Glücksspiel
EU erhöht den Druck beim Sportwetten-Monopol

Der EU-Kommission ist der deutsche Sportwetten-Markt schon lange ein Dorn im Auge. Offiziell darf nur Oddset Wetten anbieten. Nun macht die EU-Kommission erneut Druck. Die Spieler haben längst Alternativen gefunden.
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MünchenEs gibt nur noch wenige Monopole in Deutschland. Selbst die Schornsteinfeger müssen sich inzwischen dem Wettbewerb stellen. Nur die Sportwetten, die sind hierzulande nach wie vor streng geregelt: Lediglich der staatliche Monopolist Oddset darf sie anbieten.

Der EU-Kommission ist das schon seit Jahren suspekt – und nun starten die Bürokraten aus Brüssel erneut einen Angriff auf das Monopol. Die Bundesregierung muss einige unangenehme Fragen beantworten. In einem mehrseitigen Brief fordert die Kommission unmissverständlich Auskunft darüber, wann das Geschäft endlich liberalisiert wird. Die Bürokraten wollen in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, unter anderem wissen, „welche Schritte die deutschen Behörden unternehmen werden, um das gegenwärtig fortdauernde unionsrechtswidrige Sportwettmonopol unverzüglich zu beenden“.

Der Hintergrund des Schreibens: Vor drei Jahren ist in Deutschland der neue Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft getreten. Mit der Übereinkunft der Länder sollte das Milliardengeschäft Sportwetten liberalisiert werden – allerdings nur ein bisschen. Doch der Vertrag ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben wurde. Noch immer hat die deutsche Bürokratie keine einzige der 20 Sportwettlizenzen verteilt, die damals versprochen wurden.
Mehr noch: Inzwischen sieht es so aus, als würde es auch gar nicht mehr dazu kommen.

Ein Gerichtsverfahren jagt das nächste, denn deutlich mehr als 20 Firmen wollen eine Konzession. Daher ziehen die bislang in der Auswahl nicht berücksichtigten Bewerber vor den Kadi und verzögern so den ganzen Prozess. Doch die Zeit drängt. In vier Jahren nämlich sollen die Lizenzen, die es bis heute gar nicht gibt, bereits wieder verfallen.

Natürlich warten die Zocker hierzulande nicht darauf, bis irgendwann einmal Sportwettlizenzen verteilt werden. Sie verwetten jedes Jahr Milliarden bei Unternehmen, die dem Gesetz nach gar nicht in Deutschland tätig sein dürften. Nur die staatliche Oddset darf derzeit Wetten anbieten. Doch deren Quoten sind unattraktiv, die Spieler machen einen weiten Bogen um den Monopolisten. Die Konzerne zahlen auf ihr illegales Handeln sogar Steuern, die vom Finanzamt auch gerne kassiert werden.

Die EU-Kommission sieht die deutsche Glücksspiel-Politik kritisch, nicht nur bei den Sportwetten. Auch bei Online-Casinos sind die Beamten skeptisch. Das Verbot der Spiele sei „dem Anschein nicht durchsetzbar“, urteilen die Experten in Brüssel. Daher die Frage, ob die restriktive Haltung überdacht werde.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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