Insolvenzantrag gestellt
Managementhochschule Gisma ist pleite

Immer wieder stand die private Hochschule in Hannover, die Führungskräfte ausbilden soll, kurz vor dem Aus. Doch jetzt ist die Lage so ernst, dass die Gisma einen Insolvenzantrag gestellt hat.
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Am Ende hat selbst das Engagement von EX-RWE-Chef Jürgen Großmann nicht mehr gereicht: Die private Managementhochschule Gisma Business School in Hannover, deren Gründung Großmann mit angeregt und die er seitdem unterstützt hat, ist pleite. Die Gisma Stiftung, die die als GmbH geführte Hochschule trägt, hat am heutigen Dienstag einen Insolvenzantrag gestellt. Noch ist der vom Gericht aber nicht angenommen, bestätigte die Hochschule am Mittag. Die Verantwortlichen rund um den erst im Februar angetretenen neuen Geschäftsführer Sonning Bredemeier rechnen noch im Laufe des Tages mit einer Antwort.

Die 1999 auf Initiative der niedersächsischen Landesregierung und einiger Unternehmen gegründete Hochschule sollte Führungskräfte für die Region ausbilden, hing aber finanziell am Tropf des Landes und der Wirtschaft, die sich nur schwerlich für sie begeistern konnte. Immer wieder stand sie kurz vor dem Aus, zuletzt 2011. Damals wurde die Hochschule zwar durch finanzielle Zusagen aus Politik und Wirtschaft gerettet. Es hieß, dass vor allem Großmann die Wirtschaftsvertreter überzeugt habe.

Doch das Land hatte seinen Zuschuss von mehr als einer Million auf zuletzt 700.000 Euro gesenkt. Laut einem Medienbericht sei die Auszahlung für dieses Jahr vor kurzem gestoppt worden, weil die Hochschule offenbar eine Haushaltslücke hat. Vor drei Wochen gab es noch ein Gespräch zwischen Großmann, einem Gisma-Vertreter und der Landesregierung, offensichtlich aber ohne großen Erfolg. Die Pleite konnte nicht abgewendet werden.

Seit Jahren haben laut Insidern Politik und Wirtschaft Ping-Pong gespielt. Wenn die eine Seite die Gisma nicht fördere, wolle auch die andere kein weiteres Geld geben, habe es stets geheißen. Dabei waren die Kosten der Hochschule enorm. Die Gisma bot seit ihrer Gründung einen einjährigen praxisnahen Managementstudiengang mit Abschluss Master of Business Administration (MBA) an. Lehrpläne und Professoren aber werden bis heute von der amerikanischen Partneruniversität Purdue im US-Bundesstaat Indiana eingekauft. Zuletzt zahlte die Hochschule dafür jährlich 1,9 Millionen Dollar Gebühren.

Vor einigen Jahren kam zum Vollzeit-MBA noch ein Wochenend-Programm hinzu, ein Managementstudium für erfahrene Führungskräfte und einen eher forschungsorientierten Master bietet die Hochschule auch. Doch die Zahl derer, die sich für das 24.000 bis 55.000 Euro teure Studium einschrieben, sank in den vergangenen Jahren immer weiter. Im Vollzeit-MBA waren es zu besten Zeiten mehr als 70 Studenten, im vergangenen Jahr noch 24. Im Teilzeit-MBA begannen im vergangenen Jahr 32 junge Menschen das Studium. Insgesamt sind an der Gisma aktuell etwa 100 Studenten eingeschrieben.

Kommentare zu " Insolvenzantrag gestellt: Managementhochschule Gisma ist pleite"

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  • Seit Jahren waren die Geschäftsführung und auch die Kontrolleure inkompetent. Warum hat da keiner die Reißleine gezogen und mal über die wirkliche wirtschaftliche Lage berichtet. Warum hat man eigentliche keine Berater (Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer etc.) eingebunden? Schade um die vielen Steuergelder, die hier versenkt wurden! Die Führungskräfte von der GISMA haben sich dann auch noch fürstliche Gehälter gewährt, weil sie ja so international sind ...

  • Es ist seit langem bekannt, daß die deutsche Wirtschaft solche Wirtschafts-MBA nur in ganz wenigen Randbereichen benötigt - und im Ausland sind deutsche MBA Schulen absolute no names (inklusive WHU, die sich immer noch mit dem Namen Kellogg schmücken muss, alleine klappts halt auch nach einem Jahrzehnt noch nicht).

    Aber die Studenten liessen und lassen sich weiterhin gerne mit diesem Pseudograd schmücken.

    Auch die Dummheit ("MBA Wein-Marketing") stirbt nicht aus.

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