Hochwasser

Baubranche erwartet Auftragsboom

Die Schäden, die das Hochwasser angerichtet hat, sind immens. Doch auch diese Katastrophe hat ihre Profiteure: Handwerker und Baufirmen rechnen mit einer Sonderkonjunktur. Doch zuvor müssen sie Umsatzeinbußen wegstecken.
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Nach dem Hochwasser gibt es für die Baubranche viel zu tun. Quelle: dpa

Nach dem Hochwasser gibt es für die Baubranche viel zu tun.

(Foto: dpa)

BerlinDas Baugewerbe rechnet nach dem Rückgang des Hochwassers mit einer Sonderkonjunktur. So wie nach der Flut an Elbe und Mulde im Jahr 2002 könnte die Branche in den betroffenen Regionen unterm Strich von dem Naturereignis profitieren, sagte der Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Baugewerbeverbandes, Klaus Bertram, in Berlin.

Momentan müssten die Betriebe aber einen Umsatzeinbruch verkraften. Weil viele Baustellen unter Wasser stünden, könne dort nicht gearbeitet werden. „Es hat vier Tage durchgeregnet. Unabhängig vom Hochwasser hat das zu Stillstand bei vielen Arbeiten geführt“, sagte Bertram. „Das holt man hoffentlich wieder auf.“ Die Baubetriebe selbst seien - zumindest in Sachsen - besser als im Jahr 2002 auf das Hochwasser vorbereitet gewesen. Im Freistaat seien lediglich fünf Betriebsstätten überschwemmt worden.

Momentaufnahmen einer Katastrophe
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Die Region um Barby (Sachsen-Anhalt) am 9. Juni. Hier, wo das Hochwasser der Saale auf die Wassermassen der Elbe prallt, hatte sich die Lage nach einem Dammbruch dramatisch zugespitzt.

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In Wittenberge (Brandenburg) stand die Elbe bereits am 9. Juni 45 Zentimeter höher als bei der "Jahrhundertflut" 2002. Für den heutigen Dienstag wurden noch einmal 25 Zentimeter mehr erwartet. Um den Wasserstand zumindest etwas zu senken, wurden riesige Polder entlang der Elbe geflutet.

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Die Region Bitterfelde am 7. Juni. Hier hat sich die Lage mittlerweile etwas entspannt, nachdem es Helfern gelungen war, einen Deich abzudichten. 10.000 Bewohner der Chemiestadt konnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

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Auch in der Region Deggendorf (Bayern) - hier eine Aufnahme vom 7. Juni - hat sich die Lage etwas entspannt. Nach dem Hochwasser kämpfen die Bewohner nun mit Unmengen Schlamm. „Es ist eine stinkende Brühe“, sagte ein Stadtsprecher. Bewohner schaufelten die Überreste der Flut aus ihren Häusern. Die Stadt schätzt den Schaden auf rund 500 Millionen Euro.

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Auch in Passau, das in der ersten Juniwoche die schlimmste Hochwasserwelle zu überstehen hatte - die Aufnahme stammt vom 3. Juni -, hat sich die Lage weiter entspannt. Trotz der circa 200 Millionen Euro teuren Flutschäden zeigte sich Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) optimistisch. Die Stadt habe eine "ungeahnte Welle an Hilfsbereitschaft" erfahren und auch die Soforthilfe sei zügig eingetroffen.

Champions-League-Sieger Bayern München kündigte an, in der Stadt ein Benefizspiel zugunsten der Opfer der Hochwasserkatastrophe auszutragen.

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Die Region um Dessau (Sachsen-Anhalt) am 5. Juni. Hier war die Elbe nicht mehr in der Lage, die Wassermassen der einmündenden Mulde aufzufangen, große Gebiete wurden überflutet.

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Ein ähnliches Bild bot sich am 5. Juni in Halle, wo die Weiße Elster in die Saale mündet.

Anders als vor elf Jahren sei die Flut diesmal „in einer Phase guter Konjunktur“ gekommen. Die Bauunternehmen seien relativ gut ausgelastet. Wenn nun in ein, zwei Monaten Zusatzaufträge zur Sanierung oder für den Wiederaufbau von Häusern hereinkämen, könne es Kapazitätsengpässe geben. Bauherren müssten dann mit Verzögerungen rechnen. „Wir appellieren an Bauherren von Neu- und Ausbauten, Verständnis zu haben, dass die Erste Hilfe für Betroffene des Hochwassers Vorrang hat“, sagte Bertram.

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat Forderungen nach einer Pflichtversicherung für Hausbesitzer gegen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen scharf kritisiert. „Wenn man über die Einführung einer Pflichtversicherung diskutiert, muss man sich über die Folgen für alle Beteiligten im Klaren sein: Sie nimmt Anreize für eigene Schutzmaßnahmen in den Gefahrenzonen“, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, der „Rheinischen Post“.

„Aufgrund der großen Schäden wären Staatsgarantien in erheblicher Größe nötig“, warnte Erdland. Es müsse stattdessen mehr staatliches Geld in den Hochwasserschutz investiert werden. „Andernfalls werden wir uns bei weiter zunehmenden Naturkatastrophen in eine unbezahlbare Spirale aus steigenden Schäden und steigenden Prämien begeben.“

  • dpa
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