Hochtief
Australien wirft deutschem Baukonzern Insiderhandel vor

Hochtief steht im Visier der australischen Behörden: Der deutsche Konzern soll Insiderhandel mit Aktien der Tochter Leighton betrieben haben. Nun droht eine Geldstrafe.

SydneyDeutschlands größter Baukonzern Hochtief hat in Australien Regeln gegen den Insiderhandel verletzt. Die Börsenaufsicht ASIC wirft Hochtief vor, beim Kauf von Leighton-Aktien im Jahr 2014 anders als andere Marktteilnehmer gewusst zu haben, dass die australische Tochter Gewinne am oberen Ende der damals angestrebten Ertragsspanne wohl erreichen wird. Die Aufsicht habe den Fall nun vor ein Bundesgericht gebracht und verlange dort eine Geldstrafe gegen den Essener Konzern, teilte die ASIC am Dienstag weiter mit.

Hochtief-Sprecher Martin Bommersheim räumte den Fehler ein, der Konzern wolle allerdings vor Gericht geltend machen, „dass der Verstoß versehentlich erfolgte“. Hochtief habe damals einen Handelsgewinn weder beabsichtigt noch erzielt. "Wir wollten die Aktien ja nicht mit Gewinn weiterverkaufen", sagte Bommersheim dem Handelsblatt. Die Anleger straften den Konzern dagegen ab: Hochtief-Aktien starteten mit einem Minus von über einem Prozent in den Handelstag.

Hochtief kontrolliert derzeit 69,63 Prozent der Aktien der australischen Tochter, die sich im vergangenen April von Leighton in Cimic umbenannt hatte. Das von Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes angeführte Management des australischen Konzerns hatte den Namenswechsel angeregt. Der spanische Manager war vom Hochtief-Mutterkonzern ACS nach Essen entsandt worden. ACS hatte nach einer erbitterten Übernahmeschlacht den Griff um Hochtief sowie um Cimic immer weiter gefestigt.

Fernandez Verdes trimmt Cimic auf Profit und hat dem Unternehmen verordnet, sich vor allem auf den klassischen Bau, Projekte rund um die Infrastruktur und das Betreiben von Minen zu konzentrieren. Das australische Unternehmen gilt als Ertragsperle im Hochtief-Reich. Hochtief sei mit dem Anteil von knapp 70 Prozent sehr zufrieden, hatte Fernandez Verdes im vergangenen Jahr gesagt.

Hochtief räumte den Verstoß ein, bestreitet allerdings damals gewusst zu haben, dass es ein Verstoß war. Ursprünglich wollte Hochtief bis Ende Januar 2014 drei Prozent Aktien zukaufen, was aber nicht auf Anhieb geklappt hat. Am 29. Januar 2014 sei eine Frist für den Erwerb von Leighton-Aktien über Ende Januar hinaus verlängert worden, die letzte Transaktion wurde am Montag, den 3. Februar 2014 ausgeführt, erklärte Hochtief-Sprecher Bommersheim. An dem Tag habe Hochtief noch einmal 200.000 Aktien dazugekauft. Die ASIC argumentiert, Hochtief habe damals über Insider-Informationen zur voraussichtlichen Gewinnentwicklung bei Leighton verfügt. Wann das Gericht in Sydney genau über den Fall beraten werde, sei noch unklar, erklärten sowohl Hochtief als auch die Börsenaufsicht.

Agentur
Reuters 
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