Hochbau-Studie

Auf dem Bau herrscht Zuversicht

Die deutsche Bauindustrie hat wieder auf Wachstum umgestellt. Neben aktuellen Konjunkturprognosen bestätigt das auch die Hochbaustudie 2016 der Strategieberatung OC&C. Vor allem der Mietwohnungsbau boomt.
Die Branche ist zuversichtlich, dass sie ihr Wachstum 2016 fortsetzen kann. Quelle: dpa
Wohnungsbau in Hamburg

Die Branche ist zuversichtlich, dass sie ihr Wachstum 2016 fortsetzen kann.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür die deutsche Bauwirtschaft hält der Trend nun schon seit zwei Jahren an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Nach zwei Jahren der Konsolidierung und einem starken Jahr 2014 mit einem Wachstum von 2,3 Prozent wuchs der deutsche Hochbau auch 2015 – und zwar um 0,9 Prozent auf ein Marktvolumen von 219,8 Milliarden Euro. „Wir verzeichnen beim Hochbau nur leichtes Wachstum, aber wir sind auf einem sehr hohen Niveau – sowohl beim Neubau als auch bei der Renovierung“, sagt Björn Reineke, Bauexperte der Strategieberatung OC&C. Für eine Art Sonderkonjunktur im Winter sorgte das milde Wetter im November und Dezember – die Branche verzeichnete „eine positive Dynamik“ bei Auftragseingängen und Baugenehmigungen.

In ihrer „Hochbauprognose 2016“ erwarten die Bauexperten von OC&C für das laufende Jahr wieder ein stärkeres Wachstum von 1,3 Prozent. Dabei gehen sie von einer erhöhten Investitionsbereitschaft im „Nichtwohnungsbau“ aus und von einer Erholung beim öffentlichen Bau. Wichtigster Wachstumsfaktor ist allerdings weiterhin der Bau von Mietwohnungen: „Das liegt an dem ungebrochenen Trend zur Urbanisierung und am Wohnungsmangel in den Städten“, erklärt OC&C-Experte Axel Schäfer.

Neben der ansteigenden Wohnungsnachfrage sorgen aber auch der extrem niedrige Zinssatz, eine anhaltende Attraktivität von Immobilienanlagen sowie die Wohnungsbauoffensive der Bundesregierung für Schwung: „Der Bund hat ein Programm zur Unterstützung des Neubaus von Wohnungen mit einem Ziel von insgesamt 250.000 Einheiten pro Jahr aufgelegt“, sagt Schäfer weiter. Viele Experten haben zwar einen Bedarf von etwa 400.000 neuen Wohnungen im Jahr errechnet. Aber klar ist auch: Es wird geklotzt und nicht mehr gekleckert. Wohnungssuchende können also auf eine baldige Entspannung auf dem Markt hoffen.

Gut für die Bauwirtschaft, dass so viele Wohnungen gebraucht werden: „Der öffentliche Bau ist nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete schwach. Wir erwarten, dass er leicht ins Positive dreht, aber er wird kein Wachstumstreiber“, sagt Schäfer. Die durch die Zuwanderung notwendig werdenden Investitionen werden sich allerdings schon ab 2016 positiv auswirken. Aber noch ist es schwer vorherzusagen, wie viel das ausmachen wird.

Laut Studie sorgen die guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsaussichten sowie positive Tendenzen bei der Bevölkerungsentwicklung (inklusive Zuwanderung), Pro-Kopf-Wohnraumbedarf, niedrige Zinsen sowie günstige Finanzierungsbedingen dafür, dass das Neubaugeschäft bis zum Jahr 2018 weiterwachsen wird – und zwar im Schnitt um 2,2 Prozent pro Jahr. Für Renovierungen sehen die Experten keine zusätzlichen Wachstumsimpulse. Sie prognostizieren aber eine stabile Nachfrage auf hohem Niveau.

Allerdings sehen die Experten von OC&C auch Faktoren, die das Wachstum am Bau begrenzen könnten. „Die Preise für Neubauten sind in Ballungsräumen stärker gestiegen als die Mieteinnahmen“, sagt Berater Reineke. Und sein Kollege Schäfer ergänzt: „Die Kaufpreise steigen stärker als die Mieten.“ Diese Entwicklung wirke sich negativ auf die Rendite von Immobilieninvestitionen aus und sei damit ein gegenläufiger Aspekt zu den niedrigen Zinsen. Das Auseinanderdriften von Miet- und Kaufpreisen sei besonders in den Großstädten zu beobachten. Außerhalb der Ballungsräume seien die Preise weiterhin günstig. Investoren seien deshalb verstärkt auf der Suche nach Objekten in nur mittelgroßen, aber dynamischen Städten wie Magdeburg oder Leipzig.

Zu einem weiteren Hemmschuh für das Wachstum könnte in Zukunft der Personalmangel werden. Auf dem hohen Niveau des Bauvolumens scheinen die Unternehmen des Baugewerbes zunehmend an ihre Kapazitätsgrenze zu stoßen, heißt es in der Studie. Insbesondere an Facharbeitern bestehe erheblicher Bedarf. So habe bereits 2014 die Anzahl der in den Ruhestand verabschiedeten Arbeiter gegenüber Neuverträgen für gewerblich Auszubildende deutlich höher gelegen.

„Die Nachwuchssorgen auf dem Bau sind ein limitierender Faktor“, sagt Bauexperte Schäfer. „Wir müssen den jungen Leuten zeigen, dass man im Handwerk durchaus eine interessante Arbeit finden und ordentlich Geld verdienen kann.“ Die Arbeitslosenstatistik macht das Dilemma deutlich: Die Zahl arbeitsloser Baufacharbeiter und Bauingenieure ist seit 2009 um etwa 40 Prozent gefallen – bei gleichzeitigem Anstieg der offenen Stellen.

Wo es 2030 in Deutschland noch teurer wird
Platz 15: Bremen
1 von 15

In mehr als 80 Prozent der deutschen Großstädte haben sich die Preise für Wohnungen und Häuser in den vergangenen zehn Jahren nach oben entwickelt. Dazu hat vor allem die Urbanisierung beigetragen. Nach einer Auswertung der Postbank wird es in Bremen in Zukunft auch so weiter gehen. In den folgenden Städten wird es sogar noch teurer.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose bis 2030*: + 0,48 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen bis 2030**: + 0,21 Prozent

* Annahme: Von 2015 bis 2030 migrieren 1 Million Flüchtlinge in die Bundesrepublik (Bleiberecht inkl. Familienzuzug); die Verteilung der Flüchtlinge auf die Bundesländer erfolgt
nach dem Königsteiner Schlüssel, innerhalb der Bundesländer nach Bevölkerungsanteilen.
* Prognostizierte Preisentwicklung auf Basis der angenommenen Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingszuzug; Veränderungen des Verkaufspreises in Euro pro Quadratmeter.

Quelle: Postbank

Platz 14: Köln
2 von 15

Auch in Köln werden die Preise steigen. Insgesamt werden sich in den kommenden 15 Jahren sich Städte und Regionen sehr unterschiedlich entwickeln: Weniger als die Hälfte der Städte werden noch wachsen, trotz Flüchtlingszuzug. Und: Die Bevölkerungsentwicklung einer Stadt und die Preise am Immobilienmarkt hängen eng zusammen, wie die Studie der Postbank zeigt.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,22 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 3,38 Prozent

Platz 13: Leipzig
3 von 15

In vielen Städten mildern neue Mitbürger, denen nach dem Asylverfahren ein Bleiberecht und damit eine Perspektive gewährt werden, den Bevölkerungsrückgang zumindest ab. Vor allem der Osten kann vom Zuzug durch Flüchtlinge profitieren, während er in prosperierenden Städten Engpässe auf dem Immobilienmarkt noch verstärken wird.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,38 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 3,40 Prozent

Platz 12: Dresden
4 von 15

Der Studie liegt die Annahme zugrunde, dass bis 2030 insgesamt etwa eine Million Menschen zuwandern – und der Zuzug damit etwa der Zahl der Flüchtlinge entspricht, die im Jahr 2015 ins Land kam. Die gegenwärtige Verteilung auf die Bundesländer nach dem Königsteiner Schlüssel wird fortgeschrieben, innerhalb der Länder wird eine Aufteilung auf Städte nach Bevölkerungsanteilen angenommen.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,57 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 4,06 Prozent

Platz 11: München
5 von 15

Grund für die erhöhte Wohnflächennachfrage in Städten wie München sind die steigende Anzahl von Haushalten, insbesondere Single-Haushalten, sowie der Wunsch nach mehr Wohnraum. „Der steigende Wohnflächenbedarf wird vor allem die Nachfrage nach Eigentumswohnungen ankurbeln“, erklärt Postbank-Experte Dieter Pfeiffenberger.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 1,58 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 4,39 Prozent

Platz 10: Aaachen
6 von 15

Die Preisstürze in den schrumpfenden Städten hingegen werden der Studie zufolge wahrscheinlich durch einen weiteren Trend abgemildert – nämlich durch die steigende Wohnflächennachfrage.

Bevölkerungs-entwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 2,06 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 6,33 Prozent

Platz 9: Düsseldorf
7 von 15

In allen 36 untersuchten Städten sind die Immobiliengrößen pro Haushalt in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Wurde im Jahr 2005 noch auf 71,8 Quadratmetern gewohnt, sind es jetzt im Schnitt 73,3 Quadratmeter. Bis 2030 wird die Wohnflächennachfrage in drei Viertel der untersuchten Städte weiter steigen, prognostiziert die Studie.

Bevölkerungsentwicklung inkl. Flüchtlingsprognose: + 2,18 Prozent
Bevölkerungsbedingte Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen: + 6,74 Prozent

Was tun die Unternehmen dagegen? Sie beschäftigen zunehmend auch Facharbeiter aus dem Ausland oder vergeben Aufträge gleich komplett ins unmittelbare Ausland. So ist es nicht mehr weiter erstaunlich, dass beim Umbau einer feinen Einkaufsgalerie auf der Düsseldorfer Königsallee Angestellte einer Schreinerfirma aus Portugal werkeln.

Der große Zukunftstrend ist beim Hochbau wie auch in der gesamten Bauwirtschaft die Umstellung auf IT-Systeme. „Die Veränderungsgeschwindigkeit beim Bau ist so hoch wie lange nicht. Sie wird getrieben insbesondere durch die Digitalisierung“, erklärt Reineke. Er sieht auch einen positiven Effekt für Unternehmen wie OC&C: „Deshalb ist die Baubranche derzeit ein interessantes Umfeld für Berater.“ Übersetzt in klares Deutsch: Im Baugeschäft dürfte in den kommenden Jahren noch viel Musik drin sein.

Startseite

Mehr zu: Hochbau-Studie - Auf dem Bau herrscht Zuversicht

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%