Fernbus-Chef im Interview

„Auf dem Fernbusmarkt ist noch viel Wachstum möglich“

Seit 2013 dürfen Busanbieter der Deutschen Bahn im Fernverkehr Konkurrenz machen. André Schwämmlein spricht im Interview über die Fusion von „Mein Fernbus“ und „FlixBus“ und die Expansionspläne in Europa.
Der Geschäftsführer von „Mein Fernbus“ und „FlixBus“ nimmt Kurs auf Europa.
André Schwämmlein

Der Geschäftsführer von „Mein Fernbus“ und „FlixBus“ nimmt Kurs auf Europa.

Düsseldorf
Herr Schwämmlein, wann sind Sie das letzte Mal mit dem Fernbus gefahren?
Das ist noch gar nicht so lange her. Vor zwei Wochen bin ich mit dem Bus von München nach Ravensburg gefahren, um Freunde zu besuchen.

Auch zu Weihnachten reisen zahlreiche Menschen zu ihren Familien und Freunden. Sind in Ihren Bussen noch Plätze frei?
Für uns sind Weihnachten und Silvester die interessantesten Tage des Jahres. Es gibt einen gewissen Boom, den wir in der Planung allerdings einkalkulieren. Nahezu jeder Bus ist voll. Wir schicken in diesen Tagen 100 Busse zusätzlich auf die Straße.

2015 neigt sich dem Ende. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Es war – unter anderem bedingt durch die Fusion von „MeinFernbus“ und „FlixBus“ und allem, was dazu gehört – ein sehr anstrengendes, aber auch erfolgreiches Jahr. Wir mussten im Zuge der Zusammenführung ordentlich Überstunden schieben. Wir sind als Team enorm gewachsen und sind zufrieden mit dem, was wir geleistet haben. Eine solche Fusion macht man ja glücklicherweise in der Regel nur einmal im Leben.

Was hätte während oder nach der Fusion besser klappen müssen?
Da gibt es bestimmt Tausende von Punkten. Ehrlich gesagt: Die Komplexität der Integration unserer beiden Netze konnte man nicht absehen. Nahezu jede Strecke musste geändert werden, weil viele Netze auch gegeneinander ausgerichtet waren. Das war für die Kunden nicht unbedingt optimal.

Zum Beispiel?
Es gab zum Beispiel Strecken, auf denen vor der Fusion ein Bus von „MeinFernbus“ um 9 Uhr und einer von „FlixBus“ um 9.30 Uhr gestartet ist. Dann gab es bis 15 Uhr keine weitere Verbindung. Das gibt es natürlich nach der Fusion nicht mehr. Wir haben dann versucht, ein ideales Angebot zu schaffen, bei dem etwa ein Bus um 9 Uhr, ein weiterer um 11 Uhr und ein dritter und vierter Bus um 13 Uhr und 15 Uhr fährt.

Mit der Fusion wollten Sie auch „Kurs auf Europa“ zu nehmen. Ist das geglückt?
Klares Ja. Das war neben der Netzintegration unsere Erfolgsgeschichte im Jahr 2015. In Italien, Frankreich und den Niederlanden bieten wir schon nationale Verbindungen. In Frankreich und den Niederlanden sind wir Marktführer, in Italien sind wir es mit ziemlicher Sicherheit im Frühjahr. Besonders angenehm: Wir konnten problemlos unser Wunschnetz aufbauen.

Wie darf man sich das vorstellen?
Zuerst bietet man von Deutschland aus grenzüberschreitenden Verkehr in grenznahe Städten, wie etwa Paris oder Mailand. Dann gibt es einzelne Verbindungen in Nachbarländer, etwa von Amsterdam nach Paris. Schließlich folgt der Aufbau von eigenen Netzlinien im Ausland – zum Beispiel von Paris nach Clermont-Ferrand.

Soll Frankreich der einzige Auslandsmarkt bleiben?
Nein. Momentan arbeiten wir am Netzausbau nach Polen und Südosteuropa. Zu diesen Ländern passt unser Konzept wegen der dortigen Buskultur.

Müssen die Eigentümer für diese Expansion weitere Investitionen aufbringen?
Das wollen wir nicht ausschließen. Man muss sich immer fragen: Was kann man noch schaffen? Wenn wir bereit sind, in neue Märkte zu investieren und dafür Geld benötigen, würden wir es bekommen und nehmen.

Mit diesen Fernbuslinien fahren Sie am besten
Fernbus in Leipzig
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Von Berlin nach Hamburg für acht, von Köln nach München für 19 Euro – eine Fahrt mit dem Fernbus ist unschlagbar preiswert. Die Fahrt dauert deutlich länger als mit der Bahn, trotzdem gibt es einen Bus-Boom in Deutschland. Seit Januar 2013 dürfen Fernbusse auch auf Strecken fahren, die mit der Bahn konkurrieren. Seither hat die Branche rasant Fahrt aufgenommen. Konnten Reisende im Januar 2013 aus 86 innerdeutschen Fernbuslinien wählen, waren es im November 2015 schon 326.
Großer Sitzabstand, Bordtoilette, Klimaanlage, freies WLAN, Drinks und günstiger Preis – damit werben die rund 50 Fernbusunternehmen, die mit ihren Bussen über Deutschlands Straßen rollen. Stiftung Warentest hat im Fernbus-Test neun überregional bedeutsame Anbieter unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Sechs von ihnen bekamen die Note gut, nur drei schnitten mit der Note befriedigend ab. Punkte sammeln konnten die Busunternehmen bei Preis, Pünktlichkeit, Sicherheit, Service und Ausstattung. Pluspunkte gab es vor allem für die Pünktlichkeit: 80 Prozent aller Busse fuhren nach Plan ab. Deutliche Kritik gab es von den Testern allerdings oft für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Platz 9: Eurolines
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Eurolines ist ein Zusammenschluss von 32 europäischen Busunternehmen mit Sitz in Brüssel. In Deutschland fährt der Anbieter seit 1985 fährt für die Deutsche Touring GmbH, die bis 2005 der Deutschen Bahn gehörte und seitdem eigenständig ist. Die Fahrten sind insgesamt gut, doch Abzüge gab es bei den teilweise unsauberen Toiletten. WLAN war auch nicht immer verfügbar. Einziger Pluspunkt: 34 von 40 Fahrten waren pünktlich und es gab keine Verspätung von mehr als 30 Minuten. Vor der Fahrt war das Buchen und Stornieren allerdings sehr mühsam. Dabei sollte der Reisende genau wissen, was er bucht. Denn eine Umbuchung kostet zehn Euro. Insgesamt gab es für die Eurolines die Note befriedigend (3,1). Für den Test führten elf Tester insgesamt zehn Fahrten pro Anbieter durch. Außerdem nahmen Experten die Webseites unter die Lupe.

Platz 8: DeinBus.de
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Von drei Studenten 2009 als Busmitfahrzentrale in Offenbach gegründet, bietet das Unternehmen seit vergangenem Jahr Fernbus-Linien mit einem ausgedehnten Streckennetz im Südwesten des Landes an. Der Anbieter bekam ebenfalls die Note befriedigend (2,7) für teilweise ältere Busse mit unsauberen Toiletten. Insgesamt kamen zehn von 40 Fahrten verspätet an, einmal gab es eine Verspätung von mehr als einer halben Stunde. Bei der Buchung sollten sich Reisende mehr Zeit nehmen, denn die Homepage ist etwas unübersichtlich. Dafür sind die Stornierungskosten mit drei Euro nicht so hoch.

DeinBus.de meldete 2014 Insolvenz an, ist inzwischen allerdings wieder auf dem Markt aktiv und bietet insbesondere Studenten und älteren Menschen gute Angebote.Platz 8: DeinBus.de

Platz 7: Public Express
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Das 2003 gegründete Unternehmen hat mit lediglich zwei Linien das kleinste Streckennetz unter den getesteten Fernbussen. Mit elf Haltestellen fährt Public Express meist im Nordwesten des Landes. Schwierig hierbei: die Busse sind nicht immer einfach zu identifizieren. Die Fahrten wurden dennoch insgesamt mit der Note gut bewertet. Immerhin waren 34 von 40 Fahrten pünktlich, bei den sechs Verspätungen war keine länger als eine halbe Stunde. Auch wenn die Fahrt trotz fehlendem Wlan angenehm war, war die Buchung vorher umso anstrengender. Dabei gab es technische Probleme. Außerdem wurden persönliche Daten unverschlüsselt übertragen. Stornierungen konnten nur schriftlich gemacht werden. Entweder gab es einen Gutschein oder zehn Euro Kosten. Die Umbuchung war dagegen kostenlos. Insgesamt erhielt Public Express die Note befriedigend (2,6).

Im August 2015 gab Public Express bekannt, dass sie den Betrieb auf ihrer Stammstrecke aufgrund der Marktentwicklung einstellen.

Platz 6: MeinFernbus.de
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Mein Fernbus wurde 2011 in Berlin gegründet. Die markanten grünen Busse überzeugten mit einem sehr guten Service und sauberen Toiletten. 30 von 40 Fahrten waren pünktlich, in zwei Fällen gab es allerdings Verspätungen von mehr als 30 Minuten. Das Buchen vor der Fahrt ging leicht von Hand, beim Stornieren wurde der Ticketpreis als Gutschein erstattet. Insgesamt wurde Mein Fernbus, inzwischen mit Flixbus fusioniert, mit der Note gut (2,2) bewertet.

Platz 5: City2City
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Erst seit Frühjahr 2013 rollt das britische Unternehmen National Express auf dem deutschen Fernbus-Markt und landet mit der Note gut (2,1) auf Platz fünf der besten Fernbuslinien. Derzeit bietet City2City nur fünf Linien mit 16 Zielen an. Die Fahrten mit dem Bus sind zwar insgesamt gut, auffällig war dennoch die aggressive Fahrweise des Busfahrers, der auch oft während der Fahrt telefonierte. Elf Fahrten waren im Test unpünktlich, davon hatten zwei eine Verspätung von mehr als eine halbe Stunde. Einen Pluspunkt gab es beim Buchen: Vor der Fahrt kann der Reisende sich einen Sitzplatz reservieren und noch 48 Stunden vor der Fahrt kostenlos umbuchen. Auch City2City hat den Betrieb im hart umkämpften Markt inzwischen eingestellt.

Platz 2: IC Bus
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Das Unternehmen der Deutschen Bahn bietet seit 2009 nationale und internationale Linien an. Insgesamt steuert der Anbieter nur sieben Linien mit 22 Haltestellen an. Die Fahrten, die hauptsächlich in München starten, wurden insgesamt mit der Note sehr gut bewertet. Der IC Bus kann vor allem mit dem Service und der Sauberkeit in den Bussen punkten. Nur drei von 40 Fahrten waren unpünktlich, in einem Fall handelte es sich um eine Verspätung von mehr als eine halbe Stunde. Bei der Buchung ist der Bus auf der Internetseite der Bahn teils schwer zu finden. Dennoch positiv: Bahn-Card-Ermäßigungen und Sparpreise gelten ebenso wie im klassischen Schienenfernverkehr. Negativ: Wer umbuchen will, muss stornieren und Stornierungen kosten beim Sparpreis 15 Euro. Insgesamt schneidet der Anbieter mit der Note gut (2,0) ab.

Wann erreicht Ihr Unternehmen den Break-Even-Punkt?
Das muss man immer aus verschiedenen Perspektiven betrachten. In Deutschland sollen die Linien selbstverständlich profitabel sein. Mit der Fusion sind wir diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. In Frankreich ist das natürlich noch nicht der Fall, weil da weitere Investitionen notwendig sind. Es ist daher schwierig, eine pauschale Aussage zu treffen.

Der Fernbusmarkt wächst. Bei der Marktöffnung vor zwei Jahren gab es 86 Verbindungen, jetzt sind es 326. Experten rechnen für 2015 mit rund 20 Millionen Fahrgästen. Wann ist dieser Markt gesättigt?
Auf dem deutschen Fernbusmarkt ist noch viel Wachstum möglich. Mittlerweile geht darum, intelligent über den Markt nachzudenken. Ein weiteres Angebot auf der Strecke zwischen Köln und Berlin ist sicherlich kein Wachstumstreiber mehr.

Sondern?
Neue Angebote, die dem Markt gut tun. Zum Beispiel bauen wir gerade Flughafenzubringer auf, etwa zwischen Augsburg und München. Hierzulande ist dieses Prinzip noch nicht etabliert. Wir wollen größere Umsteigeknoten errichten und mittelgroße Städte erschließen. Das treibt das Wachstum an. Ein weiteres Beispiel: Die Beförderung in beliebte Skigebiete.

Ist dieses Wachstum nicht zu überdimensioniert?
Letztlich ist es ein gesunder Wettbewerb. Und das ist gut so, denn so wird man nicht faul. Allerdings wäre es mir auch lieber, ich müsste nicht gegen Staatskonzerne kämpfen.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Geschäft?
Es ist nicht so günstig, ein Netz zu betreiben. Die Komplexität wird häufig unterschätzt. Die hohe Anforderung allerdings liegt darin, die Kunden zu binden.

„Der Kunde ist bereit, mehr als zehn Euro zu zahlen“
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