Labor-Skandal
„Schottdorf hat das Bett bereitgestellt, in das sich der Arzt hat reinlegen können“

Zweiter Tag der Vernehmung des LKA-Beamten Stephan Sattler vor dem Untersuchungsausschuss Labor. Auch dieses Mal lässt er die bayerische Justiz im Schottdorf-Skandal stellenweise schlecht aussehen.
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MünchenIrgendwann hat Stephan Sattler zurückgebissen. Es war 2008, da teilte ihm sein Kollege Robert Mahler vom Landeskriminalamt mit, dass Dokumente vom Laufwerk ihrer Computer ohne ihr Wissen ausgelesen worden waren. „Die fanden sich dann später in einer Staatsanwaltschaftsakte gegen einen Journalisten wieder“, erzählt Sattler. Der Journalist hatte mehrfach über Ermittlungen gegen den Labor-Magnaten Bernd Schottdorf berichtet.

Die Staatsanwaltschaft habe diesen Vorgang bestätigt, ebenso der Leiter der Rechtsabteilung. Auch bei zwei anderen Kollegen sei das passiert, erzählte Sattler am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss Labor des bayerischen Landtags.

Doch Konsequenzen hatte dieses Vorgehen nicht. „Ich habe dann später Strafanzeige gegen den Verantwortlichen der Staatsanwalt gestellt. Die ist aber zeitnah eingestellt worden“, so Sattler.

Es ist der zweite Auftritt des LKA-Beamten Sattler als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss. Der beschäftigt sich mit der Frage, warum die bayerischen Strafverfolgungsbehörden 2009 ein mutmaßliches Kartell von 10.000 betrügerischen Ärzten unbehelligt ließ. Das Handelsblatt hatte den Skandal im Mai 2014 aufgedeckt.

Sattler, Beamter beim Landeskriminalamt, ist einer der Hauptbelastungszeugen für das Versagen der Justiz. Zusammen mit seinem Kollegen Mahler wollte er gegen das mögliche Ärztekartell weiter ermitteln, doch sie waren sowohl von den Strafverfolgungsbehörden als auch in der eigenen Behörde ausgebremst worden. Das hatte er am Montag bereits zu Protokoll gegeben.

Sattler war damals Leiter der Soko Labor. Die Soko hatte 10.000 Mediziner ermittelt, die alle Kunden des damaligen Labor-Magnaten Bernd Schottdorf waren. Diese hatte alle von einem Abrechnungsmodell profitiert, bei dem sie Schottdorfs Spezial-Blutanalysen illegal als eigene Leistung abrechneten. Der berechnete seine Arbeit gegenüber den Ärzten mit hohen Rabatten.
Ein Arzt, der seine Blutproben an Schottdorf schickte, konnte so mit einer Blutprobe teilweise bis zu 800 Euro einnehmen.

Gleichwohl stellte die Staatsanwaltschaft Augsburg 151 Verfahren mit Zustimmung der Generalstaatsanwaltschaft und des bayerischen Justizministeriums kurzerhand ein, den Rest ließ sie verjähren. Später wurde einer der Ärzte, gegen den ein Pilotverfahren geführt wurde, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigte diese Verurteilung.

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„Da bin ich nicht richtig zitiert worden“

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Trauriger Auftritt des Vorsitzenden

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