Riesenminus beim Bau-Dienstleister
Kraftwerke verbrennen Bilfingers Geld

Sanierer Per Utnegaard steht vor einer Herkulesaufgabe. Der Bilfinger-Chef hat die Kraftwerkssparte zum Verkauf gestellt. Doch noch reißt das Geschäft den Konzern nach unten. Nur in einem Bereich läuft es stabil.
  • 1

DüsseldorfDer angeschlagene Dienstleistungskonzern Bilfinger kommt auch im zweiten Quartal dieses Jahres nicht aus den roten Zahlen. So erzielte Bilfinger im ersten Halbjahr zwar einen Umsatz von 3,117 Milliarden Euro, unterm Strich steht aber ein Konzernergebnis von minus 439 Millionen.

Schuld daran sind vor allem nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf Firmenwerte in Höhe von 330 Millionen Euro sowie operative Verluste und Abschreibungen im Kraftwerksgeschäft von 100 Millionen Euro, das durch die Energiewende in Deutschland sein Fundament verloren hat. Der bereinigte Gewinn (Ebita), in den die Zahlen der zum Verkauf gestellten Aktivitäten nicht mehr einfließen, lag im ersten Halbjahr bei 63 Millionen Euro.

Bilfinger baut, betreibt und wartet vor allem konventionelle Kraftwerke – also Gas- und auch Kohlekraftwerke. Die Betreiber haben die Wartungsaufträge für diese Kraftwerke auf das Allernötigste heruntergefahren, für den Mannheimer Konzern ist damit die Geschäftsgrundlage fast komplett weggebrochen.

Das Kraftwerksgeschäft wird sich auch in Zukunft nicht wesentlich bessern – Analysten erwarten für das Gesamtjahr einen höheren Nettoverlust als im vergangenen Jahr, das Bilfinger mit einem Verlust von 71 Millionen Euro abgeschlossen hatte.

Der vom Großinvestor Cevian als Vorstandschef gewünschte Norweger Per Utnegaard verkündete Ende Juni seine Lösung des Problems: Die Krisensparte mit einem Umsatz von zuletzt 1,4 Milliarden Euro und 11.000 Mitarbeitern soll binnen eines Jahres verkauft werden. Der angepeilte Verkaufspreis von 750 Millionen bis eine Milliarde Euro dürfte aber kaum zu erzielen sein. Bankenkreise rechnen eher mit einem Erlös von knapp 500 Millionen Euro.

Wie kürzlich bekannt wurde, soll auch die Sparte Water Technologies verkauft werden. Sie ist auf Wasseraufbereitung und Klärwerke spezialisiert und hat zuletzt vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern 30 Millionen Euro verdient. In Bankenkreisen wird mit einem Verkaufspreis von 250 bis 300 Millionen Euro gerechnet. Die Verkaufsprospekte sollen Ende August verschickt werden.

Seite 1:

Kraftwerke verbrennen Bilfingers Geld

Seite 2:

Industriegeschäft ist der Schlüssel

Kommentare zu " Riesenminus beim Bau-Dienstleister: Kraftwerke verbrennen Bilfingers Geld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%