Geplante Fusion
Wird die Deutsche Börse selbst zum Übernahmeziel?

Die Deutsche Börse hatte zahlreiche Kombinationen für eine Fusion geprüft. Der geplante Zusammenschluss mit der LSE hatte sich als sinnvollste Kombination herausgestellt. Doch was geschieht, wenn es nicht klappt?

FrankfurtDie Deutsche Börse fürchtet bei einem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) selbst ins Visier von Konkurrenten zu geraten. Es sei richtig, dass die Chicago Mercantile Exchange (CME) generell Interesse an Deutschlands größtem Börsenbetreiber habe, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. „Ob sich dieses manifestiert, das glaube ich im Moment eigentlich nicht. Es könnte aber eine Artikulation folgen, falls unser Zusammenschluss (mit der LSE) nicht gelingt.“

Die CME ist mit gut 33 Milliarden Dollar etwa doppelt so viel wert wie die Deutsche Börse. Die Amerikaner hatten bei den Frankfurtern Insidern zufolge bereits 2013 wegen einer Verschmelzung angefragt, waren damit aber abgeblitzt. Bisher haben die Manager aus Chicago Finanzkreisen zufolge stets betont, nur an einem einvernehmlichem Zusammenschluss interessiert zu sein. „Sie sind generell nicht so aggressiv bei solchen Dingen“, sagte Kengeter. Feindliche Kaufangebote sind in der Börsenlandschaft wenig erfolgsversprechend, weil die Aufsichtsbehörden aus dem Heimatland des Übernahmeziels solche Deals blockieren können.

Kengeter ist seit einem Jahr Vorstandschef der Deutschen Börse und hat das Unternehmen seitdem kräftig umgekrempelt. Der 49-Jährige ist überzeugt, dass der Konzern auf Übernahmen und Fusionen angewiesen ist, um im weltweiten Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. „Die Deutsche Börse ist nicht in einem sehr dynamischen Zustand“, räumte der langjährige Investmentbanker ein. Um das Wachstum anzukurbeln, seien externe Impulse unabdingbar. „Wir haben im letzten Jahr sämtliche mögliche Kombinationen, die es auf der Welt gibt, für die Deutsche Börse geprüft.“ Es habe sich dabei um eine hohe zweistellige Zahl gehandelt. Der im Februar angekündigte Zusammenschluss mit der LSE habe sich dabei als sinnvollste Kombination herausgestellt.

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