HRS, Trivago und Co.

Hoteliers jammern über Buchungs-Websites

Hoteliers klagen über Buchungsportale im Internet. Deren Marktmacht steigt und damit auch die Provisionen, die von den Webseiten eingestrichen werden. Die Hotelkette Best Western will der Entwicklung nun gegensteuern.
  • Eberhard Krummheuer
25 Kommentare
Preisanzeige an einem Hotel in Essen: Die Buchungsportale im Internet diktieren den Hoteliers die Provisionen. Quelle: dpa

Preisanzeige an einem Hotel in Essen: Die Buchungsportale im Internet diktieren den Hoteliers die Provisionen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschen Hoteliers stößt das Wachstum von HRS, Trivago und Co. übel auf. Jedes vierte Hotelzimmer wird mittlerweile über solche Internetportale gebucht, Tendenz steigend. Und die Website-Betreiber ließen die Macht „ihre ,lieben Hotelpartner' bei den zugrundeliegenden Geschäftsbedingungen und Kommissionshöhen spürbar fühlen“, urteilt Markus Luthe vom Hotelverband IHA. Die Zahl der relevanten Online-Buchungsportale nehme ab und damit werde die Marktposition der wenigen Big Player immer größer.

Das stört auch den Hotelverbund Best Western mit knapp 200 Hotels in Deutschland. „Ohne Internet geht bei der Hotelbuchung heute nichts mehr“, sagt Best-Western-Deutschlandchef Markus Smola im Gespräch mit Handelsblatt Online. Den von den Portalen diktierten hohen Provisionen versucht er mit einem verstärkten Eigenvertrieb zu entgegen. „Wir müssen gegensteuern“, sagt Smola. „Wir bauen den Verkauf über eigene Kanäle konsequent aus, um Gäste und Bucher auf unsere eigenen Internetseiten zu holen.“

Best Western ist hierzulande die größte Hotelmarke mit inhabergeführten Häusern im Drei- und Vier-Sterne-Segment. Die Herbergen erzielten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von knapp 690 Millionen Euro, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Bei leicht steigenden Zimmerpreisen kletterte die durchschnittliche Belegung der Stadt- und Tagungshotels sowie Ferienressorts über die 70-Prozent-Marke.

Mit der Stärkung des Eigenvertriebs via Internet reagiert Smola auf den Konzentrationsprozess bei den Hotelportalen. Mit Argwohn hatte die Branche im vergangenen Jahr beobachtet, wie sich der Kölner Branchenführer HRS den Wettwerber hotel.de einverleibte. „Eine Ende des Wachstums bei den elektronischen Buchungen ist nicht abzusehen“, heißt es beim Verband IHA.

Hotels treiben Buchungen über eigene Websites an
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: HRS, Trivago und Co. - Hoteliers jammern über Buchungs-Websites

25 Kommentare zu "HRS, Trivago und Co.: Hoteliers jammern über Buchungs-Websites"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn ein Hotelier für sich die Strategie definiert, dass auf seiner Seite der günstigste Preis zu buchen ist, dann ist das das Eine. Ich bezweifle allerdings, dass das in der Konsequenz zu Ende gedacht wird. Ein Blick auf die Meta-Search-Engines wie Trivago, etc.. ergibt, dass es oft noch günstigere Angebote für ein Hotel gibt.
    Was die Verurteilung der Höhe der Provisionen und der Arbeitsweise der Buchungsportale angeht, bin ich der Meinung, dass es den Hoteliers nicht zusteht, darüber zu urteilen. Wenn es doch einem Hotelier nicht passt, wie diese Portale arbeiten, dann kann er doch einfach den Vertrag kündigen und muss da überhaupt nicht mehr mitmachen. Wozu also die ganze Aufregung? Weil es auch hier in der Konsequenz nicht zu Ende gedacht wird. Die meisten Hotels können einfach nicht mehr ohne die Portale überleben und verstehen nicht warum. Vielen von ihnen muss man leider das Verständnis für die Onlinedistribution absprechen. Die Portale investieren heute immense Summen in IT und andere Dinge, von denen in der Hotellerie sicherlich kaum einer etwas weiß, denn wieso sonst investiert man immer gerne (wenn überhaupt) in die Renovierung der Zimmer, aber kaum etwas in die Neugestaltung einer Homepage und der IT? Ich bin der Überzeugung, wenn man da einmal richtig Geld in die Hand nimmt, könnte man sich wirklich von den Portalen lösen, bzw. deren Abhängigkeiten auch reduzieren und Best Western ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Vielen fehlt aber das Know-how und die Bereitschaft zur Investition in diesem Bereich. Somit bleibt die ganze Aktion ein Sturm im Wasserglas und mit dem Fall der Ratenparität, werden die Preise in der Deutschen Hotellerie sinken und die Vertriebskosten für die Hotels weiter steigen. Damit geht munter weiter, was heute schon von vielen Hotels praktiziert wird : es wird probiert, Nachfrage durch sinkende Preise und alle möglichen Formen von Rabatten zu generieren und wohin das führen kann, hat eine große Baumarkt-Kette demonstriert...

  • "Man mekrt, daß Sie nicht viel Ahnung von Online-Marketing haben"

    ach Gottchen, wovon ich Ahnung habe oder nicht, können Sie überhaupt nicht beurteilen.
    Aber Ihr "Argument" ist genau das was diese Machenschaften "groß" macht.
    Darüber sollten Sie mal nachdenken, bevor sie anderen "keine Ahnung" unterstellen, und selbst der Herde hinterher laufen, statt kreativ zu sein.
    Aber Kreativität muß man sich wohl als West-Berliner inzwischen auch kaufen, statt selbst zu machen.

  • Ick kenne das Zitat etwas anders und aus meiner Sicht passender:
    "Wer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen!"

    Man mekrt, daß Sie nicht viel Ahnung von Online-Marketing haben. Eine schöne funktionale Website eines nettes Hotels im Westerwald hilft dem Hotelier nicht, wenn sie nicht über Google gefunden wird oder, der einfachere Weg er über 'Zölle' an HRS und Co. angebunden ist.

    Denn bedenke: Die Masse ist faul und dumm und sie sucht entweder
    a) über Google, wo die Buchungsportale dank fünf- bis sechstelliger monatlicher Ausgaben dafür sorgen das genügend Suchmaschinenoptimierung und Online-Branding betrieben wird um als Platzhirsche die Rankings (Suchposition 1-10 bei Tante G.) zu dominieren

    oder

    b) über HRS, Booking.com, Hotel.de weil sie die Apps geladen haben, oder von der Firma kennen oder Werbung im TV gesehen haben

    Der kleine Hotellier hat gar keine Chance in diesem Umfeld als kleiner Krauter Gäste in einem so hoch kompetiven Umfeld zu erreichen. Es sei den er diversifiziert und bringt ein Alleinstellungsmerkmal raus, welches bestimmte Benutzgruppen unbedingt haben wollen, wie angeschlossener BIO-Bauerhof und Veganerküche, FKK-Sauna und osteurop. French-Maids oder Ritterburg mit Haxenwerfen, um das obige Zitat aufzugreifen.

    Das gleiche Spielchen haben wir doch schon im Pizza-Lieferdienst, wo es quasi zu mafiösen Strukturen mitsamt unlauterer Geschäftspraktiken kommt.

    Und es wird noch spannender, wenn erst der Monopolist des Suchens in den Markt drängt:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/a-879260.html

    Ein Beispiel für inhabergeführte Hotels in bester Lage, die aufgrund der o.g. Kriterien Pleite gehen:
    http://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article122266466/Das-Hotel-Bogota-versteigert-seine-Geschichte.html

    Wie gesagt, wer keine Ahnung hat......!

    Beste Grüße aus dem Babylon der zujezogenen BWL-Lutscher und Emporkömmlinge: Berlin

  • Einen Faktor vergessen die Hotels doch: WARUM buchen denn soviele Gäste über die Portale? Bei mir ist es gar nicht unbedingt die Absicht einen besseren Preis zu bekommen, sondern es ist eutlich einfacher, komfortabler und problemloser. Für die Recherche gebe ich nur EINMAL Ziel und Datum ein! nicht auf jeder Hotel- oder Ketten-Website! Ich muss nicht schauen: gibt es in der Stadt X überhaupt ein Hotel der Kette Y? etc etc etc. 80% der Hotels die ich in dne letzen Jahren für Privat- und/oder Geschäftsaufenthalte über booking.com gebucht habe, hätte ich ohne das Portal gar nicht gefunden...

  • Jep, alles andere wäre ein Kopfstand.

    "„Die Hoheit über das eigene Produkt, Konditionen und die eigenen Preise muss einfach beim Hotel und nicht beim externen Mittler liegen“, bekräftigt Smola."

    Eben, recht hat der Mann.
    Aber diese Entwicklung zeigt noch ganz andere Dinge in Sachen Marktkonzentration im Online-Werbemarkt auf.
    Ich erwarte auch sowas wie eine "Portalvermutung", so ähnlich wie im Entertainment-Bereich die "Gemavermutung". Dann muss ein Hotel beweisen das es nicht im Portal gelistet ist, um eigene Preise mit den Gästen auszumachen, wenn die Hotels da weiter mitspielen.
    Oder wie Facebook es immer wieder versucht, wer die Kommunikation seiner Kunden über diese Plattform gestalten will, muß jede Kundenanmeldung auch über Facebook tätigen lassen.

  • Ich informiere mich meistens in den Portalen. Buche jedoch meistens beim Hotel direkt. Das zahlt sich oft aus: Besseres Zimmer, upgrade o. ä. Man ist eben Gast des Hoteliers. Voraussetzung: Der Gegenüber im Hotel verfügt über entsprechende Kompetenzen.

  • Wenn ich wie beim NH Nürnberg häufig beobachtet und bei andern nicht selten, auf deren Website das gewünschte Zimmer nicht bekomme oder zu einem Preis, der weit über otels.com, tivago uvam. liegt, dann mache ich mich als Geschäftsmann ja schon fast lächerlich, direkt beim Hotel zu buchen.

    Wie ein Markt strukturiert ist hat man als Anbieter immernoch selbst in der Hand. Überlässt man die Strukturierung anderen: selber schuld.

  • Ich habe vergangenes Jahr in Berlin zu später Stunde ein Hotel gesucht. Da es schnell gehen musste habe ich übers Handy bei booking.com die Umkreissuche benutzt und wurde schnell fündig. Da ich bei dem Portal damals nicht angemeldet war, wollte ich das Zimmer direkt vor Ort buchen. Dort war es aber 40% teurer. Ich zeigte dem Herren am Empfang dann das Onlineangebot. Er schlug mir vor, es dann auch online zu buchen da er den Preis vor Ort nicht anbieten kann. Ich saß dann 10min vor meinem Handy bis alle Daten eingegeben waren und zeigte dann anschließend die erhaltene Buchungsbestätigung. FAZIT: Seit diesem Abend bin ich bei besagtem Portal angemeldet und habe öfters dort gebucht. Aus meiner Sicht sind es nicht nur die Bösen Vergleichportale sondern auch die Unflexibilität der Hoteliers.

  • "Der wirkliche Nutznießer an der ganzen Geschichte sind ja nicht die Vergleichsportale sondern letztendlich Google."
    .
    Das kann man wirksam unterlaufen, indem man nicht den von Google angebotenen Link klickt (was ohnehin zu Verzögreungen führt) sondern den Link mit Copy/Paste in die Adresszeile kopiert und die entsprechende Seite direkt aufruft :-))))

  • "Der wirkliche Nutznießer an der ganzen Geschichte sind ja nicht die Vergleichsportale sondern letztendlich Google."

    Jep, es wurde auch schon angekündigt eigene Portale zu halten. Aber auch hier schläft eben immer noch eine ganze IT-Branche. Der Markt wird ja nicht nur von google abgegrast, sondern auch von den privaten Fernsehsendern, die billig die Seiten pushen. Dahinter stecken viel größere Abhängigkeiten als es auf den ersten Blick scheint.
    Im übrigen nicht nur im Reisebereich.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%