Lufthansa und Etihad Pakt der Rivalen

Lange waren beide Airlines sprichwörtlich verfeindet. Doch jetzt werden aus Konkurrenten Partner. Lufthansa und Etihad wollen künftig zusammenarbeiten und bieten in Zukunft Gemeinschaftsflüge an.
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Die Lufthansa wird in Zukunft mit Etihad zusammenarbeiten. Zuvor sah die Lufthansa den Konkurrenten aus dem nahen Osten als erbitterten Gegner. Quelle: dpa
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Die Lufthansa wird in Zukunft mit Etihad zusammenarbeiten. Zuvor sah die Lufthansa den Konkurrenten aus dem nahen Osten als erbitterten Gegner.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Lufthansa arbeitet künftig mit dem Erzrivalen Etihad eng zusammen. Der Kranich-Konzern miete nicht nur 38 Jets vom hiesigen Etihad-Partner Air Berlin, sondern führe auf einigen Strecken Gemeinschaftsflüge ein, wie beide Unternehmen am Freitag mitteilten. Dabei müsse es nicht bleiben: „Wir können uns vorstellen, unsere Zusammenarbeit in der Zukunft auf andere Bereiche auszuweiten“, sagte Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr. Konkrete Vorhaben nannte er nicht, doch werden nach Aussagen eines Konzern-Insiders hinter den Kulissen weitere Gemeinschaftsflüge geplant. Die Lufthansa wollte sich dazu nicht äußern. Offiziell sind zunächst sogenannte Codeshares auf vier Strecken beschlossen. Weitere gute Nachrichten gab es von den Piloten, die sich in dem Dauer-Tarifstreit nun doch auf eine Schlichtung einlassen wollen.

Diese Airlines kassieren über Extras ab
Air Berlin (3,8 Prozent)
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Bei Air Berlin kosten unter anderem das Gepäck und mehr Beinfreiheit extra. Auch On-Board-Verkäufe und das Vielflieger-Programm brachten der Fluggesellschaft im Jahr 2015 Extraeinnahmen in Höhe von gut 156 Millionen Euro – das sind 3,8 Prozent der Gesamteinnahmen. Gutes Geld, doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nur Peanuts.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Lufthansa (5,5 Prozent)
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Auch der Lufthansa-Konzern rangiert bei den Zusatzeinnahmen nur unter ferner liefen – zumindest im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen (5,5 Prozent). Lufthansa, Swiss, Austrian und Germanwings generierten im Jahr 2015 in diesem Bereich 1,3 Milliarden Euro. Doch in Zukunft will der Konzern immer mehr auf diese Zusatzeinnahmen setzen. So stellte die Lufthansa 2015 ihr Preismodell um. Einige Tickets wurden günstiger, dafür aber bislang kostenlose Zusatzleistungen kostenpflichtig. Damit verbesserte sich die Lufthansa im Bereich Zusatzeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. 2016 sollen dann 6,5 Prozent der Gesamteinnahmen auf anderem Wege als über die Ticketpreise erwirtschaftet werden.

Easyjet (20 Prozent)
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Die Palette an Zusatzangeboten ist bei den Briten so groß wie komplex: Bordessen, Gebühren auf Umbuchungen, Stornogebühren, Verwaltungspauschalen für Online-Buchungen und, und, und... Alleine die zweiprozentigen Gebühren auf Zahlungen mit der Kreditkarte bringen der Fluggesellschaft jährlich rund 88 Millionen Euro ein. Insgesamt lagen die Einnahmen durch die Zusatzangebote bei annähernd 1,3 Milliarden Euro – das sind 20 Prozent der Gesamteinnahmen. Platz zehn unter den Airlines.

Tigerair (20,8 Prozent)
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Als Erster ins Flugzeug einsteigen? Kein Problem: Bei Tigerair aus Singapur ist das gegen einen Aufpreis von umgerechnet knapp vier Euro möglich. Und wer in dem asiatischen Stadtstaat länger als acht Stunden auf seinen Anschlussflug warten muss, bekommt für etwa 15 Euro einen Sightseeing-Tour geboten. Kein Wunder, dass bei so viel Kreativität die Kassen im Zusatzgeschäft klingeln: 2015 kam mehr als jeder fünfte Euro der Gesamteinnahmen (20,8 Prozent) aus diesem Bereich – Platz neun. Insgesamt waren es fast 100 Millionen Euro.

Jetstar (21,3 Prozent)
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Jetstar verdient auch mit, wenn Kunden ein Hotelzimmer oder einen Leihwagen buchen. Zusammen mit den bei Billigairlines üblichen Aufschlägen für Catering und Extra-Fußraum hat das der australischen Fluglinie im Jahr 2015 Einnahmen gut 500 Millionen Euro beschert. Ein Anteil von 21,3 Prozent an den Gesamteinnahmen bedeutet gleichzeigt Rang acht.

Flybe (21,2 Prozent)
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Jeder vierte Euro kommt bei der britischen Flybe aus dem Zusatzgeschäft. Gebühren für Kreditkartenzahlungen und Wunschplätze, Gepäckkosten sowie weitere Extras sorgten 2015 für Einnahmen in Höhe von knapp 190 Millionen Euro – Rang sieben unter den Fluggesellschaften.

Volaris (22,3 Prozent)
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Volantis bezeichnet sich selbst als Billigfluglinie. Die Mexikaner steigerten ihre Einnahmen durch die Werbestrategie „Du entscheidest“. Fluggäste sollen selbst wählen, welche zusätzlichen Produkte und Angebote sie kaufen und nutzen wollen. Damit stiegen die Zusatzeinnahmen der Airline pro Fluggast seit 2009 von gut sieben auf fast 18 Euro. Insgesamt waren es im Jahr über 230 Millionen Euro (22,3 Prozent der Gesamteinnahmen). Platz sechs unter den Fluglinien.

Die Avancen der Lufthansa gegenüber einer Staatsairline vom Persischen Golf stellen eine Zeitenwende dar. Bislang gingen die Frankfurter auf Konfrontationskurs zum schnellwachsenden Rivalen und warfen ihm wegen angeblich finanzieller Rückendeckung durch Ölemirate unfairen Wettbewerb vor. Vor einem Jahr etwa forderte Spohr die Politik auf, Golf-Airlines wegen fehlender sozialer und Umweltstandards den Zugang zur EU zu verbieten. Die Betroffenen, also neben Etihad auch Emirates und Qatar Airways, wiesen solche Vorwürfe stets zurück und unterstellten den Kritikern in Europa, sich nicht dem härteren Wettbewerb stellen zu wollen.

Doch nun findet auch Etihad-Chef James Hogan lobende Worte. Lufthansa genieße weltweit hohes Ansehen. „Ich bin sehr glücklich, dass wir in Zukunft zusammenarbeiten werden.“ Nach Aussagen eines Insiders wollte die Fluglinie schon seit Jahren mit der Lufthansa anbandeln, doch verweigerte sich Spohr zunächst. Dem sei es wichtig gewesen, die Lufthansa erst auf Vordermann zu bringen, um mit einem eventuell Partner auf Augenhöhe zu verhandeln. Mit dem Aufbau des konzerneigenen Billigfliegers Eurowings auf bald 180 Flugzeuge sei das Traditionsunternehmen aus Sicht des Managements wieder handlungsfähig, sagte der Konzernkenner. Doch ganz freiwillig ging auch Etihad nicht auf Partnersuche: Die Besitzer der Airline, die Herrscherfamilie von Abu Dhabi, achtet wegen der niedrigen Ölpreise mehr auf das Geld. Allein den angeschlagene Partner Air Berlin musste mit über einer Milliarde Euro gestützt werden. Etihad hält knapp 30 Prozent an den Berlinern.

Lufthansa strich Flug wegen Etihad-Konkurrenz
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