Imtech
Selbstbedienungsladen Baukonzern

Der Baukonzern Imtech, eines der größten Unternehmen der Niederlande, hat massive Probleme. Insider berichten über zweifelhafte Vorgänge, die Führungsebene hätte sich auf Kosten der Firma bereichert.
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DüsseldorfDie Machenschaften beim holländischen Baukonzern Imtech sind noch verheerender als bisher bekannt. Wie das Handelsblatt (Freitagausgabe) von Insidern erfuhr, soll das Unternehmen nicht nur von seinem kürzlich entlassenen Deutschland-Geschäftsführer Klaus Betz (58) ausgeweidet worden sein, sondern auch von dessen Vorgänger Jörg Gerhard Schiele (68). Schiele war 25 Jahre Sprecher der Geschäftsführung und ist zudem Nachfahre von Ernst Schiele – einer der wichtigsten Figuren in der 155-jährigen Unternehmenshistorie.

Imtech, mit mehr als fünf Milliarden Euro Jahresumsatz eines der größten Unternehmen der Niederlande, hat seit Anfang 2013 massive Problemen. Die Jahreszahlen für 2011 mussten deutlich korrigiert werden. Riesige Bauvorhaben existierten nur auf dem Papier, um die Boni der obersten Führungsebene aufzublasen. Nach Entdeckung und Korrektur der Luftbuchungen schrieb Imtech 2012 statt eines angekündigten Gewinns einen Verlust von 226 Millionen Euro.

Eine zentrale Rolle bei der Aufarbeitung spielen die Vergehen einer Gruppe von Personen, die intern als „X-Gruppe“ geführt wird. Nach Informationen des Handelsblatts spielt dabei ausgerechnet Jörg Gerhard Schiele, Mitglied der ehemaligen Eigentümerfamilie, eine tragende Rolle. Nach Angaben von Imtech flossen von der Deutschlandtochter des Konzerns 29,7 Millionen Euro an Firmen aus der X-Gruppe. Nach Recherchen des Handelsblattes waren es die Batalpha Bobach GmbH, deren Tochter Bobach Steuerungstechnik GmbH und dde Contracting Plus GmbH – alle mit derselben Adresse in Langenfeld. Sie gehören Schiele und seinem Geschäftspartner Max Günter Bobach (67). Außerdem soll Schieles Firma Hanseprojekte in Hamburg involviert sein.

Die Batalpha Bobach GmbH und ihre Tochter haben am 27. August 2013 Insolvenz angemeldet. Schiele und Bobach sind nicht erreichbar. Auf eine schriftliche Anfrage des Handelsblattes meldete sich ein Anwalt, der bestritt, dass es Forderungen von Imtech an die Firmen gebe. Auf Nachfrage, welche Leistungen für die 29,7 Millionen Euro erbracht wurden, gab er jedoch keine Auskunft. Imtech wollte sich zu Schiele und Bobach ebenfalls nicht äußern. Eine Konzernsprecherin sagte, eine Strafanzeige gegen mehrere Personen sei seit längerem in Vorbereitung und werde in Kürze eingereicht.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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  • Nicht nur die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

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