Hochtief steigert Gewinn
Ein Baukonzern arbeitet sich aus dem Tal

Bei Hochtief setzt sich die Erholung fort. Der operative Gewinn des Baukonzerns stieg in den ersten neun Monaten des Jahres um 45 Prozent auf 190 Millionen Euro. Auch die Auftragslage bessert sich.

DüsseldorfHochtief scheint sich nach der Übernahme durch den spanischen ACS-Konzern immer weiter aus dem Tal herauszuarbeiten. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 konnte der Konzern den operativen Gewinn, die Margen und den Cashflow deutlich steigern und seine Jahresprognose bestätigen. „Wir sind dank der strategischen Neuausrichtung klar auf Kurs, unsere Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen“, sagte Vorstandschef Marcelino Fernandez Verdes. Für das Gesamtjahr 2015 rechnet der Konzern mit einem operativen Gewinn von 220 bis 260 Millionen Euro. Das entspräche eine Steigerung von 15 bis 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch die Zahl der Aufträge entwickelt sich erfreulich. Nach Konzernangaben beträgt der Auftragseingang für den Neun-Monats-Zeitraum 16,8 Milliarden Euro, das ist eine Steigerung von 8 Prozent. Zu den Auftragseingängen gehören etwa Autobahnprojekte im kanadischen Winnipeg und im australischen Sydney, eine Nickelmine in Westaustralien oder die Infrastruktur für ein Gasfeld in Queensland. In München wird Hochtief den 65 Meter hohen Büroturm „Highrise one“ bauen, im Hamburger Hafen eine Hochwasserschutzanlage. Insgesamt verfügte Hochtief Ende September über einen Auftragsbestand von 35 Milliarden Euro.

In Deutschland hofft Hochtief durch neue Aufträge für Infrastruktur-Projekte wie Autobahnen oder Brücken, sein deutsches Geschäft wieder deutlich ausbauen zu können. Das Essener Unternehmen wolle dabei verstärkt auf Öffentlich-Private Partnerschaften (PPP) setzen, bei denen private Investoren im Auftrag des Staates Projekte bauen und betreiben, kündigte Hochtief-Vorstandsmitglied Nikolaus Graf von Matuschka vor kurzem an. So baut Hochtief derzeit unter anderem die A7 nördlich von Hamburg aus. Vor allem durch eine ganze Reihe von Infrastrukturprojekten hoffe man auch auf eine steigende Bedeutung des deutschen Geschäfts bei Hochtief, sagte von Matuschka. Dann sei auch wieder ein Anstieg der Beschäftigtenzahl im Inland möglich. „Die Infrastruktur in Deutschland ist in einer desolaten Verfassung“, sagte Matuschka.

Gemeinschaftsprojekte mit der öffentlichen Hand zur Sanierung maroder Infrastruktur „sind eine Chance, unsere Position in Deutschland auszubauen“, sagte Fernandez Verdes. Wenn weitere PPP-Aufträge eingingen, dann sei Hochtief bereit, in Deutschland Personal aufzubauen.

Fernandez Verdes hatte dem Konzern nach seinem Antritt im November 2012 einen tiefgreifenden Umbau verordnet und zahlreiche Beteiligungen wie Flughäfen, Immobilienunternehmen oder die australische Tochter John Holland verkauft. Er will das Unternehmen auf das klassische Baugeschäft konzentrieren und geht damit einen anderen Weg als Konkurrent Bilfinger, der vor allem auf Dienstleistungen setzt.

Der vom spanischen Großaktionär ACS entsandte Manager ist zugleich auch Chef der australischen Hochtief-Mehrheitsbeteiligung Cimic. Knapp 70 Prozent der Cimic-Anteile entfallen derzeit auf Hochtief. Der Essener Konzern sei mit dieser Position sehr zufrieden. Er sehe derzeit keinen Grund für einen weiteren Ausbau, sagte Fernandez Verdes.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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