Paukenschlag von Per Utnegaard
Bilfinger-Chef geht überraschend

Beim kriselnden Konzern Bilfinger kommt es völlig überraschend zum Führungswechsel. Vorstandschef Per Utnegaard legt nach weniger als einem Jahr sein Amt nieder. Ein Nachfolger soll bald präsentiert werden.
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MannheimPaukenschlag in Mannheim: Vorstandschef Per Utnegaard und der Aufsichtsrat der Bilfinger SE haben sich einvernehmlich darauf verständigt, dass Utnegaard sein Amt als Vorsitzender des Vorstands zum 30. April niederlegt. Nach einer Pressemitteilung erfolgt dieser Schritt aus persönlichen Gründen. Der Norweger hatte erst im vergangenen Juni die Nachfolge von Roland Koch angetreten.

„Per Utnegaard hat den Konzern in einer herausfordernden Phase geleitet. Gemeinsam mit dem Vorstandsteam wurde Bilfinger mit einer Strategie der Fokussierung auf das Kerngeschäft neue ausgerichtet. Dieser strategische Weg wird konsequent fortgesetzt und Bilfinger zurück auf einen profitablen Wachstumskurs gebracht“, erklärt Aufsichtsratschef Eckhard Cordes.

Der Aufsichtsrat des kriselnden Bau- und Dienstleistungskonzerns führe bereits Gespräche mit möglichen Nachfolgern und will die Neubesetzung des Chefpostens bei Bilfinger in Kürze bekanntgeben. Bis dahin übernimmt Finanzchef Axel Salzmann die Chefaufgaben.

Die im MDax gelisteten Bilfinger-Aktien notierten in einem sehr freundlichen Gesamtmarkt leicht im Plus bei 38,38 Euro.

Utnegaard war vor elf Monaten vom Schweizer Flughafen-Logistiker Swissport gekommen. Geholt hatte ihn Aufsichtsratschef Cordes im Auftrag des größten Anteilseigners Cevian. Der wollte nach dem Abgang des früheren Bilfinger-Chefs Roland Koch und fünf Gewinnwarnungen eine möglichst schnelle Wende sehen. Doch die Lage hatte sich auch im vergangenen Jahr noch nicht gebessert: Der MDax-Konzern schloss das Geschäftsjahr mit einem Verlust von fast einer halben Milliarde Euro ab. Die Dividende wurde gestrichen, die Aktie brach ein.

Grund für den hohen Verlust: Eine hohe Firmenwertabschreibung, ein hoher operativer Verlusts in der Sparte Power und sowie Kosten für Restrukturierung und Compliance. Wegen des „historischen Einbruchs“ am deutschen Energiemarkt soll das Kraftwerksgeschäft verkauft werden, doch ein Käufer hat sich bislang nicht gefunden.

Gut zu verkaufen war dagegen die Division Water Technologies. Sie ging an die chinesische Chengdu Techcent Environment Gruppe. Dem Unternehmen fließt durch den Verkauf ein Nettoerlös in Höhe von 200 Millionen Euro als zusätzliche Liquidität zu. „Mit dem Verkauf der Wassersparte setzen wir unsere Strategie der Fokussierung weiter konsequent fort. Wir konzentrieren uns auf Kerngeschäfte, Kernbranchen und Kernregionen“, hatte Utnegaard noch vor wenigen Wochen erklärt. „Beim neuen Eigentümer gehört die Wassertechnik zum Kerngeschäft, was den Mitarbeitern neue Entwicklungsperspektiven eröffnet.“ In der Division Water Technologies erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 1.600 Mitarbeiter einen Umsatz von 300 Millionen Euro.

Erst im Januar hatte Bilfinger überraschend mitgeteilt, nun auch den Verkauf von großen Teilen der Immobiliensparte Building and Facility zu prüfen. Offenbar hatten potenzielle Käufer Interesse an dem Unternehmensbereich signalisiert. Die Nachricht kam ziemlich überraschend, weil der Bilfinger-Vorstand bislang immer beteuert hatte, an einer Zerschlagung des Konzerns nicht interessiert zu sein.

Doch aus dem Unternehmensumfeld ist zu hören, dass das Kraftwerksgeschäft so gut wie nicht zu verkaufen ist. Der Unternehmensteil hat auch im vergangenen Jahr große Löcher in die Konzernbilanz gerissen, weil die Versorger seit der Energiewende kaum noch Aufträge zu Betrieb und Wartung konventioneller Kraftwerke vergeben. Bilfinger hat derzeit noch rund 56 000 Mitarbeiter.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte

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  • Muss ja ein ganz toller Konzern sein wo die CEOs immer freiwillig gehen oder weggemobbt werden. Erst den lieben Herrn Koch, und jetzt nach so kurzer Zeit auch schon seinen Nachfolger.

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