Lizenzgebühr kommt: Preisexplosion beim Warentest-Siegel

Lizenzgebühr kommt
Preisexplosion beim Warentest-Siegel

Wer bislang ein Produkt mit einem Siegel der Stiftung Warentest bewerben wollte, musste 500 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Nach Informationen des Handelsblatt gibt es demnächst einen kräftigen Preissprung.

DüsseldorfOb in TV-Werbespots, in Zeitungsanzeigen oder Internet-Bannern: Firmen werben gerne damit, wenn die Stiftung Warentest eines ihrer Produkt mit einer Note wie „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. „Ein betriebswirtschaftlicher Effekt ist in gewissem Umfang da“, sagt ein Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft zu Handelsblatt Online. Und da die Stiftung um den Nutzen weiß, ist sie selbstbewusst genug, jetzt eine deutliche Preiserhöhung für die Siegel durchzusetzen.

Nach Informationen des Handelsblatts will die Stiftung zum 1. Juli ein Lizenzsystem einführen. Statt bisher 500 Euro Bearbeitungsgebühr, um mit dem Logo zu werben, sollen dann mindestens 7000 Euro fällig werden. Für diesen Betrag soll es das Recht geben, ein Jahr lang auf Verpackungen, in Zeitungen und Zeitschriften oder im Internet mit dem Gütesiegel zu werben. Zwei Jahre sollen 10.000 Euro kosten, für Fernseh- und Kinowerbung gelten deutlich höhere Sätze. Der ZAW sieht in der Gebührenerhöhung einen Trend von Verbraucherorganisationen „an die Fleischtöpfe der Wirtschaft zu wollen.“

Beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) freut man sich, regelmäßig bei den Tests gut abzuschneiden und die Siegel verwenden zu können. Jüngst hätten etwa elektrische Zahnbürsten der Marke Oral-B gut abgeschnitten. „Von der Stiftung selbst haben wir noch keine Informationen über das künftige Modell“, sagt eine P&G-Sprecherin. Doch es könnte möglicherweise „Kategorien geben, wo wir das Siegel nicht mehr einsetzen werden.“ Beim Lebensmittelkonzern Nestlé setzt man das Siegel ebenfalls ein, aber immer abhängig vom Einzelfall. Die angepeilten Preise ließen das Warentest-Siegel dann aber in Konkurrenz zu anderen kostenpflichtigen Siegeln wie Ökotest treten. Und je nach Produkt gebe es unterschiedlich attraktive Siegel – bei Cremes etwa auch Verträglichkeitssiegel.

Die Stiftung Warentest ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Ihr Ziel ist die Förderung des Verbraucherschutzes, ihr Glaubenssatz die Unabhängigkeit. Ihre Einnahmen generiert die Stiftung durch den Verkauf der werbefreien Zeitschriften „Test“ und „Finanztest“ sowie aus den Erträgen des Stiftungskapitals von 50 Millionen Euro.

Letzteres ist vermutlich der Grund dafür, warum die Stiftung eine neue Erlösquelle braucht. Das Jahresergebnis für 2012 wird voraussichtlich im Minus liegen. Schuld daran sei die Niedrigzinsphase, sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus dem Handelsblatt. Seinen Berechnungen nach werden die künftigen Lizenzgebühren einen Anteil im einstelligen Prozentbereich des Gesamterlöses ausmachen.

Bedenken, die Stiftung könnte ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn sie mit den Unternehmen Geschäfte macht, weist er zurück. Die Verträge würde nicht die Stiftung selbst abschließen, sondern die gemeinnützige RAL gGmbH. „Wir nutzen die zusätzlichen Einnahmen, um die Unternehmen besser kontrollieren zu können“, sagt Primus. So werde man künftig Nachkontrollen durchführen, um zu verhindern, dass die Hersteller, wenn sie von einem Test erfahren, die Produktqualität kurzfristig erhöhen.

Martin Dowideit, Ressortleiter Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Deskchef Finanzzeitung
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