Gewinn bricht ein
Rechtsstreit setzt Deutscher Börse zu

Auch im dritten Quartal schrumpft der Gewinn der Deutschen Börse. Schuld ist insbesondere ein Rechtsstreit in den USA. Aber auch die Unsicherheit über den Verlauf der Schuldenkrise schlägt sich in der Bilanz nieder.
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FrankfurtFünf Jahre zurückliegende Geschäfte mit dem Iran haben der Deutschen Börse im dritten Quartal einen heftigen Gewinneinbruch eingebrockt. Für einen bevorstehenden Vergleich mit einer US-Behörde wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Sanktionen legte das Unternehmen 112,5 Millionen Euro zur Seite, wie es am Dienstagabend nach Börsenschluss in Eschborn bei Frankfurt mitteilte. Hinzu kamen die Kosten für Rechtsanwälte von 6,3 Millionen Euro. Das ließ den Überschuss um mehr als 60 Prozent auf 61,6 Millionen Euro absacken.

Zudem konnte das Unternehmen weiter kaum von der Rekordjagd an den Aktienmärkten profitieren. Die Nettoerlöse gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 457,9 Millionen Euro zurück. Der um die Rückstellungen sowie die Kosten für das laufende Sparprogramm bereinigte operative Gewinn (Ebit) schmolz um 10 Prozent auf 224 Millionen Euro.

Die Deutsche Börse hatte bereits am Montagabend die bevorstehenden Rückstellungen wegen der Strafe in den USA angekündigt. Deshalb war die Aktie am Dienstag mit einem Verlust von 1,9 Prozent bereits größter Verlierer im Dax.

Die Abwicklungs- und Wertpapierverwahrtochter Clearstream soll insgesamt knapp 170 Millionen Dollar (123,6 Mio Euro) zahlen. Ursprünglich hatte die Exportkontrollbehörde OFAC sogar 340 Millionen Dollar gefordert. Die Deutsche Börse muss der Einigung noch offiziell zustimmen. Sollte die Angelegenheit im Rahmen eines Vergleichs beendet werden, würde sich der Betrag um weitere 10 Prozent auf 152 Millionen Dollar reduzieren.

Bei dem Verfahren geht es um den Vorwurf, dass Clearstream bei Wertpapierübertragungen innerhalb seines Abwicklungssystems im Jahr 2008 US-Handelssanktionen gegen den Iran missachtet haben soll. Die US-Behörden fuhren zuletzt eine harte Linie, wenn es um Geschäftsbeziehungen westlicher Firmen in den Iran geht.

In der vergangenen Woche hatte Clearstream bereits einen anderen Iran-Fall in den USA weitgehend abgeschlossen. Dabei ging es um die Herausgabe von eingefrorenen Iran-Geldern an die Angehörigen von Opfern eines verheerenden Anschlags auf eine US-Militärbasis im Libanon 1983.

Die Deutsche Börse litt im dritten Quartal unter einem schwächeren Handelsvolumen. Vor allem an der Derivatebörse Eurex hielten sich Anleger zurück. Wegen der geringen Schwankungen an den Finanzmärkten mussten sie nicht so häufig umschichten. Zudem belasteten die niedrigen Zinsen das Geschäft mit der kurzfristigen Anlage von Kundengeldern. Seit langem kämpfen die Börsenbetreiber zudem mit der wachsenden Konkurrenz von außerbörslichen Geschäften - etwa von Banken untereinander.

Die Deutsche Börse versucht mit einem Sparprogramm gegenzusteuern. Die Kosten sollen bis 2016 um dauerhaft 70 Millionen Euro sinken, 140 von 3700 Stellen wegfallen. Das erfordert zugleich aber Investitionen. Dafür legte das Unternehmen im ersten Halbjahr bereits 75 Millionen Euro beiseite, nun kamen weitere 8,2 Millionen hinzu. Ursprünglich hatte Vorstandschef Reto Francioni sein Heil in einer Fusion mit der New Yorker Börse NYSE Euronext gesucht. Doch dieser Versuch scheiterte vor anderthalb Jahren am Veto der EU-Kommission.

Seit dieser Niederlage versucht Francioni, die Deutsche Börse allein weiterzuentwickeln. Dabei steigt das Fusionsfieber der Börsenbetreiber international inzwischen wieder deutlich an. So will die US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) in wenigen Tagen den Kauf der NYSE für 8,2 Milliarden Dollar abschließen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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