Großbritannien Blaue Brexit-Pässe sollen auf dem Kontinent hergestellt werden – britischer Drucker will dagegen klagen

Der Auftrag für die neuen blauen Pässe ging ausgerechnet an eine Firma aus der EU. Das will der britische Drucker De La Rue nicht hinnehmen.
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Brexit-Pässe: Streit geht weiter – britischer Drucker klagt Quelle: Reuters
Früherer blauer britischer Pass

Brexit-Befürworter waren von der Rückkehr zu „ihrem blauen Pass“ begeistert.

(Foto: Reuters)

LondonEr sieht schlicht und unauffällig aus: Der britische Reisepass in dezentem dunkelblau. Doch seit einigen Wochen sorgt das Ausweisdokument, das für Brexit-Befürworter zu einem Symbol für ihre Souveränität von der EU geworden ist, in Großbritannien für Aufregung. Die Regierung in London hatte kürzlich den Auftrag für den Druck der Dokumente vergeben – und zwar an ein Unternehmen vom europäischen Kontinent.

Das wollen tausende Briten nicht hinnehmen. Auch nicht De La Rue, das britische Unternehmen, das bei der Ausschreibung den Kürzeren gezogen hatte. Wie die „Financial Times“ unter Berufung auf das Unternehmen berichtet, hat De La Rue erste Schritte eingeleitet, um gegen die Auftragsvergabe zu klagen.

Das Traditionsunternehmen ist trotz seines französisch klingenden Namens seit 1821 in England ansässig und der größte nichtstaatliche Hersteller von Sicherheitsdokumenten und Banknoten – auch der britischen Pässe. Doch bei der Vergabe des Auftrags für den neuen Reisepass erhielt das französisch-niederländische Unternehmen Gemalto den Zuschlag für den 500-Millionen-Euro-Deal.

Der kontinentale Konkurrent soll wesentlich weniger Geld für den Druck der Papiere verlangt haben. Auf Seiten der Regierung in London wies man schnell auf die möglichen Einsparungen hin, als die umstrittene Entscheidung publik wurde.

Doch die Briten sind empört, zumal der neue, dunkelblaue Pass zu einer Art Ikone der Brexit-Befürworter geworden ist. Ende vergangenen Jahres hatte die Regierung in London voller Stolz verkündet, dass der EU-Abschied Großbritannien „die einzigartige Gelegenheit gibt“, den Briten die „nationale Identität“ zurückzugeben und einen „neuen Pfad in der Welt zu beschreiten“ – und zwar dank „der Rückkehr zu dem denkwürdigen blau-goldenen Design des britischen Passes“.

Zwar schreibt die EU ihren Mitgliedsländern nicht die Farbe ihrer Pässe vor. Doch Großbritannien hatte bei der Einführung des burgunderfarbenen Designs in der EU in den 1980er-Jahren mitgezogen.

Brexit-Befürworter waren von der Rückkehr zu „ihrem blauen Pass“ begeistert, Premierministerin Theresa May bejubelte den Farbwechsel als „Ausdruck unserer Unabhängigkeit und Souveränität“. Angesichts dieser Vorfreude sind viele Briten nun entsetzt von der Nachricht, dass kein britisches, sondern ein EU-Unternehmen den Auftrag erhalten hat und britische Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen könnten.

Countdown läuft: Noch ein Jahr bis zum Brexit

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„Ich muss mich nun vor meine Mitarbeiter stellen, ihnen in die Augen schauen und versuchen zu erklären, warum die britische Regierung es für die richtige Entscheidung hält, französische und nicht britische Pässe zu kaufen“, beschwerte sich De-La-Rue-Chef Sutherland im BBC-Radio. Auch Gewerkschaftsvertreter Len McCluskey kritisierte, dass in Frankreich die Regierung eine andere Entscheidung getroffen hätte. De La Rue sei ein Unternehmen, das in Großbritannien Arbeitsplätze schaffe – „und zwar genau solche, die von der Regierung gefördert werden sollten“.

Das britische Boulevard-Blatt „Daily Mail“ – das gerne die Vorteile des Brexit herausstellt – hat sogar eine Petition ins Leben gerufen. Über 260.000 Menschen sollen bereits fordern, dass die Pässe „zuhause“ produziert werden. Und offenbar zeigt der öffentliche Druck Wirkung. Das britische Innenministerium hat die Frist, in der die an der Ausschreibung beteiligten Unternehmen Einspruch gegen die Auftragsvergabe einlegen können, bis zum 17. April verlängert.

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  • Wahrscheinlich folgte die EU-weite Ausschreibung europäischen Rechtsanforderungen. Wenn dem so ist, musste die britische Regierung europaweit ausschreiben und den günstigsten Anbieter bei gleicher Leistung auswählen. Da die Briten noch Teil der EU sind, gilt EU-Recht b.a.W.. Die französische Firma könnte gegen eine Vergabe an eine teurere GB-Firma ihrerseits Klage erheben. Das Recht ist Glasklar auf Seiten der Franzosen.

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