Gewalt in Asylheimen
Privatisierung um jeden Preis?

Die Vorfälle in Burbach lassen an den Verhältnissen in Flüchtlingsheimen in Deutschland zweifeln. Dabei werden die Heime in den nächsten Monaten mehr denn je gebraucht. Die Flüchtlingsströme sind immens.  
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DüsseldorfDie Misshandlungsvorfälle in Flüchtlingsunterkünften häufen sich. Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass in einem Asylheim in Burbach mehrere Menschen von Sicherheitsmännern misshandelt wurden, geraten jetzt auch Mitarbeiter eines Essener Heims in den Verdacht, Gewalt an Flüchtlingen ausgeübt zu haben.

Beide Asylheime sind im Besitz von European Homecare, einem der größten privatwirtschaftlichen Betreiber für Flüchtlingswohneinheiten in Deutschland. Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die Situation der Asylsuchenden und den Umgang von Deutschland mit ihnen.

Die Vorwürfe sind heftig. Die mutmaßlichen Täter, die bei der Sicherheitsfirma SKI Wach- und Sicherheitsgesellschaft angestellt waren und inzwischen entlassen wurden, sollen mehrere Flüchtlinge in einem Heim in Burbach, in der Nähe von Hagen misshandelt und erniedrigt haben. Ihre Taten haben sie mit dem Smartphone gefilmt, das Video gelangte an die Öffentlichkeit. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hagen gegen die Sicherheitsmänner.

Die Verdächtigungen lassen erneut Kritik an der Privatisierung aufflammen. Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft sagte im ZDF, dass die Kette von Unternehmern und Subunternehmern mit der Beschäftigung von „zwielichtigem Personal“ ende. Er bedauere die Vorkommnisse im Asylbewerberheim und bezeichnete sie als „beschämend“.

Angelika von Loeper von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisierte im Gespräch mit Handelsblatt Online die Vorfälle in NRW scharf: „Das ist dramatisch und schrecklich. Anscheinend hat European Homecare bei der Personalauswahl keine Standards, wenn solche Schlägertrupps eingestellt werden.“

Doch gerade in diesen Zeiten ist Deutschland offenbar auf die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen angewiesen. Allein in diesem Jahr haben bisher mehr als 99.500 Menschen einen Asylantrag gestellt und warten in deutschen Heimen auf die Entscheidung.

Zum Vergleich: Laut der Asylgeschäftsstatistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge wurden im vergangenen Jahr circa 62.000 Anträge gemeldet; das entspricht einer Steigerung von 59,4 Prozent.

Auf Nachfrage des WDR, ob bei European Homecare die, von Staat und Menschenrechtsorganisationen geforderten, Standards eingehalten werden, antwortet die Pressesprecherin Renate Walkenhorst ein „klares Nein“: „In dieser Notsituation können wir das nicht.“

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Tägliche Gewaltangriffe von Sicherheitsmännern?

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  • In Berlin hat ein Asylant, einer Nationalität, einen anderen Asylant, der anderer Nationalität war, in einem Übergangsheim abgestochen. Die von dt. Steuergeld bezahlte Polizei muss dort für Ruhe unter den verschiedenen Asylantennationen sorgen.
    Das Problem ist, dass die zu uns kommenden "anderen" Lebensgewohnheiten und Religionen sich mit unserem Rechtssystem anfreunden können. Das sorgt auch im Umgang mit Deutschen für Unmut. Das muss die Politik endlich begreifen. (auch wenn die Vorfälle verabscheuenswert sind!) Noch mehr Zuwanderung und Zersetzung der dt. Kultur ist da bestimmt nicht förderlich.

  • Es ist egal, ob Staat oder privates Unternehmen Arbeitgeber ist. Entscheidend ist die Mentalität der handelnden Person. "Privatisierung" ist nicht das Übel. Auch wenn das linke Ideologen gern so wollen und die Mär vom allmächtigen Planungsstaat predigen.

  • In Deutschland gibt es ca. 35 Mio. Arbeitnehmer und die
    Meisten sind nicht hochqualifiziert.

    Kein Wunder sparrt man doch das Bildungssystem kaputt.
    Siehe Pisatests. Wozu auch die Geburtenraten sind
    viel zu gering über 20 Mio. Rentner schon bei rund 80
    Mio. insgesamt also 25 PROZENT Tendenz steigend.

    In DE werden einfache und vorallen billige Leute
    gebraucht. Das Einkommen ist auf dem Niveau der 2. Welt
    angekommen. Kein Wunder wenn man schaut woher die neuen
    Leute kommen.

    Also werden die Alten immer ärmer werden da Sie zu wenig
    Geld verdient haben vorallem werden die nunmal krank
    und brauchen teure Medizin.

    Niemand der wirklich was kann kommt hier freiwillig zum
    arbeiten her.

    Sicher braucht es auch wieder mehr gute Leute die viel
    wissen aber davon brauch man nicht soviele.

    Immer mehr Leute werden Leiharbeiter und niemanden
    interessiert es wirklich was Sie gelernt haben.

    Wer gut ist sollte eher nach Frankreich oder England
    gehen alleine der Mindestlohn ist schon in Relation
    höher. Selbst in Polen könnte sich das arbeiten bald
    für Ostdeutsche lohnen.

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