Milliarden-Fusion
UPS und TNT wollen Pläne noch nicht aufgeben

Der US-Paketdienst will den niederländischen Rivalen TNT Express übernehmen. Um auch Brüssel von dem Vorhaben zu überzeugen, legten beide Konzerne nun eine Liste mit Zugeständnissen vor. Doch Analysten sehen schwarz.
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AmsterdamDer Logistikriese UPS will mit neuen Zugeständnissen die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU-Kommission gegen die milliardenschwere Übernahme des Konkurrenten TNT Express doch noch ausräumen. UPS und TNT Express seien bereit, Unternehmensteile zu verkaufen und ihre Luftfrachttransporte für andere Unternehmen zu öffnen, teilten die beiden Konzerne am Freitag mit.

Entsprechende Vorschläge seien an die EU-Kommission übergeben worden. Die Partner wollen mit ihrem Zusammenschluss der Deutschen Post vor allem in Europa verstärkt Wettbewerb machen und eigenen Ankündigungen zufolge einen Weltmarktführer schmieden. Nun fürchten sie jedoch, dass die EU-Wettbewerbshüter ihr Vorhaben kippen.

Die Brüsseler Kartellwächter haben bereits deutlich gemacht, dass sie dem Projekt nur zustimmen werden, wenn UPS zu einem erheblichen Entgegenkommen bereit ist. Offen ist aber, ob die nun angebotenen Zugeständnisse ausreichen. Investoren scheinen zumindest nicht mehr daran zu glauben, dass der US-Branchenprimus die Beamten der EU-Wettbewerbsbehörde noch von den Übernahmeplänen überzeugen kann. Der Börsenkurs von TNT Express liegt mittlerweile deutlich unter dem von UPS gebotenen Übernahmepreis von 9,50 Euro je Aktie - am Morgen notierten die Anteilsscheine bei 7,62 Euro.

Insgesamt haben die Übernahmepläne von UPS für TNT Express ein Volumen von 5,2 Milliarden Euro. Kepler-Capital-Analyst Andre Mulder sagte, es sei völlig unklar, wie die angebotenen Zugeständnisse in der Praxis umgesetzt werden sollen - dies gelte vor allem für die angekündigte Öffnung der Luftfrachtnetze für Wettbewerber. Es sei sehr zweifelhaft, dass UPS die EU-Kommission so überzeugen könne. Gelingt dies dem US-Riesen nicht, muss er seine Übernahmepläne begraben.

Nun müssen die EU-Wettbewerbshüter die angebotenen Zugeständnisse aber erst einmal genau unter die Lupe nehmen. Der Mitteilung von UPS und TNT zufolge betreffen diese vor allem den Paketmarkt in Europa. Sie ließen aber offen, welche Unternehmensteile verkauft werden könnten, um die Übernahme zu retten. In Branchenkreisen hieß es, es werde nicht erwartet, dass Deutsche Post Unternehmensteile übernehmen wolle. TNT Express hatte bereits unter Bedingungen seine Fluglinien an die irische ASL Aviation Group veräußert.

Bis Anfang 2013 wollen UPS und TNT ihre Fusion in trockene Tücher bringen - deutlich später als ursprünglich angekündigt. UPS hatte im vergangenen März, als das Unternehmen mit der TNT-Übernahme Ernst machte, noch einen Abschluss bis Ende September angekündigt.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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