Griechenland-Tourismus: Achtung – nichts für schwache Nerven!

Griechenland-Tourismus
Achtung – nichts für schwache Nerven!

Griechenlands Inseln sind der Renner bei deutschen Touristen. Doch die Schließung der Banken sorgt für Verunsicherung, viele reisen mit Bündeln von Euro-Scheinen an. Die Frage ist: Gibt es Bares am Automaten?
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Athen/DüsseldorfFrüher war es der kürzeste Weg zum Strand oder der günstigste Autovermieter, wonach sich ausländische Touristen an griechischen Hotel-Rezeptionen erkundigten. Heute gilt die erste Frage etwas anderem: sicheren Safes auf den Zimmern. Weil die drohende Staatspleite die Geldversorgung im Land behindert, reisen Touristen nun wieder mit Bündeln von Euro-Scheinen ins Land.

Das Auswärtige Amt rät allen Griechenland-Reisenden, sich mit ausreichend Bargeld zu versorgen. Verschließbare Aufbewahrungsorte sind gefragt. „Kunden wollen sich sicher fühlen, dass sie für den Fall, dass etwas passiert, Zugang zu Geld haben“, berichtete Kostas Dimitrokalis, Chef der griechischen Herbergskette KD Hotels, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Mindestens bis kommenden Montag bleiben die Filialen der Geldhäuser geschlossen. Zudem wurden die täglichen Barabhebungen an Automaten für Griechen auf 60 Euro pro Tag beschränkt. Damit gilt die Bankenschließung bis nach dem Referendum über die Vorschläge der internationalen Geldgeber Griechenlands, das am kommenden Sonntag stattfindet. Dagegen sollen ausländische Gäste auch weiterhin ohne Beschränkungen mit ihren heimischen EC- und Kreditkarten Geld abheben können.

„Der Automat funktioniert? Wieviel haben Sie bekommen? Sechzig Euro?“, fragt die Studentin Chrissoula den etwa gleich alten jungen Mann, der am Ausgabeschacht des Bankterminals zu seinen Geldscheinen greift. Als sie erkennt, dass er sie nicht versteht, wiederholt sie ihre Frage auf Englisch. „Ich konnte ohne Probleme zweihundert Euro abheben“, macht ihr der Griechenland-Urlauber aus Kalifornien Mut.

Doch als Chrissoula an der Reihe ist, verweigert der Geldautomat den Dienst. Die Enttäuschung ist der zierlichen Frau ins Gesicht geschrieben, als sie sich von der Außenfassade der Eurobank an der „Straße des 28.Oktober“ Nahe des Athener Zentrums abwendet und in der gegenüberliegenden Bäckerei verschwindet. Urlauber können da entspannter sein.

Diese Ausnahmeregelung an den Geldautomaten dürfte maßgeblichen Anteil daran haben, dass Urlauber von der eskalierenden Krise bisher wenig Notiz nehmen. „Erstaunlich wie gelassen die Menschen hier mit der Situation umgehen“, sagt eine Norwegerin, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter im Polis-Hotel ganz in der Nähe des zentral gelegenen Athener Omonia-Platzes am Frühstücksbuffet ansteht. „Gestern Abend haben wir eine Gruppe von fünfzig, sechzig jungen Griechen gesehen, die auf dem Vorplatz eines historischen Gebäudes in der Altstadt gemeinsam getanzt haben“, beschreibt die Frau ein Erlebnis, das sie beeindruckt hat. „Ich beneide die Griechen um diese positive Energie“, ergänzt die Urlauberin.

Auch deutsche Touristen sehen die Situation in Griechenland überraschend gelassen – erst recht, wenn sie auf den Ferieninseln weit weg von der Hauptstadt Urlaub machen. „Ich stehe derzeit mit Reisekunden in Kos, Kreta und Rhodos im Kontakt“, berichtete am Montag die Iserlohner Agenturchefin Marija Linnhoff auf Handelsblatt-Anfrage. „Niemand von ihnen berichtet über Probleme, selbst die Geldautomaten funktionieren anstandslos.“

In einem Facebook-Forum der Reisebürobranche, in dem rund 700 Agenturinhaber regelmäßig aktuelle Warnungen veröffentlichen, sind Griechenland-Reisen trotz der bevorstehenden Staatspleite derzeit kein Thema.
„Es gibt nur geringfügig mehr Anrufe in unserem Service-Center als üblich“, berichtet eine Sprecherin des Münchener Reiseveranstalters FTI. Eine Hotline habe man bislang nicht einrichten müssen. Und selbst die Buchungszahlen für Hellas bezeichnet man bei FTI weiterhin als „stabil“.

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