Kurzurlaub in Deutschland
Pauschalreise dahoam

Ob Wellness-Wochenende oder Oktoberfest-Sause: Spontane Reisen liegen im Trend. Sehr beliebt sind dabei Ziele im Inland. Reiseportale haben den Trend erkannt und bieten Kurztrips an – mit Pauschalpaketen.
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MurnauVon der Terrasse bietet sich ein prächtiger Blick über die Voralpenkette. Und die Küche im Fünfsterne-Hotel Alpenhof in Murnau bietet gehobene, aber bodenständige Küche. Die Gäste in dem etwas altmodischen Ambiente sind meist schon im eher gehobenen Alter. „Die jungen Gäste erreichen solche Hotels oft nur schwer“, sagt Thorsten Schröppe (37) mit einem Blick über die Terrasse. Viele junge Gäste buchen über das Internet, und da ist Werbung für einzelne Häuser schwierig.

Der Jungunternehmer ist überzeugt davon, dass er eine attraktive Nische auf dem hart umkämpften Touristikmarkt gefunden hat. Auf seinem Reiseportal Travador bietet er Pauschalreisen für den Wochenend- und Kurzurlaub in der deutschsprachigen Region an. Ein Wellness-Wochenende im Alpenhof in Murnau wird da ebenso offeriert wie ein Oktoberfest-Trip samt Reservierung im Oktoberfestzelt. Das Kalkül: Die Hotels können ihre Auslastung, die im Schnitt laut Statistischem Bundesamt bei nur 65 Prozent liegt, gerade in saisonschwächeren Zeit verbessern. Travador kann so gute Konditionen herausschlagen, sich aber, da immer Erlebnispakete geschnürt werden, aus dem gnadenlosen Preiskampf bei der Zimmervermittlung etwas heraushalten.

„Im Reisemarkt verdient doch kaum noch einer Geld“, sagt Schröppe. Dabei ist der Markt groß. Allein für Reisen im Inland geben die Deutschen laut Branchenverband DRV knapp 70 Milliarden Euro aus.

In seiner Nische ist der Unternehmer nicht allein. Tripjoker bietet ähnliche Pakete, auch andere haben zuvor schon so etwas versucht. Hinzu kommen Event-Veranstalter wie Mydays und Jochen Schweizer. Auf die Vermittlung inländischer Ferienquartiere setzt auch Holiday Insider, das im vergangenen Jahr vom Kölner Hotelbuchungsportal HRS übernommen wurde. Der Ferienunterkunft-Vermittler hatte zwar viele Kontakte zu Quartieren aufgebaut, es haperte aber ein wenig an der Bekanntheit. „Entscheidend ist das Marketing“, weiß der Jungunternehmer.

Da hilft es, dass Schröppe aus der Samwer-Schule kommt. Er hatte bereits eine Webseite für Amateursportvereine aufgebaut, an der sich die Samwers beteiligten, und später Citydeal mitbegründet. Das Schnäppchenportal funktionierte nach dem Erfolgsrezept, auf das auch die Samwer-Brüder setzen: Es kopierte ein im Ausland erfolgreiches Geschäftsmodell, im Hinterkopf war immer die Idee, es zu pushen und dann an den Platzhirsch zu verkaufen.

Citydeal ging nur sechs Monate nach der Gründung an Groupon. Schröppe ging dort noch eine Zeitlang in die Geschäftsführung und war dort drei Jahre für die Internationalisierung zuständig, dann aber drängte es ihn zu neuen Ufern. „Ich bin nicht der beste Chef für 1000 Mitarbeiter, ich bin besser in der Aufbauphase“, räumt er ein.

Nun also Travador, und auch hier wird nicht gekleckert. 30 Millionen Euro gibt Schröppe binnen zwei Jahren für Fernsehwerbung aus, um die Markenbekanntheit zu steigen. Bei TUI dürfte es nicht viel mehr sein. Im Gegenzug sicherte sich ProSiebenSat.1 Travador-Anteile. Der Umsatz soll im nächsten Jahr auf 100 Millionen Euro verdreifacht werden. Mittelfristziel ist eine halbe Milliarde Euro.

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