Hauptversammlung des Klinikkonzerns
Rhön-Eigner greifen neuen Großaktionär Braun an

Ludwig Georg Braun ist Aufsichtsratschef bei B. Braun. Der Krankenhauszulieferer hat sich beim Kunden Rhön-Klinikum eingekauft – und Braun will auch dort Aufseher werden. Auf der Hauptversammlung gibt es herbe Kritik.
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FrankfurtEisiger Empfang für den neuen Großaktionär: Die Anteilseigner von Rhön-Klinikum haben Ludwig Georg Braun, den Aufsichtsratschef des Krankenhauszulieferers B. Braun, auf der Hauptversammlung am Donnerstag scharf kritisiert. B. Braun hat den Anteil an Rhön im vergangenen Jahr auf über 15 Prozent erhöht und beansprucht nun einen Platz im Aufsichtsrat der fränkischen Klinikkette. Da Rhön viele Produkte von B. Braun bezieht, sehen viele Aktionäre jedoch einen Interessenskonflikt.

„Der will seine Plasmabeutel hier verkaufen - darum geht es doch“, rief ein erboster Rhön-Aktionär. „Wurde der Frieden mit Braun mit höheren Preise oder Nebenabreden bezahlt?“, fragte Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Braun hatte sich 2012 zusammen mit Asklepios bei Rhön eingekauft und damit einen Verkauf des Konzerns an Fresenius verhindert. Außerdem lieferte er sich diverse juristische Auseinandersetzungen mit Rhön.

Bei seiner Vorstellung als Kandidat für den Rhön-Aufsichtsrat erklärte Ludwig Georg Braun, er wolle durch den Einstieg bei den Franken die Entwicklung des deutschen Gesundheitssektors mitgestalten. Das Gesundheitssystem, „das einen großen Absatzmarkt für unsere Produkte darstellt“, müsse intakt und modern bleiben. Zudem seien sich B. Braun und Rhön in vielen Dingen ähnlich. Beide Firmen hätten den Mut zu Veränderungen und fühlten sich in besonderer Weise verantwortlich für ihre Mitarbeiter, sagte Braun. Als Aufsichtsrat bei Rhön-Klinikum wolle er zudem seine mehrjährigen Auslandserfahrungen einbringen.

Mehrere Aktionäre bezeichneten Brauns Vorstellung als unzureichend. „Er hat sich als der große Weltbürger dargestellt, der sich herablässt, in ein kleines provinzielle Unternehmen herabzusteigen“, sagte einer von ihnen. Besonders schlecht kam bei den Aktionären an, dass Braun nach seiner kurzen Ansprache den Veranstaltungsraum verließ.

Rhön-Vorstandschef Martin Siebert, der sich bei einigen Zwischenrufen das Lachen nicht verkneifen konnte, versuchte die Wogen zu glätten. Der Konzern werde sicherstellen, dass alle Lieferbeziehungen zu B. Braun marktgerecht seien und sich ausschließlich am medizinischen Bedarf orientierten. Außerdem entscheide über Lieferverträge nicht der Aufsichtsrat.

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„Wir sind auf ein schnelleres Boot umgestiegen“

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