Postfach wird kostenpflichtig
Deutsche Post hält die Hand auf

Ende der Gratiskultur: Die Deutsche Post führt erstmals eine Jahresgebühr für das klassische Postfach ein. Dem Bonner Konzern dürfte das zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe bescheren.
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DüsseldorfWer das Wort „Postfach“ hört, denkt heute unweigerlich an E-Mail-Dienste. Dass es in Deutschland immer noch 818.000 verschließbare Fächer in Filialen der Deutschen Post gibt, hinter deren Türklappen Briefe lagern, brachte der Bonner Konzern am heutigen Mittwoch in Erinnerung – durch eine Preiserhöhung.

Bislang mussten Post-Kunden für die Fächer nur dann 15 Euro zahlen, wenn sie eine Postlagerstätte beantragten. Die Einmalzahlung blieb zudem in den vergangenen zwölf Jahren in der Höhe unverändert.

Ab dem 1. März aber wird es deutlich teurer. „Dann verlangen wir eine jährliche Gebühr von 19,90 Euro“, bestätigte ein Konzernsprecher einen Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Schon seit Mitte 2016 verlange man diesen Mietbetrag von Neukunden, sagte er.

Deutschlands größter Briefverteiler, der im Zustellgeschäft auf einen Marktanteil von über 90 Prozent kommt, begründet den Schritt mit gestiegenen Kosten für Strom, Reinigung und vor allem Miete. Denn keine der Filialen befindet sich noch im Eigentum des Gelben Riesen. 2008 verkaufte der Konzern seine Filialgebäude an den US-Investor Lone Star – und nahm bei dem Deal rund eine Milliarde Euro ein.

Durch die neu eingeführte Postfach-Miete steigen die Jahreserlöse der Deutschen Post rechnerisch um 16,4 Millionen Euro – falls niemand sein Postfach kündigt. Doch mit einer Kündigungswelle rechnet im Bonner Post-Tower niemand. „Wir gehen davon aus, dass die meisten ihr Postfach behalten“, sagte ein Sprecher.

Zum einen bestehe die Kundschaft überwiegend aus Gewerbetreibenden, für die der Betrag vergleichsweise gering sei. Zum anderen ermögliche ihnen das Postfach, Briefe schon ab neun Uhr morgens zu bekommen – statt erst am Nachmittag, wie in einigen Regionen.

Jeder zwanzigste der täglich 66 Millionen Briefe in Deutschland geht nach Auskunft der Deutschen Post an Geschäftskunden. Entsprechend groß dürfte auch der Anteil sein, den Postfächer an der Gesamtzustellung besitzen. Der Verband der Postbenutzer (DVPT) wurde von der Entscheidung überrascht. „Leider reiht sich dies in den Dauerzustand von Preiserhöhungen der Deutschen Post ein“, kritisierte Vorstand Klaus Gettwart. „So stieg im letzten Jahr unter anderem das Porto des Standardbriefs um 13 Prozent.“ Dabei verdiene die Post immer noch prächtig im Briefgeschäft.

Anders als bei den Postfächern bleibt die Nutzung der Packstationen weiterhin gratis. „Unsere Packstationen stehen aktuell in über 1.600 Städten und Gemeinden in Deutschland für Versand und Abholung von DHL-Sendungen zur Verfügung“, sagte eine Sprecherin. Damit könnten 90 Prozent der Bundesbürger innerhalb von zehn Minuten einen der Paket-Automaten erreichen. Das Netz wolle man zudem ausbauen – mit etwa 500 weiteren Standorten in Metropolen wie Hamburg, Köln, München, Frankfurt und Bochum.

Anders als im Briefgeschäft, das allein 2015 durch den zunehmenden E-Mail-Verkehr um 5,8 Prozent zum Vorjahr schrumpfte, gehen die Nutzerzahlen im Paketgeschäft steil nach oben. Waren 2011 lediglich zwei Millionen Post-Kunden für Packstationen registriert, sind es inzwischen mehr als acht Millionen. Auch die Zahl der Automaten stieg von 2.650 im Jahr 2014 auf heute mehr als 3.000.

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