Germanwings-Absturz
Was die Blackbox über den Unglücksflug verrät

Es ist die entscheidende Frage: Warum ist Germanwings-Flug 4U9525 abgestürzt? Die beiden Flugschreiber könnten Auskunft geben, einen haben die Suchtrupps gefunden. Wie die Blackbox bei der Aufklärung helfen kann.
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DüsseldorfWarum ist die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen zerschellt? Wenn Flugzeuge abstürzen, sollen Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder bei der Rekonstruktion der Ereignisse helfen – wenn sie denn auffindbar und intakt sind. In Fall der 4U9525 stehen die Chancen gut, dass die Ermittler zumindest einen Teil der Daten auswerten können: Die Blackbox mit den Aufzeichnungen aus dem Cockpit ist gefunden worden, trotz Beschädigungen sind die Aufnahmen vermutlich intakt. Vom zweiten Gerät haben die Bergungskräfte bisher nur die Hülle gefunden (Stand: Mittwochnachmittag).

Der Stimmenrekorder zeichnet die Vorgänge im Cockpit auf und deckt einen Zeitraum von bis zu zwei Stunden vor dem Absturz ab. Im Fall des Flugs 4U9525 könnte die Aufnahme beispielsweise Hinweise darauf geben, ob die Piloten der Lufthansa-Tochter mit technischen Problemen zu kämpfen hatten.

„Wenn ein abnormer Fall eintritt, führt dies mit Sicherheit dazu, dass es zwischen den Piloten eine Diskussion gab und sie Checklisten abgearbeitet haben“, erklärte Jan-Arwed Richter vom Hamburger Unternehmen Jagdec, das Flugunfälle auswertet. Auch Warntöne der Maschine seien darauf in der Regel zu hören. „Daraus kann man recht gut rekonstruieren, was im Cockpit passiert ist.“ Derzeit versucht die französische Ermittlungsbehörde für Flugunfälle BEA, die Daten auszulesen.

Der Flugdatenschreiber speichert zahlreiche Informationen über den Flug selbst: Position, Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe, Neigungswinkel, zudem Druck und Temperatur in der Kabine sowie Daten aus der Turbine. „Insgesamt sind das über 100 Parameter“, erklärt Luftfahrtexperte Richter – zusammen ergeben sie ein Bild über den technischen Zustand der Maschinen. Der Speicher dieses Gerätes reicht sogar bis zu 25 Stunden. Falls die Ermittler im aktuellen Fall den zweiten Flugschreiber finden, können sie somit nicht nur die Daten des Unglücksfluges auswerten, sondern auch am Vortag nach Ungereimtheiten suchen.

Es spricht viel dafür, dass die Suchtrupps auch ihn finden. Denn damit die Geräte nicht verloren gehen, sind sie – trotz des umgangssprachlichen Namens – nicht schwarz, sondern meist orange. Zudem senden sie mehrere Wochen per Funk ihre Position, was nach Abstürzen ins Meer wichtig ist. Und um den Speicher zu schützen, wird das Gehäuse aus Stahl gebaut. So übersteht es eine Kollision genauso wie einen Sturz ins Wasser. Es soll sogar eine halbe Stunde lang Temperaturen von bis zu 1100 Grad aushalten können. „Selbst wenn ein Flugzeug mit voller Geschwindigkeit in ein Bergmassiv fliegt, sollte die Blackbox das überleben“, sagt Richter.

Die Kiste ist eine Erfindung des Australiers David Warren. Der Wissenschaftler war Mitte der 1950er Jahre an den Ermittlungen beteiligt, die den Absturz eines Passagierflugzeugs aufklären sollten. Warren hatte kurz zuvor auf einer Messe den ersten Miniaturrekorder gesehen und kam auf die Idee, so ein Gerät in Flugzeuge einzubauen. In Warrens Heimat kam die Idee zunächst nicht an, wie das australische Verkehrsministerium heute zugibt. Der Forscher baute das Gerät daher in seiner freien Zeit. Als ein britischer Offizieller davon hörte, lud er ihn gleich ins Königreich ein. Dort verfing die Idee – und verbreitete sich anschließend in aller Welt.

Seit rund 60 Jahren werden die Rekorder serienmäßig in Flugzeuge eingebaut. Seitdem haben sie bei der Aufklärung zahlreicher Abstürze geholfen und dank der Erkenntnisse vermutlich noch viel mehr Unglücke verhindert. Hoffentlich bringen die Daten aus dem Blackboxen auch im traurigen Fall der 4U9525 Gewissheit.

Kommentare zu " Germanwings-Absturz: Was die Blackbox über den Unglücksflug verrät"

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  • @ wulff baer

    Wenn wirklich die Abgse schuld wäre, ist das nicht ein Problem von GermanWings, sonder von Airbus und allen anderen Flugzeugbauern..

    Es ist ohnehin ein Skandal, daß Triebwerksabgase in den Innenraum gelangen können, egal ob das einen Unfall erzeugt ober nicht..

  • Es könnte sein, dass der Pilot, der nach dem Abgang seines Kollegen allein im Cockpit sass, durch Triebwerksabgase bewußtlos wurde und deswegen nicht mehr die Tür öffnen konnte.
    Etwas ähnliches ist vor einiger Zeit bei einem Flug eines Airbus A 320 im griechischen Luftraum passiert.
    Dort konnte die Besatzung noch rechtzeitig Sauerstoffmasken aufsetzen und notlanden.
    Bei der jetzigen Katastrophe wäre auch ein Suizid denkbar.
    Auf jeden Fall werde ich (genau wie einige German Wings-Besatzungen) mit dieser Fluggesellschaft nicht mehr fliegen.

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