Reedereigruppe
Rickmers trennt sich von Linien-Schiffen

Der Traditionsreeder Rickmers ist hochverschuldet. Nun verkauft das Hamburger Unternehmen sein Liniengeschäft an den Bremer Bauunternehmer Zeaborn – und zahlt dafür sogar noch eine Mitgift.
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HamburgDie Hamburger Reedereigruppe Rickmers verkauft einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts. Das Linien-Geschäft Rickmers Line geht an die Bremer Zeaborn Gruppe. Das teilte Rickmers in einer Ad-hoc-Meldung am Donnerstagabend mit. Die Flotte bestand zuletzt aus elf Schiffen und 153 Mitarbeitern. Das Familienunternehmen trennt sich damit von einer verlustreichen Sparte – und zahlt dafür sogar noch einen einstelligen Millionen-Betrag Mitgift.

Rickmers ist hochverschuldet – unter anderem mit einer Mittelstandsanleihe über 200 Millionen Euro, die nur noch mit rund einem Drittel ihres Ausgabewerts notiert. 2015 kam die Gruppe bei 587 Millionen Euro Umsatz wegen hoher Wertberichtigungen auf 135,5 Millionen Euro Verlust. Im Jahr 2016 verschlechterte sich das Geschäft weiter – unter anderem wegen des Verfalls der Frachtraten und Überkapazitäten im Markt. Die Sparte Liniengeschäft verlor im ersten Halbjahr 2016 gut 24 Millionen Euro Umsatz und kam nur noch auf knapp 65 Millionen Euro.

Vorstandschef Ignace van Meenen will die Gruppe nun auf das Chartergeschäft und Service rund um Schiffe konzentrieren. Die Analyse des Belgiers ist: Rickmers war im Liniengeschäft zu klein, um sich gegen den Preisverfall zu stemmen – und konnte gegen die Verluste auch nicht weiter ansparen. Er will sich nun auf das übrige Geschäft konzentrieren. Die Probleme ist er jedoch nicht los: Auch im übrigen Geschäft fielen zuletzt Verluste an. Ein eigentlich für 2014/15 geplanter Börsengang ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Hinter der Gruppe steht der Unternehmer Bertram Rickmers aus der traditionsreichen Reeder-Dynastie. Er hatte die Linie vor Jahren von Hapag-Lloyd zurückgekauft, um sie zurück in die Familie zu holen. Jetzt übernimmt sie Zeaborn, hinter dem der Bauunternehmer Kurt Zech steht. Rickmers bleibt privat beteiligt. Die Linie darf zudem seinen Namen weiter nutzen.

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