Mit Sicherheit und Virtual Reality Wie Reisebüros dem Internet trotzen

Mit wenigen Klicks geht es ganz weit weg: Viele Kunden buchen mittlerweile ihre Urlaubsreisen bequem im Internet. Das hat den Reisebüros in Deutschland lange zugesetzt – doch nun legt ihre Zahl langsam wieder zu.
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Bei Thomas Cook lässt sich bereits das potenzielle Reiseziel erkunden. Quelle: dpa
Virtuelle Realität im Reisebüro

Bei Thomas Cook lässt sich bereits das potenzielle Reiseziel erkunden.

(Foto: dpa)

Berlin Bequem von daheim aus einen Flug oder ein Hotel aussuchen? Für viele Menschen ist das ziemlich praktisch. Den Reisebüros in Deutschland dagegen setzt die Konkurrenz aus dem Netz seit Jahren zu. Für die klassischen Büros mit Katalogen und Papp-Aufstellern bedeuten Online-Portale einen großen Wettbewerb – etliche Reisebüros gaben auf. Doch langsam zeichnet sich Erholung ab.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands ist die Zahl der Reisebüros im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen und liegt derzeit bei knapp 10.000. Das sind immerhin rund 100 Büros mehr als noch 2014, als der Verband lediglich 9829 Büros verzeichnete. In den vorherigen zehn Jahren war die Anzahl stetig gesunken. Auf die Einwohnerzahl bezogen habe Deutschland noch immer eines der dichtesten Reisebüronetze weltweit, wie eine Sprecherin des Verbandes erläuterte.

Beim Reiseveranstalter Tui Deutschland liegt der Anteil der reinen Online-Buchungen bei lediglich etwa 20 Prozent. Oft macht die Komplexität einer Reise den Unterschied: Während ein einzelner Flug eher online gebucht würde, entschieden sich Buchende bei längeren Reisen mit verschiedenen Transfers eher für den Gang ins Reisebüro, sagt Sprecherin Kathrin Spichala.

„Wer mehr Sicherheit will, geht eher ins Reisebüro“, weiß Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Durch einen festen Ansprechpartner und eine größere Transparenz über den Vertragspartner könnten im persönlichen Reisevertrieb Risiken und Unsicherheiten besser vermieden werden, was vielen Buchenden wichtig sei.

Finanziell mache es aufgrund einer gesetzlichen Regelung keinen Unterschied, ob man ins Reisebüro gehe oder online buche, erklärt die Verbraucherschützerin. Reisebüros dürften vom Kunden für eine Reise keine höheren Kosten verlangen als dieser im Internet zahlen müsste. Nicht verboten sei es jedoch, Reisen von Anbietern zu empfehlen, bei denen das Reisebüro selbst bessere Provisionen verdienen könne.

Doch allein durch die Stärke im Kundenkontakt wird die Konkurrenz im Internet nicht kleiner – der Reisemarkt online wächst und wächst. Zahlen des Verbandes Internet Reisevertrieb und der Marktforschungsgesellschaft GfK zeigen: In den Sommermonaten 2017 sind die Umsätze von Online-Reiseportalen gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent gestiegen. Die Buchungen in klassischen Reisebüros legten hingegen nur um drei Prozent zu.

„In den kommenden Buchungswochen werden die Online-Reiseportale ihren Vorsprung gegenüber dem stationären Reisevertrieb aller Voraussicht nach weiter ausbauen“, prognostiziert Dörte Nordbeck von der GfK. „Der Grund dafür liegt in der Stärke der Onliner im Last Minute- und Kurzfristgeschäft.

Das sind Deutschlands größte Hotel-Konzerne
Der Hotelmarkt boomt
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Die 50 umsatzstärksten Hotelgesellschaften in Deutschland hat die „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ ausgewertet. Die Studie zeigt: Der Boom auf dem deutschen Hotelmarkt hält an: Zum siebten Mal in Folge konnten die Unternehmen 2016 ihren Gesamtumsatz steigern. Der Nettogesamtumsatz aller betrachteten Ketten erreichte zusammen 8,64 Milliarden Euro, im Vergleich zu 8,14 Milliarden in Vorjahr. Das bedeutet ein Umsatzplus von 6,1 Prozent. Gleichzeitig sank die Auslastung um 0,6 Prozent.

Quelle: AGHZ, Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung

Methode
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Die erhobenen Daten beruhen zum größten Teil auf Eigenangaben der Hoteliers. Haben diese in Einzelfällen keine Angaben gemacht, verwertete die „AGHZ“ die Werte aus dem Vorjahr. Auf Grundlage der errechneten Durchschnittswerte und aktueller Marktdaten wurde der Umsatz dann geschätzt. Diese Methode führte zu den Ergebnissen der Plätze zwei, drei und neun.

Platz 10: NH Hoteles Deutschland
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Mit 295 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2016 belegt das Unternehmen, das ursprünglich aus der spanischen Dachmarke Navarra Hoteles hervorgegangen ist, Platz 10. In Deutschland ist der Konzern mit Marken wie „NH Hotels“. „NH Collection“ oder „nhow“ vertreten und konnte den im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent steigern.

Platz 9: Hilton Worldwide
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Um 6,2 Prozent steigert der US-Konzern seinen Umsatz auf etwa 311 Millionen Euro und rutscht damit erstmals unter die größten zehn Hotelgesellschaften in Deutschland.

Platz 8: Event Hotels
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Die Event Hotels Gruppe vereint namenhafte Marken wie „Sheraton“, „Novotel“, „Westin“ oder „Mercure“ unter ihrem Dach. Der Jahresumsatz von 312 Millionen Euro reicht in Deutschland für Platz acht – ein Wachstum von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Betriebe sank allerdings um ein Hotel auf 46.

Platz 7: Grand City Hotels
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Mehr als 120 Hotels führt die GCH Hotels Group in Deutschland – viele von ihnen unter bekannten Namen wie etwa die Marke „Wyndham Hotels“. Rund 385 Millionen Euro setzte sie im vergangenen Jahr um – und landet mit knapp 30 Millionen Euro Zuwachs auf dem siebten Platz der umsatzstärksten Hotelgesellschaften. Von Budget- über Tagungs- zu Wellnesshotel hat die Gruppe alles im Portfolio – und bietet über 16.000 Zimmer in Deutschland.

Platz 6: Maritim Hotelgesellschaft
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380 Millionen Euro Jahresumsatz erreicht die Maritim Hotelgesellschaft mit nur 36 Betrieben, aber über 10.000 Zimmern. 63 Euro kostet ein Zimmer im Durchschnitt: Damit sind die Maritim Hotels die günstigsten in diesem Ranking.

Spezialisierungen – wie beispielsweise auf Kreuzfahrten – können für Reisebüros von Vorteil sein. „Wird nur eine bestimmte Art von Reisen angeboten, können die Mitarbeiter im Büro besser eigene Erfahrungen in die Beratung einfließen lassen, weil sie ähnliche Reisen selbst gemacht haben“, so Verbraucherschützerin Buchweitz.

Auch der Einsatz neuer Technologien kann laut Buchweitz zusätzliche Anreize bieten, ein Reisebüro zu besuchen. Tui testet derzeit Roboter, die den Kunden an der Eingangstür eine Erstberatung anbieten. Auch in den Büros von Thomas Cook lässt sich per Virtual Reality-Brille bereits das potenzielle Reiseziel erkunden.

  • dpa
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