Reiseveranstalter
Thomas Cook rappelt sich auf

Die Rosskur mit Stellenkürzungen und massive Kosteneinsparungen zeigt Wirkung: Thomas Cook verzeichnet im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit langem wieder Wachstum. Doch der Sparkurs soll weiter gehen.
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LondonMit großen Schritten lässt der britische Reiseveranstalter Thomas Cook seine Krise hinter sich. Der rigide Sparkurs der neuen Konzernchefin Harriet Green verhalf dem Rivalen des europäischen Marktführers TUI zu einem überraschend starken Sprung des Betriebsgewinns von knapp 50 Prozent auf 263 Millionen Pfund (umgerechnet 316 Millionen Euro) im abgelaufenen Geschäftsjahr. Green gelang es zudem, den Umsatzschwund zu stoppen. Die Erlöse stiegen geringfügig an auf 11,2 Milliarden Euro, wie das Management am Donnerstag mitteilte. Stark gefragt waren demnach insbesondere Pauschalreisen nach Spanien, die Türkei und auf die kanarischen Inseln. Green drückt weiter aufs Tempo und setzt sich ehrgeizigere Spar- und Wachstumsziele.

„Thomas Cook ist zurück“, sagte die seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschefin. „Die ersten 365 Tage beim Umbau waren ein großer Erfolg – und das war erst der Anfang.“ Ein neues Sparprogramm soll das Unternehmen bis 2018 in neue Höhen bringen.

Die Erfolgsbilanz beeindruckt die Börse, wo die Thomas-Cook-Aktie um mehr als 13 Prozent in die Höhe schnellte. 2011 war der 172 Jahre alte Traditionskonzern noch von der Pleite bedroht. Die Euro-Schuldenkrise und Unruhen in den Ferienzielen Griechenland, Ägypten und Tunesien drückten massiv aufs Geschäft. Ein gewaltiger Schuldenberg lastete auf dem Unternehmen. Doch indem Green rigoros Stellenstreichungen, Filialschließungen und Geschäftsverkäufe ansetzte, stutzte sie die Verbindlichkeiten kräftig zurück. Sie waren zuletzt mit 506 Millionen Euro nur noch etwa halb so hoch wie vor einem Jahr.

Mittlerweile befindet sich Thomas Cook nach Greens Worten wieder auf einem gewinnträchtigen Wachstumskurs, der in den kommenden Jahren forciert werden soll. Die operative Umsatzrendite verbesserte sich in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um 0,9 Punkte auf 2,8 Prozent. Zum Vergleich: Beim deutschen Konkurrenten TUI lag die Kennziffer nach Reuters-Berechnungen 2012 bei lediglich 2,1 Prozent.

„Mit der ersten Runde der Einsparungen sollten die tief hängenden Früchte geerntet werden“, sagte Konzernchefin Green, die ihr Amt vor 16 Monaten antrat – als Neuling in der Touristikbranche. Nun sollen die Kosten bis 2015 um knapp 530 Millionen Euro gesenkt werden. Das sind zehn Prozent mehr als bislang angepeilt. Im selben Zeitraum sollen die Umsätze mit neuen Produkten wie Städtekurzreisen auf rund 840 Millionen Euro anziehen. Die neue Vorgabe liegt 40 Prozent über dem alten Ziel. Sie sei „Musik in den Ohren der Investoren“, sagte Analyst Mike van Dulken von Accendo Research.

Thomas Cook profitiert auch von höheren Preisen. Green will künftig noch stärker auf das Internet als Plattform für Reisebuchungen setzen. Bisher werden 36 Prozent der Thomas-Cook-Reise online gebucht, 2015 sollen es bereits 50 Prozent sein. Dann soll unter dem Strich ein Gewinn von 440 Millionen stehen - die bisherigen Pläne wurden damit um zehn Prozent nach oben korrigiert.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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