Hotellerie: Die lukrativen Tricks der Hotelbranche

Hotellerie
Die lukrativen Tricks der Hotelbranche

Während Messen und Events schnellen Hotelpreise in die Höhe. Selbst Frühbucherrabatte helfen oft nur den Bettenburgen, nicht den Gästen. Zur Tourismusmesse ITB in Berlin erleben Reiseveranstalter das am eigenen Leib.
  • 6

DüsseldorfDer Hotelbranche geht es gut. Im Februar verkündete der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Ernst Fischer, dass im Vorjahr öfter in deutschen Hotels übernachtet wurde als je zuvor: 410,8 Millionen Mal insgesamt. Das ist der vierte Übernachtungsrekord in Folge.

Besonders gut geht es der Hotellerie während Messen und Großveranstaltungen. „Wir erhöhen die Preise zu Großveranstaltungen um 400 Prozent“, verrät ein Hotelmanager. Ähnliches gilt auch für die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, die am Mittwoch startet: Denn auch wenn Reiseveranstalter und Hoteliers zu ihrer Messe kommen, steigen die Preise in den Unterkünften. Wie ein Reiseexperte berichtet, lagen diese vor wenigen Jahren noch während der ITB um bis zu 400 bis 500 Prozent höher.

Seitdem sind zwar zahlreiche Hotelzimmer in Berlin gebaut wurden, aber die Aufschläge sind immer noch deutlich. Wer Mitte Februar für die Messetage ein Mittelklasse-Hotel in Berlin buchen wollte, dem zeigten Preissuchmaschinen etwa 200 Euro pro Nacht an. Jenseits der ITB kostete ein vergleichbares Zimmer 89 Euro.

Selbst die Profis können dem nicht aus dem Weg gehen. „Das ist ein Übel, das wir in Kauf nehmen müssen“, kommentiert Frank Hoppmann, Travel Manager bei TUI, die Messepreise. Wenn Mitarbeiter des weltweit agierenden Konzerns in die Zentrale nach Hannover reisen, organisiert er ihre Unterkünfte. Zwar handelt er mit ausgewählten Hotels Sonderkonditionen für das Touristikunternehmen aus. Aber die Verträge gelten nicht zu Spitzenzeiten, also während der großen Hannoveraner Messen wie Cebit oder Agritechnica. „Da haben wir überhaupt keine Verhandlungsmöglichkeit“, sagt Hoppmann. Deshalb versuche TUI Geschäftsreisen in die eigene Zentrale während der Messen zu vermeiden.

Wenn es keine Ausweichtermine gibt, helfen Hoppmann nur noch seine guten Beziehungen zu Hotelmanagern. So konnte er auch während einer Messe vier französische Kollegen für 180 statt der eigentlich verlangten 350 Euro unterbringen. Ansonsten hätten nur noch Hotels aus dem Zwei- bis Drei-Sterne-Segment erschwingliche Zimmer gehabt.

Auch Preisanalysen großer Reiseportale zeigen die steigenden Übernachtungskosten zu Messezeiten. Laut Preisvergleichsportal Kayak haben sich die Hotelpreise zur Cebit in Hannover im vergangenen Jahr durchschnittlich verdoppelt. Check24 analysierte die Unterkünfte mit den höchsten Preissteigerungen und fand heraus, dass Hotels während der Leipziger Buchmesse um bis zu 280 Prozent teurer waren, während der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin bis zu 400 Prozent und während des Oktoberfests in München sogar bis zu 900 Prozent.

Seite 1:

Die lukrativen Tricks der Hotelbranche

Seite 2:

Stornierung? Leider nicht möglich!

Kommentare zu " Hotellerie: Die lukrativen Tricks der Hotelbranche"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ihr schlecht recherchierter enttäuscht mich doch sehr.

    Gerade ein Preissystem mit unterschiedlichen Buchungsbedingungen als Trick der Hotellerie zu bezeichnen, ist doch mehr als fragwürdig. Ich möchte es Ihnen noch einmal erläutern: Es gibt einen Preis, bei dem Sie die volle Flexibilität haben. Das bedeutet in der Regel, dass Sie bis 18.00 Uhr am Anreisetag stornieren können. Dies ist der "normale Preis". Jetzt können Sie sich entscheiden: Möchte ich das oder nehme ich das Angebot des Hotels an, gegen sofortige Bezahlung und den Verzicht auf eine Stornierungsmöglichkeit, einen günstigeren Preis zu bezahlen. Dies kann man ganz frei entscheiden. Nur hinterher jammern und etwas von Servicequalität und Kulanz vortragen, das geht dann eben nicht mehr. Darauf vorbereiten kann man sich mit einer beliebigen Flugbuchung oder einer Fahrt mit der Bahn.

    Zu Airbnb & Co und den Zimmerpreisen Deutscher Städte im europäischen Vergleich wurde hier ja schon einiges gesagt.

  • Sie prangern eine Branche an, die in der Regel seinen Gästen diverse flexible Konditionen anbietet - von Preis, Leistung und Bedingungen. Ich kann frei wählen welcher Preis inkl. Bedingungen zum meinem Budget passt. Früh buchen wird nicht nur in der Hotellerie belohnt - eine Planungssicherheit für beide Seiten. Der professionelle Travelmanager kann seine Geschäftsreisenden steuern. Zudem bietet Berlin solch ein Überangebot an Hotels, so dass ich nur eine U-Bahnstation weiterfahren brauche. Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Wenn ich es mir nicht leisten kann, bleibe in daheim oder schaue vorher mal in den Event- u. Messekalender.

    Privatzimmer u. FeWo in einen Topf mit einem Hotel zu werfen wirft die Frage auf, ob oder wie tief recherchiert wurde und ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis vorliegt. Brandschutz, schwerentflammbare Stoffe Möbel und Türen, Versicherungsauflagen, Mitarbeiter, Gema, GEZ, Gewerbesteuern und und und - das zahlen Hotels und schaffen Arbeitsplätze.

  • Dem Handelsblatt hätte ich einen so schlecht recherchierten, einseitigen und oberflächlichen Artikel nicht zugetraut...

    Die Stimmung machenden Aussagen mit "verrät ein Hotelmanager" und "wie ein Reiseexperte" berichtet einzuleiten, spricht schon für eine sehr eigenartige Art der Berichterstattung.

    Inhaltlich ist der Artikel mehr als fragwürdig.

    Wenn sich einige geschäftlich Reisende über höhere Messepreise ärgern, dann freuen sich im Sommer zahlreiche Touristen über Dumpingpreise in der Top Hotellerie. 500% Aufschlag? Im Vergleich zu was? Zum nicht kostendeckenden Sommerpreis? Diese Stimmungsmache mit einer Branche, die schon lange keine Reichtümer mehr anhäuft, ist schlicht unfair.

    Zu den Stornierungskosten: Ich habe noch kein Schild bei meinem Kühlschranklieferanten oder meinem Autohändler gesehen, auf dem Folgendes steht: "Sie können den Vertrag kostenfrei stornieren, wenn wir das Auto oder den Kühlschrank weiter verkaufen können". Wer ein Hotelzimmer bucht, schließt einen Beherbergungsvertrag ab. Ab dem Moment der Buchung lehnt der Hotelier für DIESES Zimmer alle anderen Gästeanfragen ab. Die Meinung, die hier leider Anwälte und Verbraucherschützer vertreten, dass man ein Anrecht hat kostenfrei zu stornieren, ist falsch. Es ist reine Kulanz, wenn die Hotellerie -je nach Tarif - eine kostenfreie Absage noch am Anreisetag akzeptiert oder immer und immer wieder auf berechtigte Stornierungskosten verzichtet.

    Selbst die Bereitschaft, das Zimmer im Falle einer Absage nur zu berechnen, wenn es nicht anders weiter vermietet werden kann, ist ein kulantes Versprechen einer außerordentlich service- und kundenorientierten Branche.

    Ich frage mich, was ein freier Journalist mit seinen Zeilenpreisen täte, wenn dreimal mehr Nachfrage nach seinen Berichten bestünde, als er oder sie leisten kann...

    Das weiß man aber nur, wenn man diese Zeiten mal erlebt hat. Vor allem in der Berliner Hotellerie sind sie selten und die Preisgestaltung ist überwiegend ethisch einwandfrei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%