Goldman Sachs, JP Morgan & Co.
Wall Street kämpft gegen Brexit

Erst sprach sich der Deutsche Bank-Chefvolkswirt gegen den Brexit aus, jetzt mischen sich auch die US-Banken in die Debatte ein. Sie unterstützen wohl politische Pro-EU-Kampagnen. Der Grund ist ein ganz praktischer.

New YorkWenn die Briten spätestens im nächsten Jahr in einem Volksentscheid über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union befinden, steht auch für die New Yorker Wall Street viel auf dem Spiel. Mehrere US-Großbanken haben ihren Europa-Sitz in London – und fürchten, dass ihre Geschäfte in der EU bei einem „Brexit“ leiden werden. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen erfuhr, hat die Investmentbank Goldman Sachs bereits hunderttausende Pfund an die Initiative „Britain Stronger in Europe“ gespendet.

Die Initiative, die sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU einsetzt, wurde im Oktober von dem Geschäftsmann und früheren Chef der Kaufhauskette Marks & Spencer, Stuart Rose, gegründet. Wie es an der Wall Street heißt, könnten bald auch die US-Finanzinstitute JP Morgan Chase, Bank of America und Morgan Stanley folgen. Nur die Citigroup plant demnach nicht, die britischen EU-Befürworter finanziell zu unterstützen.

Von der Londoner City aus können die US-Banken in allen EU-Ländern ohne spezielle Lizenz tätig sein – ein Privileg, das bei einem „Brexit“ wegfallen dürfte. „Das wird die Aktivitäten durcheinanderwirbeln“, sagte ein US-Banker. Die Tür zu einem Markt mit 500 Millionen Menschen würde geschlossen. Außerdem müssten wohl bestehende Verträge mit Kunden neu ausgehandelt werden.

Die US-Finanzinstitute, die in London rund 40.000 Menschen beschäftigen, müssten sich einen neuen Standort für ihre in Euro abgewickelten Geschäfte suchen. Das ist bislang aus Großbritannien möglich, auch wenn das Land nicht der Gemeinschaftswährung angehört. Der erzwungene Umzug in den Euroraum würde auch bedeuten, dass die US-Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Rechenschaft ablegen müssen.

„Was sicher wäre ist, dass wir nicht mehr wie vorher Geschäfte machen können“, sagte ein US-Banker, der in London arbeitet. JP Morgan Chase, Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs prüfen nach Angaben aus informierten Kreisen bereits Alternativen, auch wenn der Standortwechsel hohe Kosten verursachen würde. Im Gespräch seien neben den Finanzplätzen Paris und Frankfurt am Main auch die irische Hauptstadt Dublin.

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