Immobilienkonzern
IVG scheint Insolvenz abzuwenden

Nach Solarworld könnte auch ein zweiter Bonner Konzern knapp der Pleite entkommen. Wie beim Solarunternehmen sind auch die Gläubiger der Immobilienfirma IVG bereit, auf einen Großteil ihrer Ansprüche zu verzichten.
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BonnBeim hoch verschuldeten Immobilienkonzern IVG stehen die Zeichen auf Abwendung einer drohenden Insolvenz. Die Gläubiger verständigten sich auf ein Restrukturierungskonzept, wie das Unternehmen am Samstagabend in Bonn mitteilte. Außerdem wird eine Brückenfinanzierung in Höhe von 140 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, mit der ein Bestand der Gesellschaft zunächst gesichert wäre. Das Unternehmen wolle den Kompromiss kurzfristig prüfen und auf der Basis weitere Verhandlungen führen und dann zu einer Hauptversammlung laden.

Gleichzeitig teilte die IVG mit, frische Abschreibungen in Höhe von 350 Millionen Euro verbuchen zu müssen – vor allem auf ihre Immobilien. Auf dem Bonner Konzern lasten mehr als vier Milliarden Euro Schulden. Das Unternehmen zählt mit europaweitem Geschäft zu den Branchengrößen in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 20 Milliarden Euro.

Die IVG erreichte unterschiedlich weit gereifte Kompromisse mit den Gläubigervertretern zweier syndizierter Kredite (SynLoan I/II), der Landesbank Baden-Württemberg als Einzelkreditgeber und den Eignern einer Wandelanleihe. Vor einer Woche waren die Gespräche noch für gescheitert erklärt worden. Als „Plan B“ hatte Vorstandschef Wolfgang Schäfers eine Sanierung über das Schutzschirmverfahren ins Gespräch gebracht. Das könnte mit der Einigung vom Tisch sein.

Die bislang vorgelegten Details der Verhandlungsresultate sehen vor, dass das IVG-Grundkapital heftig abgeschmolzen wird. Dazu werden 200 Alt-Aktien zu einer neuen Aktie zusammengelegt. Danach gibt es eine Kapitalerhöhung, an der die Alteigentümer teilnehmen können. Die Gläubiger des „SynLoan I“ und der Wandelanleihe verzichten auf ihre Forderungen in Höhe von wohl 1,75 Milliarden Euro. Im Gegenzug erhalten sie Aktien an der IVG. Dank des zusätzlich gewährten frischen Kredits kann die IVG das laufende Geschäft finanzieren. „Mit der Brückenfinanzierung wäre der Bestand der Gesellschaft voraussichtlich bis zum geplanten Abschluss der Restrukturierung gesichert“, so die IVG.

Die LBBW habe für ihren Kredit das Hinauszögern von Zahlungsterminen in Aussicht gestellt. Auch die Wandelanleihen-Eigner seien bereit, im Zweifelsfall ein bestehendes Kündigungsrecht zum 29. März 2014 zu verschieben.

Die IVG hatte sich in der Finanzkrise unter dem alten Management mit schuldenfinanzierten Zukäufen und Projektentwicklungen wie dem Geschäftskomplex „Squaire“ am Frankfurter Flughafen verhoben. Die Verschuldungsquote (LTV) des Konzerns liegt heute bei über 80 Prozent - zu hoch, um die anstehenden Refinanzierungsrunden zu meistern, wie Schäfers selbst eingeräumt hat. Die meisten Banken haben ihre Darlehen und Anleihen inzwischen an Hedgefonds verkauft, was die Gläubigergruppen unübersichtlich macht und die Verhandlungen erschwert.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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  • der o b e r vorstand dr.wolfgang schäfers ist n e b e n b e i noch lehrstuhlinhaber an der uni regensburg d r e i tage die woche

    wie kann der denn seine vorstandspflichten erfüllen.

    was für b l i n d e sitzen denn im aufsichtsrat,die sowas zulassen

    warum wird das im artikel nicht angesprochen und problematisiert

    journalismus geht anderst

  • Überaus gerecht auch gegenüber den solide wirtschaftenden Mitbewerbern. Merke: Wer alle seine Rechnungen bezahlt, ist hier der Dumme.

    Solides Unternehmertum erhält durch die laufenden Entschuldungen der Pleitekandidaten einen gehörigen Wettbewerbsnachteil.

  • Das war eher ein Fall von unzureichender Regulierung. Da haben öffentliche und Privatbanken an einem Strang gezogen und gleichermaßen Giftmüll in conduits, SPE oder wie sie auch immer heißen, angesammelt. Was die deutsche Bahn angeht, so verweise ich auf UK: Dort wurde die Bahn privatisiert und nach einigen verheerenden Zugunglücken wieder verstaatlicht. Auch die Bundesdruckerei wurde von ihren Investoren ausgeschlachtet und musste wieder verstaatlicht werden. Die Tank und Rast AG ist zwar ein geglücktes Beispiel der Privatisierung, allerdings frage ich mich, warum der Staat nicht mal Minderheitsaktionär geblieben ist. Dann hätte er Gewinnverschiebungen auf die Kanalinseln verhindern können.

    Was ich sagen will: Unternehmen in privater Rechtsform mit klaren Geschäftszwecken können sehr wohl in staatlicher Hand bleiben. Dann fließen etwaige Gewinne auch nicht ins Ausland ab und es kann keine unsinnigen Forderungen nach 30% EK-Rendite geben.

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