Fitnessstudios: Das Geschäft mit dem Rückenschmerz

Fitnessstudios
Das Geschäft mit dem Rückenschmerz

Deutschlands Fitness-Studios umwerben Büro-Arbeiter mit Präventionskursen gegen Rückenprobleme. Der Hintergedanke: Die Zielgruppe zahlt für medizinisch anmutendes Training gerne etwas mehr.
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KölnSechs Klimmzüge, 31 Sit-ups, 46 Kniebeugen und 21 Liegestütze – das sollte ein Mann Ende 30 hinbekommen, wenn es nach Paul Underberg geht. „Kraft ist der beste Schutz vor dem Pflegeheim“, sagt er.  Nicht nur das: Kraft ist auch das Geschäft von Underberg. Schließlich gehört ihm die Fitness-Studie-Marke Injoy.

Das Wort „Pflegeheim“ kam in der Sprache der Fitness-Branche bislang eher nicht vor. Spaß und Tanz, Muskelprotze und drahtige Spinning-Rad-Sportler bestimmten das Image. Baumstammdicke Oberarme gibt es bei der Fitnessmesse Fibo, die heute in Köln begonnen hat, immer noch. Doch ins Fokus der Branche gerät immer mehr der Büro-Mensch im mittleren Alter.

Ideengeber ist Werner Kieser. Der Schweizer wirbt seit Jahren mit dem Slogan „Ein Starker Rücken kennt keinen Schmerz“ für seine Kette. „Der Rücken ist unsere Werbe-Speerspitze, um in den Markt zu kommen“, sagt er. „Als wir 1995 in Deutschland gestartet sind, hat man uns nicht ernst genommen. Jetzt haben wir 120 Kieser-Studios im deutschsprachigen Raum ­– und alle ziehen mit. Das ist eine richtige Mode geworden.“ 110 Millionen Euro Umsatz macht seine Marke, bislang nur in Europa. Doch bald sollen Franchise-Nehmer auch Büro-Angestellte in Asien beglücken.

Wer erfolgreich sein will, umwirbt die Büroarbeiter anders als die 20-jährigen Hantel-Pumper. „Ich kann keinen Spaß verkaufen, aber ich kann Nutzen bieten“, sagt Kieser. Konkret: Er verzichtet etwa auf Getränke-Bars oder Saunen. Das Konzept kommt daher wie ein medizinisches Angebot, die Geräte lässt Kieser speziell bauen. Die Anmutung von Wissenschaftlichkeit bringt die Kunden dazu, einen höheren Preis zu zahlen – obwohl die Studios letztlich weniger bieten.

Das weiß auch Injoy-Chef Underberg. Gleich zwei Professoren hat er an seinen Stand geholt, dazu den Sportpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert. Der lässt sich gleich einspannen, seine Fitness unter Beweis zu stellen: Sit-ups, Liegestütze. Die Zielmarken um „Lebensfit“ zu sein, wie es Underberg nennt, hat seine Kette mit der Uni Bielefeld entwickelt – und das sollen die Franchise-Nehmer in den über 200 Filialen ihren Kunden weitersagen. Wachsen will Underberg mit einem neuen, etwas spartanischeren Konzept für kleinere Studios, die neue Franchise-Nehmer locken sollen. Schließlich kostet die Studio-Einrichtung einige Hunderttausend Euro.

Damit gerät er noch mehr in Konkurrenz zu Kieser. Auch der Schweizer, Jahrgang 1940, kündigt an, verstärkt in kleinere Städte gehen zu wollen. Nur hier sieht er noch Expansionsmöglichkeiten – ebenfalls mit kleineren Studios. Ganz fertig ist das Konzept noch nicht. „Das Problem ist: Die Betriebe lassen sich verkleinern, die Personalkosten aber nicht beliebig senken.“ Schließlich sind die Trainer eine weitere Waffe im Kampf um ältere Kunden: Sie binden die Menschen, die einen Vertrag abgeschlossen haben, fest an eine Kette. Kiesers eigene Geräte finden sich so nicht bei der Konkurrenz. Inline setzt auf den Hersteller eGym, dessen Geräte sich computergesteuert auf eine Person einstellen. Was das Training erleichtert, macht zugleich den Wechsel zur Konkurrenz kompliziert.

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Mittelklasse-Studios bekommen Probleme

Kommentare zu " Fitnessstudios: Das Geschäft mit dem Rückenschmerz"

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  • Underberg gehört die Marke Injoy - aber ihm gehören nicht die Injoy-Sportstudios, nicht deren Inventar, deren Räumlichkeiten und er entlohnt auch nicht die dort arbeitenden Mitarbeiter. In diesem Sinne kann sich EON als Stromlieferant mit einer viel größeren Zahl von Sportstudios stichhaltig in Verbindung bringen als Injoy.
    Dieser Vergleich gilt für Kieser zwar nicht, aber beide, Kieser und Injoy sind im Vergleich zu McFit als unantastbarem Marktführer nur kleine Akteure, die eine Subkultur bedienen.
    Kleine und mittlere Sportstuidos haben deshalb wie im Artikel angegeben Probleme, weil in den Städten, wo große Sportstudios überhaupt existieren können, McFit alles dominiert.
    Wenn Kieser und Injoy nun kleinere Anlagen eröffnen wollen, dann heißt das nichts anderes als in die ländlichen Bereiche des Marktes auszuweichen, weil sie den Kampf in den Städten verloren haben und auch nicht wieder aufnehmen wollen.
    In Anbetracht dessen nervt das Gesülze über Gesundheit & Co. einfach nur. Sportstudios bieten vorrangig breitensportliches Aktivsein an, sind keine Rehaeinrichtungen oder Präventionsclubs, sondern Orte, an denen Freude an Bewegung zählt.
    Diese Freude ist keine unterschwellige Angst vor Krankheit und wird es auch nie werden. Da McFit genau das verstanden hat und es zufällig so ist, dass Menschen, die die Freude an Bewegung in sich geweckt haben, auch noch gut aussehen, werden Injoy und Kieser sicher dauerhaft die hinteren Plätze belegen.

  • Das einzige wozu ein Fitneß-Studio gut ist, für die Einhaltung der eigenen Disziplin. Weil man sich ansonsten weniger oder garnicht bewegt.
    Schwimmen und am WE in den Wald, auf die Wiese und jeden Tag mit dem Hund rennen, statt mit einer Schmusekatze auf dem Sofa vor der Glotze zu hängen.
    Schwimmen ist im übrigen so gut die einzige Sportart, die alle Muskeln bewegt, Atmung reguliert, Ausdauer trainiert und den Kreislauf fit hält. Dazu noch Radfahren in Natur gegen Osteoporose (Licht und Vit D) oder auf dem Trimmi im Schlafzimmer.
    Alles andere ist rausgeschmissenes Geld. Sch*** Trends, die einem Geld für Illusionen aus der Tasche ziehen.
    Im übrigen ist Prävention in der Jugend angesagt, wer richtigen Sportunterricht hat, im Fußballverein oder sonstwie sich körperlich betätigt, hat später auch weniger mit Kreuz mit dem "Kreuz".

  • Fitness-Studios sind gut.

    Besser wäre bei Problemen des Bewegungsapparates Behandlungen nach dem

    Fasziendistorsionsmodell (FDM) nach Stephen Typaldos

    http://www.aim-typaldos.com/tv.html

    Ich habe das selbst gemacht. Das hilft rasch.

    Das sollten die Firmen bezahlen, denn das spart Krankenstände.

    Pleiti aus Österreich

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