GAM Holding
Fondshaus lässt aktivistischen Investor abblitzen

Verwaltungsratspräsident Johannes de Gier geht in den Ruhestand, Hugh Scott-Barrett wird sein Nachfolger. Allerdings blieb ein Investor bei den Personalentscheidungen außen vor.
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ZürichDer Schweizer Vermögensverwalter GAM Holding zeigt dem aktivistischen Investor RBR Strategic Value die kalte Schulter. Zwar kündigte das Zürcher Institut am Donnerstag Änderungen im Verwaltungsrat an. Dabei ging GAM aber nicht auf die Forderungen des streitbaren Aktionärs ein, der drei Sitze im Verwaltungsrat sowie den Vorsitz beansprucht. Stattdessen schlug GAM den Briten Hugh Scott-Barrett als neuen Verwaltungsratspräsident vor. Der ehemalige Finanzchef von ABN Amro ist bereits in dem Gremium vertreten. Sein Vorgänger, der langjährige Verwaltungsratschef Johannes de Gier, tritt in Ruhestand. Den freiwerdenden Platz im Verwaltungsrat will GAM mit dem Bank-Manager David Jacob besetzen.

Mit öffentlichen Äußerungen zu dem Investor hielt sich GAM-Chef Alexander Friedman am Donnerstag zurück. „Wir haben uns mit ihnen getroffen - so wie wir alle unsere Aktionäre treffen“, sagte er. Zum Inhalt des Gesprächs wollte er keine Angaben machen. Auch RBR selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Der Investor kontrolliert nach Angaben von GAM 2,1 Prozent des Kapitals und war vergangene Woche mit dem Vorschlag für drei neue Verwaltungsratsmitglieder vorgeprescht. Sie sollen auf der Generalversammlung am 27. April gewählt werden.

RBR und der Partner Cologny Advisors hatten sich in der Schweiz bereits einen Namen gemacht mit dem Versuch, bei der Cateringfirma Gategroup Präsident Andreas Schmid und zwei weitere Verwaltungsratsmitglieder aus dem Amt zu drängen. Sie scheiterten - und Gategroup wurde mittlerweile vom chinesischen Mischkonzern HNA übernommen.

Konkrete strategische Forderungen von RBR bei GAM sind bislang nicht bekannt. GAM-Chef Friedman gab sich zuversichtlich, dass der Vermögensverwalter die Mannschaft und die Strategie habe, um das Haus auf gesunde Beine zu stellen: "Wir arbeiten am Turnaround dieser Firma. Das braucht Zeit, aber ich glaube, das Schlimmste haben wir hinter uns", sagte er.

Im Vorjahr hatten verunsicherte Kunden im Kerngeschäft Investment Management 10,7 Milliarden Franken abgezogen. Zudem brachen die Erträge ein. Einen Teil des Rückgangs konnte GAM jedoch mit dem laufenden Sparprogramm auffangen: Der Gewinn schrumpfte daher nur um drei Prozent auf 134,3 Millionen Franken. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 65 Rappen erhalten. Für das angelaufene Jahr gab sich Friedman zuversichtlich: „Es sieht so aus, als ob 2017 ein viel besseres Jahr wird“, sagte er zu Reuters. Zu Jahresbeginn sei bei vielen Kunden die Zuversicht zurückgekehrt. Zudem hätten sich die Fonds des Geldhauses gut entwickelt. Die GAM-Aktie legte gut vier Prozent zu.

Zudem kappte Friedman die Verbindung zum Vermögensverwalter Julius Bär, aus dem GAM entstanden war: Das Geldhaus vermarktet seine Fonds künftig nur mehr unter der eigenen Marke und nicht mehr unter dem Namen des größeren Wettbewerbers.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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