Marktforscher Michael Dell legt im GfK-Poker nach

Der US-Investor KKR will bei der GfK das Ruder übernehmen. Doch Michael Dell und ein weiterer Investmentfonds erhöhen den Druck. Ein Scheitern des Deals wäre für Deutschlands größten Marktforscher ein Desaster.
Update: 07.02.2017 - 14:57 Uhr Kommentieren
Dem US-Unternehmer gehören mittlerweile fast zehn Prozent an der GfK. Quelle: Reuters
Michael Dell

Dem US-Unternehmer gehören mittlerweile fast zehn Prozent an der GfK.

(Foto: Reuters)

NürnbergIm Poker um die Übernahme von GfK-Aktien hat der US-Investor Michael Dell mit einem überraschenden Einstieg bei dem größten deutschen Marktforschungsunternehmen für einen Paukenschlag gesorgt. Der US-Computermogul Michael Dell hat mit seinem Fonds MSD Capital seine direkten und indirekt gehaltenen Anteile an den Nürnbergern weiter auf 9,77 Prozent aufgestockt, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dem US Investor KKR, dessen Übernahmeangebot am Freitag (10. Februar) endet, hatten Anteilseigener bis Dienstag lediglich 4,6 Prozent der GfK-Aktien angeboten.

Im Übernahmepoker um den größten deutschen Marktforscher mischt auch ein weiterer Investmentfonds mit: Primestone Capital, hinter dem ein frühere Manager der Boston Consulting Group, Benoit Colas, steht. Dessen Fonds besaß nach GfK-Mitteilung zum Wochenbeginn bereits fünf Prozent der GfK-Aktien. Damit sind schon fast 15 Prozent des GfK-Kapitals in Händen von Investoren, die nicht auf die Offerte von KKR eingehen dürften.

Das SDax-Unternehmen leidet seit längerem unter der Konkurrenz von Start-ups und Internet-Unternehmen, die in den Augen der GfK zu Dumpingpreisen Verbraucherbefragungen anbieten. Quelle: dpa
GfK-Zentrale in Nürnberg

Das SDax-Unternehmen leidet seit längerem unter der Konkurrenz von Start-ups und Internet-Unternehmen, die in den Augen der GfK zu Dumpingpreisen Verbraucherbefragungen anbieten.

(Foto: dpa)

In Kreisen des Marktforschers zeigte man sich über das Interesse großer amerikanischer Investoren am eigenen Unternehmen überrascht, warnte aber zugleich vor einer Dramatisierung. Dies seien nur „Trittbrettfahrer“, die versuchten, aus solchen Übernahmen Kapital zu schlagen. Ein anderer Firmeninsider meinte: „Das ist keine neue Situation bei solche Übernahmen. Da ist immer viel Bewegung am Markt. Mal schauen, wie KKR darauf reagieren wird“.

In der Vergangenheit hatten bei Übernahmen wiederholt Investmentfonds versucht, mit dem Kauf großer Aktienpaket den Investor zur Nachbesserung seines Angebots zu zwingen. Trotzdem könnte nach Einschätzung von Fachleuten der Auftritt von Übernahmekonkurrenten den geplanten Einstieg von Investoren in notleidende Unternehmen in Gefahr bringen. So ist unklar, ob KKR sein Angebot nachbessern wird oder sich mit einem Scheitern abfindet. Das wäre für die GfK ein Desaster.

Starke Gewinne und abgewehrte Verluste
Hambrecht-Familie
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Zu den Gewinnern am Markt gehört Stefan Hambrecht, der Sohn des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und heutige Aufsichtsratschef des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht (zu sehen im Bild). Stefan Hambrecht kaufte am 15. Januar BASF-Aktien im Wert von 62.436 Euro. Kurz darauf legte der Kurs ordentlich zu, so dass er nun einen Gewinnzuwachs in Höhe von 49,01 Prozent verbuchen kann.

Quelle: Fifam

Erwin Faust
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Ebenfalls einen guten Riecher hat der Finanzvorstand der im MDax notierten Aurubis AG, Erwin Faust, bewiesen. Zusammen mit Stefan Boel (Vorstand Business Unit Kupferprodukte) und Fritz Vahrenholt (Aufsichtsratsmitglied) kaufte der studierte Wirtschaftswissenschaftler zwischen dem 29. Januar und 01. Februar für 334.844 Euro Wertpapiere des global führenden Kupferproduzenten und -wiederverwerters. Anschließend ging es mit dem Kurs steil bergauf, sodass Faust einen Gewinn von plus 49,91 Prozent verzeichnen kann.

Markus Steilemann
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Seit 2015 ist Dr. Markus Steilemann bei der Bayer-Tochter Covestro für den Bereich Innovation verantwortlich. Im vergangenen Jahr wurde ihm beim Fertiger und Entwickler von Werkstoffen wie Lacke sowie Kleb- und Dichtstoffsystemen zudem die Leitung des Segments Polyurethanes anvertraut. Dafür bedankte sich der 46-Jährige am 29. Juli mit einem Kauf von Aktien im Wert von 124.887 Euro. Im MDax verlief es für das Unternehmen in der Folgezeit sehr gut, sodass sich Steilemann zusätzlich über einen Gewinn in Höhe von plus 53,93 Prozent freuen darf.

Eckart Sünner (r.)
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Dr. Eckart Sünner ist arbeitet als selbstständiger Rechtsanwalt und ist seit 2007 ein Teil des Aufsichtsrats der Infineon Technologies AG. Der aus der Siemens AG hervorgegangene Halbleiterhersteller ist seit September 2009 im Dax notiert. Am 10. Februar erwarb Sünner Wertpapiere im Wert von 110.300 Euro und darf nun einen satten Gewinnsprung von plus 61,01 Prozent verbuchen.

Matthias Zachert
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Matthias Zachert ist einer der medienpräsentesten Manager des vergangenen Jahres und seit April 2014 Vorstandsvorsitzender der Lanxess AG. Der Spezialchemie-Konzern ist mit mehr als 91 Millionen Aktien im MDax vertreten. Der Vorstand wird durch Michael Pontzen, Dr. Rainier van Roessel und Dr. Hubert Fink komplettiert. Gemeinsam erwarben sie am 18. Januar Aktien des eigenen Unternehmens im Wert von 719.090 Euro. Anschließend folgte ein unglaubliches Plus von 76,68 Prozent.

John-Leonard Stephenson
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Es geht allerdings auch andersherum. Manager, die Gewinner sind, obwohl sie keine Gewinne erzielt haben. John-Leonard Stephenson ist beispielsweise der COO der Norma Group. Am 11. August verkaufte der Manager seinen Anteil der Wertpapiere des im MDax notierten Marktführers für Verbindungstechnik im Wert von 223.120 Euro und schützte sich damit vor einem weiteren Wertverlust von minus 20,18 Prozent.

Ralf Schremper
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Ein richtiges Gespür hat auch der Chefstratege der Pro Sieben Sat 1 Media SE, Dr. Ralf Schemper, bewiesen. Der Medienkonzern ist Ende März aus dem MDax in den Dax aufgestiegen. Noch zu Beginn desselben Monats verkauften er sowie Dr. Gunnar Weidenfels (Finanzvorstand), Antoinette Aris , Rolf Nonnenmacher, Erik Adrianus Hubertus Huggers und Adam Cahan (alle Aufsichtsratsmitglieder) ihre Aktien im Wert von 3.702.523 Euro und bewahrten sich somit vor einem Verlust von minus 21,06 Prozent.

KKR hatte den GfK-Aktionären angeboten, ihre Papiere für 43,50 Euro pro Aktie zu übernehmen. Das Angebot ist an die Voraussetzung geknüpft, dass dem US-Investor bis zum 10. Februar mindestens 18,54 Prozent der GfK-Aktien angedient werden. Vorstand und Aufsichtsrat hatten den Anteilseignern empfohlen, das Angebot anzunehmen: KKR sei bereit und in der Lage, eine auf Wachstum ausgerichtete Strategie zu unterstützen. Für die Anleger sei das KKR-Angebot finanziell attraktiv.

Die GfK-Gruppe hatte im Jahr 2016 weiter an Umsatz eingebüßt. Nach vorläufigen Zahlen gingen die Erlöse um 3,8 Prozent auf 1,484 Milliarden Euro zurück. Der operative Gewinn schrumpfte im Vergleich zu 2015 um 34 Millionen Euro auf rund 154 Millionen Euro. Das SDax-Unternehmen leidet seit längerem unter der Konkurrenz von Start-ups und Internet-Unternehmen, die in den Augen der GfK zu Dumpingpreisen Verbraucherbefragungen anbieten. Belastet haben die GfK auch Probleme mit einem Fernsehforschungsauftrag in Brasilien.

  • dpa
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