Hauptversammlung
Rhön-Aktionäre winken Aktienrückkauf durch

Für wichtige Entscheidungen soll bei dem Unternehmen künftig eine Mehrheit von 75 Prozent ausreichen. Die Hauptversammlung beschloss zudem, dass Rhön Aktien im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro zurückkaufen wird.
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FrankfurtRhön-Klinikum will die Hürde für eine Übernahme der fränkischen Klinik-Kette senken. Für wichtige Entscheidungen soll bei dem Unternehmen künftig eine Mehrheit von 75 Prozent ausreichen, wie die Aktionäre am Donnerstagabend am Ende einer fast elf Stunden langen Hauptversammlung beschlossen. Bisher ist dafür eine Zustimmung von mindestens 90 Prozent nötig, woran 2012 der Komplett-Verkauf an den Gesundheitskonzern Fresenius gescheitert war.

Stattdessen hat Fresenius Anfang diesen Jahres nun für drei Milliarden Euro einen Großteil der Rhön-Krankenhäuser übernommen. Einen Teil der Einnahmen will der Konzern nun an seine Aktionäre weitergeben. Die Hauptversammlung beschloss, dass Rhön Aktien im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro zurückkaufen wird und diese anschließend einzieht. Das Grundkapital des Unternehmens halbiert sich dadurch in etwa. Bei der Hauptversammlung übten die Rhön-Aktionäre zudem heftige Kritik an Großaktionär B. Braun. Der Krankenhauszulieferer aus Melsungen hat seinen Anteil an Rhön inzwischen auf 18 Prozent aufgestockt, wie ein Anwalt der Firma erklärte.

In der Branche warten viele jetzt gespannt darauf, wie sich Braun und die übrigen Großaktionäre - Firmengründer Eugen Münch, der Pensionsfonds Alecta sowie die Konkurrenten Asklepios und Fresenius beim Aktienrückkauf verhalten. Sollten sie alle Papiere behalten, würde sich ihr Anteil an Rhön in etwa verdoppeln - B. Braun würde dann auf mehr als 30 Prozent kommen und müsste vermutlich ein Übernahmeangebot vorlegen. In der Branche wird seit langem spekuliert, dass die Franken auch die verbliebenen Kliniken verkaufen könnten. Münch hatte sich dafür in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters kürzlich erstmals grundsätzlich offen gezeigt.

Durch die geplante Senkung der dafür nötigen Zustimmung auf 75 Prozent wäre ein Verkauf künftig leichter als in der Vergangenheit. Die Rhön-Aktionäre hatten eine Absenkung der Hürde bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Nun lehnten sie einen Antrag ab, diese Entscheidung aufzuheben. Sie unterstrichen damit, dass sie auch nach dem Verkauf zahlreicher Kliniken an Fresenius zu der Entscheidung stehen. Sie ist bisher nicht ins Handelsregister eingetragen, da es gegen den Beschluss aus dem Vorjahr noch drei Klagen gibt. Bei der Abstimmung 2013 wurden die Stimmen des Großaktionärs B. Braun aus formalen Gründen nicht mitgezählt. Dagegen hat unter anderem Asklepios geklagt.

B. Braun hatte sich 2012 zusammen mit Asklepios bei Rhön eingekauft und damit im ersten Anlauf einen Verkauf des Konzerns an Fresenius verhindert. Im vergangenen Jahr erhöhte Braun seinen Anteil an Rhön auf über 15 Prozent und beanspruchte einen Sitz im Aufsichtsrat. Die Aktionäre wählten Ludwig Georg Braun am Donnerstag letztendlich auch in das Gremium. Mehrere Kleinaktionäre übten an der Nominierung des Aufsichtsratschefs von B. Braun jedoch heftige Kritik.

Da Rhön von B. Braun zahlreiche Produkte bezieht, werde es zwangläufig zu Interessenkonflikten kommen, klagten mehrere Anteilseigner. "Der will seine Plasmabeutel hier verkaufen - darum geht es doch", rief ein erboster Rhön-Aktionär. Rhön erklärte jedoch, Brauns Einzug in den Aufsichtsrat werde keinen Einfluss auf die Lieferbeziehungen zu B. Braun haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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