Finanzspritze
Saudis steigen mit 3,5 Milliarden Dollar bei Uber ein

Royale Kapitalspritze für Uber: Der Fahrdienst erhält 3,5 Milliarden Dollar von einem Investor aus Saudi-Arabien. Doch Chef-Taktiker Travis Kalanick ist nicht nur im Mittleren Osten auf Expansionskurs.

San FranciscoDie Abschaffung des Menschen hinterm Steuer kostet Geld. Viel Geld. Nun ist Uber-Gründer Travis Kalanick dem Ziel wieder ein Stück näher gekommen. Die Firma aus San Francisco, die Taxifahrer durch Laien und Laien durch Roboter ersetzen will, sammelt weitere Milliarden ein.

Der staatliche Investmentfonds PIF aus Saudi-Arabien beteiligt sich mit 3,5 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) an der jüngsten Finanzierungsrunde des Unternehmens. PIF-Manager Yasir Al Rumayyan erhält dafür einen Platz im Verwaltungsrat von Uber. Die Bewertung des Fahrdienstes schießt damit auf 62,5 Milliarden Dollar. „Wir wissen das Vertrauen in unser Unternehmen beim Ausbau unserer globalen Präsenz zu schätzen“, kommentierte Kalanick den Deal.

Die Kooperation soll Uber einerseits die weitere Expansion in den Mittleren Osten ermöglichen, wo der Dienst bereits in 15 Städten und neun Ländern aktiv ist, darunter Ägypten, Israel und Saudi-Arabien. Der Deal ist aber vor allem eine große strategische Leistung von Chef-Taktiker Kalanick. Er unterstreicht, wie aggressiv der Mann seine Ziele verfolgt.

Der 39-Jährige hat sich den zunächst angekündigten und dann aufgeschobenen Börsengang gespart, bei dem seine Firma gezwungen gewesen wäre, die eigenen Finanzen offenzulegen. Ein kluger Zug angesichts der nervösen Märkte. Investoren scheinen Start-ups im Valley geradezu zu raten, privat zu bleiben, am besten für immer.

Aber Ubers Pläne kosten Geld. Allein im chinesischen Markt verbrennt das Unternehmen laut eigenen Angaben eine Milliarde Dollar pro Jahr. Und 100 Millionen Dollar musste die Firma erst vor wenigen Wochen ausgeben, um den Gerichtsprozess mit Fahrern in Kalifornien abzuwenden, die von Uber nicht länger als freie Mitarbeiter, sondern als Angestellte behandelt werden wollten.

Streit mit Behörden, Gewerkschaften, Städten und der Politik hat Kalanick inzwischen überall. Das schlägt aufs Budget – auch weil es das Wachstum allerorts schrumpfen lässt. In Deutschland etwa ist das Geschäftsmodell vorerst gescheitert. Die Strategie, sich mit dem Einsparen von Kosten für Taxi-Lizenzen und Versicherungen eine Einhorn-Bewertung zu erspielen, ging vorerst nicht auf.

In Frankreich fordern die Behörden die Nachzahlung nicht gezahlter Sozialbeiträge in Millionenhöhe. Um rechtliche Hürden zu umgehen, engagierte Kalanick die frühere EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes als Beraterin – und auch sie wird sicher ein stolzes Gehalt erhalten.

Mit Geld und der nötigen Aggressivität hat Kalanick den Weg geebnet für andere Unternehmen. Sein Timing ist perfekt, digitale Fahr- und Lieferdienste erleben ein „Momentum“, wie das in der Branche heißt. Firmen weltweit investieren heftig in den Markt, darunter Google, das mit seinem Venture-Arm an Uber beteiligt ist, mit der Kartensoftware Maps das Gerüst für alle Dienste liefert und außerdem ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Seit letzten Monat gehört auch Apple dazu, das mit einer Milliarde Dollar beim chinesischen Rivalen Didi einstieg.

Auch die Autokonzerne haben das Zukunftsgeschäft erkannt. Volkswagen investierte 300 Millionen Dollar in den in Israel gegründeten Fahrdienstvermittler Gett, GM beteiligte sich am Uber-Rivalen Lyft und übernahm Cruise Automation, ein Start-up aus San Francisco, das Technologien für autonomes Fahren entwickelt. Und Toyota schloss eine Partnerschaft mit Uber, dem derzeit wohl aussichtsreichsten Kandidaten auf die Neuerfindung der Autowelt.

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