachte die Idee ins Gespräch, dass Uber für eine Million Dollar Spezialisten anheuern könnte, um unliebsame Fakten über Reporter herauszufinden. Nachdem das am Dienstag von der US-Website „BuzzFeed“ öffentlich gemacht wurde, forderten einige Kommentatoren, Michael müsse gefeuert werden. Sein Chef Kalanick äußerte sich dazu nicht.

Gleichzeitig zieht eine weitere Kontroverse herauf. Es wurden mehrere Fälle bekannt, in denen Uber-Mitarbeiter nach Belieben auf Kundendaten zugegriffen haben sollen. Eine „BuzzFeed“-Journalistin beschrieb, wie der New Yorker Uber-Manager ihr bei einem Besuch der Firma erzählte, er habe ihre Fahrt mit einem Wagen des Dienstes nachverfolgt.

Zuvor habe er ihr bereits eine Tabelle mit Daten zu einigen ihrer Uber-Fahrten geschickt. Sie habe zu keinem Zeitpunkt den Zugriff auf ihre Daten erlaubt, betonte die „Buzzfeed“-Reporterin Johana Bhuiyan. Das Startup-Unternehmen aus San Francisco versicherte in einem Blogeintrag, dass Nutzerdaten nur für „legitime Geschäftszwecke“ eingesehen würden.

Dabei gehe es unter anderem darum, die Fahrten abzurechnen, Streitfälle zu lösen, Betrugsversuche zu verhindern und technische Probleme zu beheben. Eine vollständige Liste der Ausnahmen veröffentlichte Uber nicht. Die Einhaltung dieser Regel werde überwacht. Der Fall des New Yorker Uber-Managers werde untersucht, berichtete „Buzzfeed“.

Uber könne über eine Karten-Ansicht mit dem internen Namen „God View“ (etwa: Gottes-Auge) sehr einfach auf alle laufenden Fahrten-Daten zugreifen, erklärten zwei frühere Mitarbeiter „BuzzFeed“. Ein Unternehmer hatte bereits zuvor berichtet, eine seiner Uber-Fahrten sei ohne sein Wissen bei einer öffentlichen Präsentation in Echtzeit abgebildet worden.

Uber liegt weltweit im Clinch mit der Taxi-Branche, die dem Dienst unfairen Wettbewerb vorwirft. Dem Unternehmen, das in diesem Jahr rund 1,2 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt hat, wurden bereits wiederholt rabiate Geschäftspraktiken vorgeworfen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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