Online-Portal Wimdu Wohnungs-Vermittler verklagt Berlin

Schon lange gibt es Ärger in Berlin um private Ferienwohnungen von Airbnb und Co. Die Stadt will das Geschäft per Gesetz eindämmen. Nun leiten die Apartement-Allianz und das Portal Wimdu eine Verfassungsklage ein.
Der Wohnungsvermittler will das Land Berlin verklagen. Quelle: Wimdu
Wimdu-Chef Arne Kahlke

Der Wohnungsvermittler will das Land Berlin verklagen.

(Foto: Wimdu)

Welch eine grandiose Vorstellung: Urlaub in privater Wohnung, mitten in Berlin. Mit diesem Traum locken die Online-Portale allen voran Airbnb aus Kalifornien und die Rocket-Internet-Tochter Wimdu und weitere Anbieter Touristen in die Bundeshauptstadt, wie in viele andere Städte auch auf der Welt. Wohnen bei Freunden steht auf dem Ferienprogramm. Im Frühjahr 2014 dann verabschiedete Berlin das Zweckentfremdungsverbotsgesetz mit einer zweijährigen Übergangsfrist, die sich bald ihrem Ende nähert.

Wer nach Ablauf der Frist im Frühjahr 2016 seine Ferienwohnung nicht wieder in eine normale Wohnung umwandelt oder eine Genehmigung einholt, wenn er an Touristen vermietet, muss mit Strafen von bis zu 50.000 Euro rechnen. Nun haben sich die Apartement Allianz, in der 60 Berliner Vermieter mit 700 Appartements vereinigt sind, und das Online-Portal Wimdu, das mit weitem Abstand hinter Airbnb die Nummer zwei auf dem Online-Markt um private Ferienwohnungen ist, prominente Unterstützung geholt, um gegen das Zweckentfremdungsverbotsgesetz eine Verfassungsklage einzuleiten.

Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, hat der ehemalige Präsident des Berliner Verfassungsgerichtshofs Helge Sodan die Klage verfasst und sieht das Gesetz mit dem langen Namen als „eindeutig verfassungswidrig“ an. Er sieht essentielle Grundrechte verletzt: Einerseits durch den massiven Eingriff in die Eigentumsfreiheit der Vermieter und, speziell zu Lasten gewerblicher Vermieter, auch in die Berufswahlfreiheit.

Wohnst Du noch, oder vermietest Du schon?

Doch wie konnte es so weit kommen? Was ist schlecht daran, wenn jemand seine Wohnung vermietet? Die Portale und ihre Nutzer haben Feinde: Anwohner beschweren sich über laute Partys von Kurzzeitmietern mitten in der Woche und in Wohngebieten. Außerdem fürchtet die Stadt einen weiteren Anstieg der Mietpreise. Denn wer seine Wohnung einige Tage via Onlineportal an Feriengäste vermietet, kann sich die eigene Miete schnell wieder hereinholen und noch etwas dazu verdienen. Zudem nutzen immer mehr kommerzielle Anbieter die Online-Portale zur Vermietung. Wohnen bei Freunden ist dann eigentlich Wohnen bei Vermietern.

Diese Probleme gibt es überall in den Metropolen dieser Welt. Viele Städte haben inzwischen ähnliche Gesetze, auch München und Hamburg oder London, Amsterdam und Kopenhagen. Meist mit der einfachen Regel: Wer ab und zu vermietet, hat kein Problem; wer es öfters tut, muss ein Gewerbe anmelden. Wimdu-Vorstandschef Arne Kahlke erklärt, dass zum Beispiel in London eine Vermietung bis zu 90 Tage im Jahr ohne Auflagen möglich sei, „wird mehr vermietet, ist es ganz normal, ein Gewerbe anzumelden“.

Die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 10: Dropbox
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Der in San Francisco ansässige Anbieter von Web-Speicher zählt bereits mehr als 400 Millionen private Nutzer und wird zurzeit von 500 Unternehmen verwendet. Nach eigenen Angaben des Cloud-Unternehmens werden alle 24 Stunden 1,2 Milliarden Dateien in der Dropbox gespeichert. Seit der Gründung 2007 hat das Startup 0,6 Milliarden Dollar von Investoren wie Black Rock oder Goldman Sachs erhalten. Heute ist ihr Investment geschätzte zehn Milliarden Dollar wert. Damit liegt Dropbox auf Platz zehn im aktuellen Ranking des Wall Street Journal.

Platz 9: Pinterest
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Das soziale Bildernetzwerk bietet Nutzern die Möglichkeit, Fotos auf virtuellen Pinnwänden zu teilen, liken oder kommentieren. Das 2010 in San Francisco gegründete Startup verfügt heute über weitere Unternehmenssitze in New York, Chicago, Los Angeles, Atlanta, London, Paris, Berlin, Tokyo und Sao Paulo mit insgesamt über 500 Mitarbeitern. Der Unternehmenswert beläuft sich auf satte elf Milliarden Dollar, 1,3 Milliarden haben fremde Kapitalgeber bis heute in das Netzwerk investiert. Platz neun für das von drei Studenten gegründete Start-up.

Platz 8: SpaceX
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Das Raumfahrt-Startup von Tesla-Gründer Elon Musk hat bereits fünf Trägerraketen ins All befördert. Gegründet wurde Space Exploration Technologies, wie das Unternehmen vollständig heißt, bereits 2002, und hat sich seitdem mehrfach Geld bei Investoren geholt, insgesamt 1,1 Milliarden Dollar. Die Bewertung ist mit 12 Milliarden Dollar üppig.

Platz 7: Didi Kuaidi
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Auch die chinesische Taxi-App Didi Kuaidi ist für Kapitalgeber interessant: so flossen bereits 3 Milliarden Dollar in das Startup von Cheng Wei. Fahrdienstanbieter wie Uber oder Didi Kuaidi erfreuen sich in China immer größerer Beliebtheit. Davon profitiert der nun 15 Milliarden Euro schwere Dienstleister und landet auf Platz sieben im Ranking der Venture-Kapital-Firmen.

Platz 6: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz flipkart wurde 2007 von den Absolventen des Indian Institute of Technology Delhi, Sachin und Binny Bansal, gegründet. Seitdem haben verschiedene indische Investoren 3 Milliarden Dollar in das E-Commerce-Startup investiert, das mittlerweile fünf Mal so viel wert ist (15 Milliarden Dollar).

Platz 5: Snapchat
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Das erst 2011 in Los Angeles gegründete Startup Snapchat mit einem Wert von 16 Milliarden Dollar zählt heute zu den wertvollsten, nicht börsennotierten Unternehmen der Welt. Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar haben US-amerikanische Kapitalgeber bereits in den Instant-Messaging-Dienst investiert. Die App, die sowohl für Smartphones als auch Tablets verfügbar ist, macht den Versand von Fotos an Freunde möglich. Das Revolutionäre: die Dateien sind nur wenige Sekunden sichtbar und zerstören sich dann selbst. Die Wiederherstellung ist allerdings innerhalb der Ordnerstruktur des eigenen Geräts möglich. Dieser kleine Umweg scheint den besonderen Reiz für Nutzer auszumachen.

Platz 4: Palantir
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Auch das vor einigen Jahren noch wenig bekannte Startup-Unternehmen Palantir Technologies aus Palo Alto im Silicon Valley schafft es in die Top Fünf des Rankings. 1,5 Milliarden Dollar investierten Kapitalgeber in den 20 Milliarden schweren Entwickler von Software, der in der Lage ist, Informationen aus verschiedensten Quellen miteinander zu verknüpfen und auszuwerten. Das weiß man nicht nur bei Hedgefonds gewinnbringend zu nutzen, um Markttrends herauszufiltern. Auch die US-Regierung nutzt eine Variante des Systems zum Jagen nach Terroristen, wobei Banküberweisungen, Einkäufe, Berichte von Fahndern und öffentliche Quellen wie das Internet, Facebook und Twitter zusammengeführt werden.

In Berlin sieht die Lage aber anders aus. Es gehe vor allem um die Rückführung von Ferienwohnungen in normale Wohnungen, die in Berlin immer knapper werden, heißt es. Vor allem die betriebsmäßige Vermietung via Online-Portal ist den Berlinern also ein Dorn im Auge. Und damit ist Wimdu möglicherweise auch mehr von dem Gesetz betroffen als der große Konkurrent aus Kalifornien. Denn Airbnb setzt mehr auf den Kontakt zum Gastgeber, Wimdu mehr auf Professionalität des Angebots. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Arne Kahlke im Frühjahr über den deutschen Städtereisenden: „Er will einen Standard, wie er ihn aus den Hotels kennt, nur eben in einer Wohnung. Ein City-Apartment, keine Wohngemeinschaft.“

Kahlke will sich gesetzlichen Regelungen aber nicht grundsätzlich verschließen: „Auch diese junge Branche braucht einen vernünftigen rechtlichen Rahmen“, sagt er. Doch klar sei, dass auch das Berliner Zweckentfremdungsverbotsgesetz den Trend zur Vermittlung privater Ferienwohnungen nicht aufhalten wird, sagt Wimdu-Chefjurist Peter Vida: „Das Wachstum der Sharing-Economy-Branche bei Privatunterkünften hat die Gesetzgebung überholt.“

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