PWC
Die neue Nummer eins

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PWC profitiert von der Positionierung als Komplettanbieter

Drei Jahre nach der Übernahme sei der Umsatzverlust deutlich mehr als ausgeglichen, sagte Winkeljohann. Das jüngste Wachstum von 18 Prozent sei komplett organisch erreicht, unterstrich er. PWC profitiert seiner Einschätzung nach von der Positionierung als Komplettanbieter: Vom Strategie-Entwurf bis zu dessen Umsetzung in die detaillierten Geschäftsprozesse der Kunden will die Firma jede Stufe bei Beratungsprojekten beherrschen. Zuletzt hat PWC ein großes Team vom IT-Consultant Infosys abgeworben, um eine Lücke in der IT-Umsetzung zu schließen.

Beim Konkurrenten Deloitte hatte der Fokus auf Beratung schon 2016 dazu geführt, dass die klassische Abschlussprüfung nur noch Nummer zwei in der Hierarchie der Konzernsparten ist. Auch bei PWC ist nun das Consultinggeschäft die neue Nummer eins. Die Wirtschaftsprüfung erreichte 2016/17 eine Gesamtleistung von 744 Millionen Euro. Der vergleichsweise kleine Zuwachs von 1,7 Prozent schreckt Winkeljohann jedoch nicht. Er führt dies auf das „sehr wettbewerbsintensive Umfeld“ zurück.

Winkeljohann meint damit die beginnende Rotation der Prüfungsmandate deutscher Unternehmen. Sie müssen laut EU-Vorgaben in den nächsten Jahren ihre Wirtschaftsprüfer wechseln. Für die Branche ist das einschneidend: PWC etwa war Jahrzehnte für Firmen wie Bayer und die Commerzbank zuständig, die sich bereits neue Prüfer gesucht haben. Bei anderen langjährigen Kunden wie Volkswagen und den großen Energiekonzernen steht der Wechsel noch bevor.

Im Gegenzug gewinnt PWC neue Mandate: So lassen sich künftig etwa Allianz und Lanxess von dem Unternehmen prüfen. Bei BMW und Henkel sieht sich PWC gut im Rennen – beide Firmen wollen noch dieses Jahr über ihren künftigen Abschlussprüfer entscheiden. Der Höhepunkt des Wechselspiels werde 2020 erreicht, erwartet Winkeljohann, die Ausschreibungen würden aber jetzt starten.

Treiber im PWC-Geschäft bleibt der Einzug des Digitalzeitalters in die Wirtschaft. Die Prüfungsgesellschaft fokussiert sich dabei zum einen stark auf den Schutz ihrer Kunden vor Cyberattacken. Zum anderen entwickelt PWC spezielle Software, etwa eine Digitalplattform für eine deutsche Bank oder ein Steuerungssystem für einen großen Pflege-Dienstleister. Das Unternehmen baut bei solchen Produkten auf dem Wissen auf, das es bei anderen Kunden durch die Prüfung der Prozesse erworben hat.

Die technologischen Umbrüche treffen aber auch die Arbeit der Prüfer selbst. „Wir müssen bei der Digitalisierung vorangehen, damit wir bei den Kunden punkten können“, sagt Harald Kayser, der in der PWC-Geschäftsführung den digitalen Wandel verantwortet. Deutschlandchef Winkeljohann prognostiziert eine riesige Umverteilung von Mensch zur Maschine: „Die Hälfte der traditionellen Tätigkeiten einer Wirtschaftsprüfung wird in fünf Jahren nicht mehr von Menschen ausgeführt werden“, sagt er.

Dazu zählen vor allem die einfachen Tätigkeiten wie Belegprüfung und Prozessanalyse bei den Kunden. Das könne mit künstlicher Intelligenz bald schneller und besser erledigt werden. Auch in der Steuer- und Rechtsberatung von PWC, die im vergangenen Jahr ihre Gesamtleistung um 2,2 Prozent auf 525 Millionen Euro steigerte, werden zunehmend Robotersysteme die einfachen Tätigkeiten übernehmen.

Winkeljohann will das aber nicht als düstere Prognose für einen Jobabbau verstehen. Für die Steuerung solcher Systeme würde eine große Menge hochqualifizierter Mitarbeiter gebraucht. Allerdings: Um den jungen Nachwuchs schnell auf dieses hohe Niveau zu bringen, müssen die Wirtschaftsprüfer kräftig investieren. 140 Millionen Euro steckt PWC mittlerweile jährlich in die Aus- und Weiterbildung seiner 10.627 Mitarbeiter – also rund 13.200 Euro pro Kopf.

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  • Na dann sollten sie aber weiter kräftig in die Marke Strategy& investieren und deren Position weiter ausbauen, unter dem Namen PwC selbst kann man im Bereich Strategieberatung/richtiger Managementberatung nichts reißen.

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