Poststreik
Freiwillige Helfer sollen Sendungen verteilen

Wegen des Streiks bei der Deutschen Post warten viele auf Briefe und Pakete. Das Unternehmen wirbt nun um Freiwillige für Sonder-Verteilungen am Sonntag. Für den Einsatz sollen Einkaufsgutscheine winken.
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Berlin/BonnUm den Ausfall der streikenden Postmitarbeiter zu kompensieren, wirbt die Deutsche Post einem Zeitungsbericht zufolge mit Einkaufsgutscheinen um freiwillige Zusteller. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) in ihrer Samstagsausgabe berichtet, sollen die Helfer am Sonntag unter dem Motto „Sonntag wird Deutschland Gelb“ die Zustellung übernehmen.

Der Niederlassungsleiter der Post für Hannover, Hildesheim, Hameln und Peine, Manfred Eisenträger, ruft demnach über den Smartphone-Botschaftendienst Whatsapp dazu auf, jede Niederlassung solle „ungeachtet irgendwelcher juristischer Vorbehalte" mindestens 200 Freiwillige für die Paketzustellung anwerben, darunter auch Familienangehörige.

Wie viele Menschen in wie vielen Niederlassungen sich an der bundesweiten Aktion beteiligen werden, konnte eine Post-Sprecherin am Freitagabend nicht sagen. Die Aktion solle helfen, die Rückstände der vergangenen Tage abzubauen, sagte die Post-Sprecherin. „Es geht darum, dass wir versuchen, trotz des Streiks den Service für die Kunden so gut wie möglich zu gestalten.“

Aufruf sei „nur für Führungskräfte“ bestimmt gewesen

Die Helfer bekämen neben Sonderzuschlägen auch einen Einkaufsgutschein im Wert von 100 Euro „zum Beispiel von Amazon oder Zalando“, zitierte die HAZ weiter aus der Botschaft. Postsprecher Jens-Uwe Hogardt bestätigte der Zeitung die Existenz eines solchen Aufrufs. Allerdings sei dieser „nur für Führungskräfte“ bestimmt gewesen. „Das hat wohl jemand missverstanden und meinte, er müsste das weiterleiten", sagte Hogardt. Er fügte hinzu, eine Motivation von Mitarbeitern finde er „nicht verwerflich.“

Juristische Hürden sieht der Göttinger Juraprofessor Werner Heun nicht. Freiwilligen sei es durchaus erlaubt, Pakete auszutragen, sagte er der HAZ. Es müsse nur eine „Unterweisung geben, dass sie die Post nicht öffnen dürfen“.

Nach Verdi hatte am Donnerstag auch die Fachgewerkschaft DPV ab Freitag zu einem unbefristeten Streik bei der Post aufgerufen. Dieser sollte schrittweise ausgeweitet werden. Vor anderthalb Wochen hatte bereits Verdi einen unbefristeten Streik begonnen und seither immer mehr Mitarbeiter in den Ausstand gerufen. Insgesamt befinden sich nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft mittlerweile rund 23.000 Beschäftigte im Ausstand.

Postkunden mit zeitkritischen Gütern stellt der Streik vor Probleme: Das Kölner Unternehmen Studimed will per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Sendungen erzwingen. Durch fehlende Post sehe sich die Firma, die auf die Vermittlung von Medizin-Studienplätzen an ausländischen Universitäten spezialisiert ist, in ihrer Existenz bedroht, teilte Studimed mit.

In einem konkreten Fall gehe es etwa um die zum Monatsende ablaufende Frist für eine Bewerbung um einen Studienplatz in Litauen, sagte Studimed-Geschäftsführer Hendrik Loll am Freitag. Da beglaubigte Originalunterlagen eingereicht werden müssten, sei man dringend auf die Post angewiesen. Ein Postsprecher wollte den Fall auf Anfrage zunächst nicht kommentieren.

Eine Sprecherin des Kölner Amtsgerichts bestätigte am Freitag den Eingang des Antrags. An die Post sei nun auf postalischem Weg eine Aufforderung zur Stellungnahme geschickt worden. Nach der Zustellung des Schreibens habe die Post dann drei Tage dafür Zeit, so dass nicht vor Mitte kommender Woche mit einer Entscheidung zu rechnen sei.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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