HIG Capital: US-Investor schnappt sich offenbar den Nürburgring

HIG Capital
US-Investor schnappt sich offenbar den Nürburgring

HIG Capital hat beim Bundeskartellamt die Übernahme „wesentlicher Teile“ des Nürburgrings angemeldet. Für den US-Investor, der sich Partner mit deutschem Know-how angelacht hat, wird der „Ring“ wohl zum Schnäppchen.
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FrankfurtDer Nürburgring gehört künftig wohl einem amerikanischen Finanzinvestor. Die Beteiligungsgesellschaft HIG Capital hat beim Bundeskartellamt die geplante Übernahme „wesentlicher Teile“ der insolventen Nürburgring GmbH angemeldet, zu der neben der traditionsreichen Rennstrecke in der Eifel auch Hotels und ein Vergnügungspark gehören. Zudem hat der Investor mehrere Vorratsgesellschaften für die Übernahme des Formel-1-Kurses gegründet. Ein Sprecher von Sachwalter Jens Lieser, der den Verkauf der ehemals landeseigenen Rennstrecke vorantreibt, betonte am Mittwoch, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Lieser wolle den 1927 errichteten „Ring“ aber bis Ende März verkauft haben.

Die Wirtschaftswoche die den Namen des Käufers als erste genannt hatte, bezifferte den Kaufpreis auf maximal 60 bis 70 Millionen Euro. Lieser hatte sich eigentlich eine dreistellige Millionensumme vorgestellt. Das Land Rheinland-Pfalz hatte mehr als 300 Millionen Euro in den Ausbau des Nürburgrings zu einem Freizeitzentrum gesteckt. Doch die hochfliegenden Erwartungen erfüllten sich nicht, die Besucherzahlen waren zu niedrig für einen profitablen Betrieb. Als die EU-Kommission weitere Zuschüsse aus der Staatskasse unterband, ging der Nürburgring 2012 in die Insolvenz.

Der mutmaßliche neue Eigentümer will das Gelände in der Eifel wieder verstärkt auf den Motorsport ausrichten, wie ein Insider sagte. Auf dem Nürburgring gastiert alle zwei Jahre die Formel 1. Dort unterziehen aber auch viele Autohersteller ihre neuen Modelle einem Belastungstest, an Wochenenden zahlen Hobby-Fahrer Geld, um die als „Grüne Hölle“ bekannte Nordschleife mit dem eigenen Auto abfahren zu können. Sie war einst mit 20 Kilometern die längste Formel-1-Strecke der Welt. Heute fährt die Rennserie nur noch auf einem 5,1 Kilometer langen Kurs. Auch für Musik-Festivals und andere Events wird das Areal genutzt. H.I.G. Capital wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

H.I.G. Capital hat sich dem Magazinbericht zufolge mit dem britischen Investmentbanker Meyrick Cox sowie dem Unternehmer Markus Graf Oeynhausen-Sierstorpff zusammengetan,

dem Chef der privaten Rennstrecke „Bilster Berg“ im Teutoburger Wald. In Deutschland hat HIG bisher vor allem in den Mittelstand und in Unternehmen in Schwierigkeiten investiert. Bekannteste Beteiligung der Amerikaner ist das Entsorgungssystem „Der Grüne Punkt“. Zuletzt hatte HIG den Fensterbauer Weru gekauft.

Zu den Interessenten am Nürburgring oder Teilen davon hatte auch der Düsseldorfer Rennsport- und Autozulieferer Capricorn gehört. Auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte zuletzt eine Offerte angekündigt. Der Automobil-Club ADAC, der den Nürburgring für den Motorsport erhalten will und selbst mitbot, legte zwischenzeitlich Protest gegen das Bieterverfahren ein.

Liesers Sprecher sagte, die Verkaufsverhandlungen liefen mit Hochdruck, es sei aber noch nichts unterschrieben. „Der Investorenprozess ist noch in vollem Gange. Das bedeutet: Es steht noch keine Entscheidung über einen oder mehrere neue Erwerber für den Nürburgring fest.“ Lieser und der mit der Sanierung des Nürburgrings beauftragte Thomas Schmidt peilten weiterhin einen Vertragsabschluss bis Ende des Monats an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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