Reisekonzern
Boykott-Aufrufe gegen Thomas Cook

Thomas Cook steht in der Kritik: Weil der Reisekonzern nach einem Unglück vermeintlich nicht angemessen reagierte, ruft das Netz zum Boykott auf. Die Affäre droht die wirtschaftliche Erholung der Briten zu überschatten.
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London/FrankfurtNach Boykott-Aufrufen im Internet bemüht sich der Reisekonzern Thomas Cook um Schadensbegrenzung. Firmenchef Peter Fankhauser räumte am Mittwoch Fehler in einer Affäre ein, die zuletzt eine Welle der Empörung in der britischen Öffentlichkeit auslöste. Der Fall reicht zurück ins Jahr 2006. Damals starben zwei Kinder in einem Thomas-Cook-Urlaub. Erst kürzlich wurde bekannt, wie das Unternehmen mit der Angelegenheit umging – und dies sorgte für massive Kritik. Medienberichten zufolge verzichtete der Konzern auf eine Entschuldigung gegenüber den Eltern der Kinder und steckte zudem vom Hotel-Betreiber eine größere Entschädigung ein, als die Eltern erhielten.

„Es ist offensichtlich, dass es in der Vergangenheit eine Menge von Fehlern gab, was die Regelung der Beziehung zu dieser Familie angeht“, sagte Fankhauser und sprach zugleich sein Bedauern über den Tod der Kinder aus. Seinen Worten zufolge schlagen die Boykott-Aufrufe in Internet-Netzwerken derzeit nicht auf die eigenen Geschäfte durch. „Bis jetzt sehen wir keinen Effekt bei unseren Buchungen.“ Die Vorwürfe hatten jüngst allerdings den Aktienkurs von Thomas Cook deutlich belastet.

Die Affäre droht zudem die wirtschaftliche Erholung des britischen Konzerns zu überschatten. Das Management stellte eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen in Aussicht, nachdem eine schwache Nachfrage und eine hohe Schuldenlast Thomas Cook 2011 fast in die Knie gezwungen hatten. Für das kommende Geschäftsjahr (per Ende September) könne es eine Ausschüttung geben, gab das älteste Reiseunternehmen der Welt bekannt.

Im laufenden Geschäftsjahr soll das Ergebnis währungsbereinigt zulegen. Die Buchungen für das wichtige Sommergeschäft seien ermutigend. Im ersten Halbjahr schrumpfte der operative Verlust auf 173 (Vorjahr: minus 187) Millionen Pfund, umgerechnet 242 Millionen Euro.

Nach Marktführer Tui baut auch Thomas Cook die Geschäfte weiter um. Nach dem Vorbild der Airlines des Konzerns werde nun auch das Kerngeschäft mit Reisen zentralisiert, hieß es. Die Landesgesellschaften suchen sich damit künftig aus dem Angebot der Zentrale Reisen aus und vermarkten diese dann unter eigenem Namen. Wegen des neuen Zuschnitts verlässt Deutschland-Chef Michael Tenzer das Unternehmen. Künftig wird das umsatzstarke Geschäft mit Marken wie Neckermann, Öger Tours und der Fluglinie Condor von der Managerin Stefanie Berk geleitet, die für den Konzern zuletzt in Großbritannien tätig war.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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