MeinFernbus FlixBus, BerlinLinienBus

Fernbusse geraten auf ihrer Erfolgsspur in Schlingern

In diesem Jahr sind so viele Reisende wie noch nie in Fernbusse gestiegen. Auch in kleinen und mittelgroßen Städten machen sie immer öfter Halt. Doch die Deutsche Bahn will sich der Konkurrenz nicht geschlagen gegeben.
Der Wettbewerb auf dem Fernbus-Markt ist hart. Quelle: dpa
Fernbusse

Der Wettbewerb auf dem Fernbus-Markt ist hart.

(Foto: dpa)

BerlinHin und wieder kommt es vor, dass auch er in ein Flugzeug steigt: André Schwämmlein. Er ist einer von insgesamt fünf Geschäftsführer von „MeinFernbus FlixBus“ und reist daher regelmäßig von Berlin nach München. In beiden Großstädten hat der Marktführer der Branche Firmensitze. Am Flughafen Tegel zeigt er dann die Bordkarte auf dem Handy vor, bevor es für ihn in die Luft geht.

Wohler fühlt sich der 34 Jahre alte Manager hingegen auf der Straße. Gerne nimmt er in einem der Fernbussen seines Unternehmens Platz. Die Auswahl an Fahrzeugen ist größer geworden, seit die beiden führenden Anbieter Anfang dieses Jahres fusioniert haben. Mit diesem Zusammenschluss haben sie die Machtverhältnisse auf dem boomenden Fernbusmarkt in Deutschland geklärt.

Mittlerweile prägen Fernbusse das Bild auf den Autobahnen – und auch das auf den Landesstraßen. In Rekordzeit sind Fernbusse der größte Konkurrent der Deutschen Bahn geworden – und fahren weiter auf der Erfolgsspur. Noch vor dem Jahr 2013 durften Busanbieter der Deutschen Bahn im Fernlinienverkehr keine Konkurrenz machen. Nach der Marktöffnung drängten dann zahlreiche neue Anbieter auf den Markt. Im Oktober wurden dem Marktforschungsinstitut Iges zufolge in Deutschland 326 Fernbuslinien bedient, 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Fahrgäste stieg nach Schätzung des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer 2015 voraussichtlich von 16 auf 20 Millionen. Gemessen an den Fahrplankilometern hat „MeinFernbus FlixBus“ einen Marktanteil von 73 Prozent, vor Postbus (11 Prozent), der Deutschen Bahn mit ihren Marken „BerlinLinienBus“ und „IC Bus“ (zusammen 6 Prozent) und „Megabus“ (3 Prozent).

Mit diesen Fernbuslinien fahren Sie am besten
Fernbus in Leipzig
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Von Berlin nach Hamburg für acht, von Köln nach München für 19 Euro – eine Fahrt mit dem Fernbus ist unschlagbar preiswert. Die Fahrt dauert deutlich länger als mit der Bahn, trotzdem gibt es einen Bus-Boom in Deutschland. Seit Januar 2013 dürfen Fernbusse auch auf Strecken fahren, die mit der Bahn konkurrieren. Seither hat die Branche rasant Fahrt aufgenommen. Konnten Reisende im Januar 2013 aus 86 innerdeutschen Fernbuslinien wählen, waren es im November 2015 schon 326.
Großer Sitzabstand, Bordtoilette, Klimaanlage, freies WLAN, Drinks und günstiger Preis – damit werben die rund 50 Fernbusunternehmen, die mit ihren Bussen über Deutschlands Straßen rollen. Stiftung Warentest hat im Fernbus-Test neun überregional bedeutsame Anbieter unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Sechs von ihnen bekamen die Note gut, nur drei schnitten mit der Note befriedigend ab. Punkte sammeln konnten die Busunternehmen bei Preis, Pünktlichkeit, Sicherheit, Service und Ausstattung. Pluspunkte gab es vor allem für die Pünktlichkeit: 80 Prozent aller Busse fuhren nach Plan ab. Deutliche Kritik gab es von den Testern allerdings oft für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Platz 9: Eurolines
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Eurolines ist ein Zusammenschluss von 32 europäischen Busunternehmen mit Sitz in Brüssel. In Deutschland fährt der Anbieter seit 1985 fährt für die Deutsche Touring GmbH, die bis 2005 der Deutschen Bahn gehörte und seitdem eigenständig ist. Die Fahrten sind insgesamt gut, doch Abzüge gab es bei den teilweise unsauberen Toiletten. WLAN war auch nicht immer verfügbar. Einziger Pluspunkt: 34 von 40 Fahrten waren pünktlich und es gab keine Verspätung von mehr als 30 Minuten. Vor der Fahrt war das Buchen und Stornieren allerdings sehr mühsam. Dabei sollte der Reisende genau wissen, was er bucht. Denn eine Umbuchung kostet zehn Euro. Insgesamt gab es für die Eurolines die Note befriedigend (3,1). Für den Test führten elf Tester insgesamt zehn Fahrten pro Anbieter durch. Außerdem nahmen Experten die Webseites unter die Lupe.

Platz 8: DeinBus.de
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Von drei Studenten 2009 als Busmitfahrzentrale in Offenbach gegründet, bietet das Unternehmen seit vergangenem Jahr Fernbus-Linien mit einem ausgedehnten Streckennetz im Südwesten des Landes an. Der Anbieter bekam ebenfalls die Note befriedigend (2,7) für teilweise ältere Busse mit unsauberen Toiletten. Insgesamt kamen zehn von 40 Fahrten verspätet an, einmal gab es eine Verspätung von mehr als einer halben Stunde. Bei der Buchung sollten sich Reisende mehr Zeit nehmen, denn die Homepage ist etwas unübersichtlich. Dafür sind die Stornierungskosten mit drei Euro nicht so hoch.

DeinBus.de meldete 2014 Insolvenz an, ist inzwischen allerdings wieder auf dem Markt aktiv und bietet insbesondere Studenten und älteren Menschen gute Angebote.Platz 8: DeinBus.de

Platz 7: Public Express
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Das 2003 gegründete Unternehmen hat mit lediglich zwei Linien das kleinste Streckennetz unter den getesteten Fernbussen. Mit elf Haltestellen fährt Public Express meist im Nordwesten des Landes. Schwierig hierbei: die Busse sind nicht immer einfach zu identifizieren. Die Fahrten wurden dennoch insgesamt mit der Note gut bewertet. Immerhin waren 34 von 40 Fahrten pünktlich, bei den sechs Verspätungen war keine länger als eine halbe Stunde. Auch wenn die Fahrt trotz fehlendem Wlan angenehm war, war die Buchung vorher umso anstrengender. Dabei gab es technische Probleme. Außerdem wurden persönliche Daten unverschlüsselt übertragen. Stornierungen konnten nur schriftlich gemacht werden. Entweder gab es einen Gutschein oder zehn Euro Kosten. Die Umbuchung war dagegen kostenlos. Insgesamt erhielt Public Express die Note befriedigend (2,6).

Im August 2015 gab Public Express bekannt, dass sie den Betrieb auf ihrer Stammstrecke aufgrund der Marktentwicklung einstellen.

Platz 6: MeinFernbus.de
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Mein Fernbus wurde 2011 in Berlin gegründet. Die markanten grünen Busse überzeugten mit einem sehr guten Service und sauberen Toiletten. 30 von 40 Fahrten waren pünktlich, in zwei Fällen gab es allerdings Verspätungen von mehr als 30 Minuten. Das Buchen vor der Fahrt ging leicht von Hand, beim Stornieren wurde der Ticketpreis als Gutschein erstattet. Insgesamt wurde Mein Fernbus, inzwischen mit Flixbus fusioniert, mit der Note gut (2,2) bewertet.

Platz 5: City2City
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Erst seit Frühjahr 2013 rollt das britische Unternehmen National Express auf dem deutschen Fernbus-Markt und landet mit der Note gut (2,1) auf Platz fünf der besten Fernbuslinien. Derzeit bietet City2City nur fünf Linien mit 16 Zielen an. Die Fahrten mit dem Bus sind zwar insgesamt gut, auffällig war dennoch die aggressive Fahrweise des Busfahrers, der auch oft während der Fahrt telefonierte. Elf Fahrten waren im Test unpünktlich, davon hatten zwei eine Verspätung von mehr als eine halbe Stunde. Einen Pluspunkt gab es beim Buchen: Vor der Fahrt kann der Reisende sich einen Sitzplatz reservieren und noch 48 Stunden vor der Fahrt kostenlos umbuchen. Auch City2City hat den Betrieb im hart umkämpften Markt inzwischen eingestellt.

Platz 2: IC Bus
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Das Unternehmen der Deutschen Bahn bietet seit 2009 nationale und internationale Linien an. Insgesamt steuert der Anbieter nur sieben Linien mit 22 Haltestellen an. Die Fahrten, die hauptsächlich in München starten, wurden insgesamt mit der Note sehr gut bewertet. Der IC Bus kann vor allem mit dem Service und der Sauberkeit in den Bussen punkten. Nur drei von 40 Fahrten waren unpünktlich, in einem Fall handelte es sich um eine Verspätung von mehr als eine halbe Stunde. Bei der Buchung ist der Bus auf der Internetseite der Bahn teils schwer zu finden. Dennoch positiv: Bahn-Card-Ermäßigungen und Sparpreise gelten ebenso wie im klassischen Schienenfernverkehr. Negativ: Wer umbuchen will, muss stornieren und Stornierungen kosten beim Sparpreis 15 Euro. Insgesamt schneidet der Anbieter mit der Note gut (2,0) ab.

Dass Staatsbahnen auch Fernbusse fahren lassen, kann „MeinFernbus FlixBus“-Chef Schwämmlein nur schwer nachvollziehen. „Das leistet keinen Beitrag zu einem Markt, auf dem der Wettbewerb zwischen Privaten sehr intensiv ist – mit einem sehr guten Angebot, von dem der Kunde auch profitiert.“ Der Manager stelle in Frage, warum „man als Staatsunternehmen dort Millionen verlieren“ müsse. „Sie machen es ja nicht nur aus Trotz, sondern auch noch schlecht – das gilt auch für Deutschland. Ihm gehe es nicht um „Bus gegen Bahn“. Seiner Ansicht nach sollten staatlich wie private Anbieter daran arbeiten, dass es ein öffentliches Verkehrssystem gebe, das möglichst gut sei.

Doch auch die Fernbus-Anbieter haben spüren den Wettbewerb im dritten Jahr nach der Marktliberalisierung. Der der Markt wächst deutlich langsamer als zuvor. „In Deutschland geht es jetzt darum, kluge Märkte zu finden“, sagt Schwämmlein von „MeinFernbus FlixBus“. „Das heißt für uns, der Verkehr in Mittelstädten, teilweise auch in kleineren Städten mit 20.000 bis 30.000 Einwohnern.“ Wer hierzulande mit dem Angebot an Fernbussen als Unternehmen noch weiter wachsen will, muss sich inzwischen etwas einfallen lassen. Das weiß auch Christiane Leonard: „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren die Fahrgastzahl zwei Mal verdoppelt, bis auf 16 Millionen 2014. In diesem Jahr wird die Zahl um die 20 Millionen liegen“, erklärt die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer.

Die größten Preisschlachten scheinen die Wettbewerber untereinander ausgefochten zu haben. Das spiegeln auch die Ticketpreise wieder. Im laufenden Jahr gab es leichte Preissteigerungen. „Das ist auch für die Betreiber durchaus sinnvoll“, sagt Verbandschefin Leonard. Dass die Fahrkarten deutlich teurer werden, müssen Fahrgäste wohl nicht fürchten. „Der Kunde definiert den Preis“, sagt Schwämmlein. Der Wettbewerb bleibe intensiv. So ärgerten sich die Fernbusanbieter, dass die Deutsche Bahn in diesem Jahr Hunderttausende Fahrscheine für 19 Euro unter die Leute gebracht hatte. „Wenn das Produkt gut ist, sollte man es nicht verramschen“, sagt „MeinFernbus FlixBus“-Chef Schwämmlein. Solange Sprint günstig ist, müssen Busse günstig sein, um mehr Menschen aus den Autos zu locken.

Die Deutsche Bahn gibt sich kampfeslustig
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