Ingvar Kamprad
Ikea-Chef zieht sich scheibchenweise zurück

Ingvar Kamprad fällt es schwer, die Zügel aus der Hand zu geben. Nur langsam zieht er sich aus Ikea-Reich zurück. Jetzt verlässt er den Aufsichtsrat der Inter Ikea Group. „Was nicht heißt, dass ich nicht mehr arbeite.“
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DüsseldorfDer legendäre Gründer und Mehrheitseigner des schwedischen Möbelriesen Ikea, Ingvar Kamprad (87), zieht sich aus dem Aufsichtsrat der Inter Ikea Group zurück. Die Tochter des Ikea-Konzerns vergibt die Lizenzen an alle Einrichtungshäuser der Kette und kontrolliert Firmenlogo, Produktnamen und Firmenrichtlinien. So sorgt Inter Ikea beispielsweise dafür, dass sich ein Markt in China wenig bis gar nicht von einem Ikea-Markt in Köln oder Moskau unterscheidet.

Der Milliardär macht dort den Platz frei für seinen Sohn, Mathias Kamprad, der gleichzeitig den Vorsitz des Gremiums von Per Ludvigsson übernehmen wird, weil dieser in Pension geht. Stellvertretender Aufsichtsratschef wird Hans Gydell. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

„Es ist ein guter Zeitpunkt für mich, um den Aufsichtsrat der Inter Ikea Group zu verlassen“, so Kamprad in einem Statement, das auf der Homepage der Ikea-Tochterfirma zu lesen ist. „Was nicht heißt, dass ich nicht mehr arbeite.“ Er werde weiter in den Ikea-Geschäften und Fabriken sein. „Unsere Reise hat gerade erst begonnen.“

Kamprad hatte Ikea 1943 in seiner südschwedischen Heimatstadt Älmhult gegründet, sein Ziel war es, auch Kunden mit kleinem Geldbeutel Qualität zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Inzwischen ist das Unternehmen ein Weltkonzern mit mehr als 131.000 Mitarbeitern in 41 Ländern, hinter dem sich viele internationale und komplizierte Verflechtungen von Holdings und Stiftungen verbergen, die fest in der Hand der Gründerfamilie Kamprad sind.

Schon seit Anfang der 80er Jahre ist das multinationale Unternehmen Ikea Eigentum der niederländischen Stiftung Ingka Foundation mit Sitz in Leiden. Wegen der komplexen Struktur des Ikea-Reichs ist der Konzern regelmäßig Gegenstand von Debatten.

Kamprad ist mit einem Vermögen von 30 Milliarden Euro der reichste Mensch Europas. Mitberechnet wurde dabei der Wert seiner Stiftung, die einen Großteil des Ikea-Vermögens verwaltet. Doch trotz seines Reichtums ist er für sein schlichtes Leben und seinen Geiz bekannt. Der aus steuerlichen Gründen in der Schweiz lebende Kamprad hatte sich in der Vergangenheit wohl auch mehrfach abschätzig über die geschäftlichen Fähigkeiten seiner Söhne geäußert.

Zuletzt machten im September endgültige Rückzugsgerüchte die Runde, doch Kamprad fühlt sich mit seinen 87 Jahren offensichtlich topfit. Er habe nicht die Absicht, die Zügel bei Ikea aus der Hand zu geben und lies die Berichte schnell und energisch dementieren. Kamprad blieb als „Senior Berater“ an Bord. Die Leitung des Konzerns gab er schon 1986 ab, aber noch heute sitzt er im Vorstand der Liechtensteiner Stiftung Interogo, die eigentliche Eigentümerin von Ikea ist.

Mit Material von Bloomberg

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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