Krankenhauskonzern
Rhön schafft Übernahmehürde ab

Aufsichtsratschef Eugen Münch hat sich bei Rhön-Klinikum durchgesetzt: Das Unternehmen schafft die Stimmhürde von 90 Prozent ab. Der Weg ist nun frei für einen neuen Anlauf zur Übernahme durch Fresenius.
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FrankfurtRhön-Klinikum-Aufsichtsratschef Eugen Münch hat das Ringen um eine entscheidende Satzungsänderung bei der fränkischen Krankenhauskette gewonnen. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Frankfurt erreichte der Vorschlag zur Abschaffung der 90-Prozent-Hürde für alle wichtigen Unternehmensentscheidungen die erforderliche Zahl der Stimmrechte, wie Münch nach der Auszählung auf dem Aktionärstreffen sagte.

Der Vorschlag wurde mit 90,54 Prozent Ja-Stimmen akzeptiert. Der Rhön-Gründer hatte bei den rund 550 versammelten Anteilseignern vehement für die Streichung der Klausel geworben. Auf dem Treffen waren nach Unternehmensangaben rund 64 Prozent des stimmberechtigten Kapitals präsent.

Der mit knapp zehn Prozent an Rhön beteiligte schwedische Pensionsfonds Alecta hatte den Vorschlag zur ersatzlosen Streichung der Klausel auf die Tagesordnung gesetzt. An der 90-Prozent-Hürde war im vergangenen Jahr die geplante Übernahme von Rhön durch den Gesundheitskonzern Fresenius gescheitert.

Die Aktionäre könnten das Unternehmen mit der Entscheidung für die dringend erforderliche Weiterentwicklung in der Klinik-Branche öffnen, hatte Münch zuvor bei den Anteilseignern geworben. Eine Übernahme von Rhön werde erheblich leichter möglich. Der Gesundheitskonzern Fresenius könnte jetzt einen neuen Anlauf zum Kauf von Rhön wagen, nachdem der erste Versuch 2012 an der 90-Prozent-Hürde gescheitert war. Münch hatte zusammen mit der Fresenius-Chef Ulf Schneider einen bundesweit tätigen großen Krankenhauskonzern schaffen wollen.

Die Klausel war einst in die Satzung genommen worden, um eine feindliche Übernahme der fränkischen Klinikkette zu verhindern. Doch bei der Fresenius-Offerte zeigte sich, dass damit auch eigene Fusionspläne wackeln. Denn der Gründer und Eigner des Klinik-Rivalen Asklepios, Bernard Broermann, und der hessische Medizintechnikkonzern B. Braun hatten das Vorhaben von Münch und Fresenius-Chef Schneider erfolgreich blockiert. „Ich wäre nie darauf gekommen, dass ein langjähriger Lieferant - anstatt mit uns über Lieferungen zu verhandeln - Anteile kauft“, sagte Münch an die Adresse von B. Braun. Auch der Wettbewerb mit Asklepios sei bis dahin stets fair gewesen, es habe nie Krieg gegeben. Ihn habe das Vorgehen der beiden Unternehmen deshalb überrascht.

Sowohl Broermann als auch B. Braun stünden nun in der Verantwortung, sagte Münch. „Ich glaube, es geht nicht um Gesichtsverlust.“ Auch nach dem Scheitern der Fresenius-Offerte sehe er die Zukunft der Branche weiterhin in großen integrierten Gesundheitskonzernen. „Für meine Frau und mich kann ich sagen, dass wir der Satzungsänderung zustimmen werden“, sagte Münch. „Wir sind der Auffassung, dass sich diese Klausel inzwischen zum Hemmschuh für die Weiterentwicklung des Unternehmens entwickelt hat“, sagte Alecta-Vertreter Marcus Lüttgen.

Zuletzt hielten fünf Großaktionäre zwischen fünf und 12,5 Prozent der Rhön-Stimmrechte. Fast 59 Prozent der Anteile waren im Besitz von Aktionären, die jeweils weniger als drei Prozent hielten. Auf Münch entfallen 12,5 Prozent, der Pensionsfonds Alecta hält knapp zehn Prozent. Asklepios, B. Braun und Fresenius besitzen jeweils mindestens fünf Prozent der Anteile.

Aktionärvertreter sparten auf dem Treffen nicht mit Kritik an der Rhön-Führung. „Der gescheiterte Übernahmeversuch hat tiefe Spuren in ihrem Unternehmen hinterlassen“, sagte Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Irgendjemand müsse für das Scheitern die Verantwortung übernehmen. Julia List von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte, die 90-Prozent-Hürde habe sich als Bremsklotz für das Unternehmen erwiesen. Das zeige sich auch in den Geschäftszahlen. Der Gewinn des Klinikkonzerns war im vergangenen Jahr eingebrochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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