Rocket Internet
Kopier-Könige zünden Börsenrakete

Rocket Internet setzt auf dreiste Kopien statt auf Internet-Innovationen. Doch der Ideenklau funktioniert, wie die Beispiele Zalando, My Video und Co. zeigen. Nun wollen die Kopier-Könige offenbar auch die Börse erobern.
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DüsseldorfOffiziell will sich niemand äußern. Wie so oft bei Rocket Internet, wenn es konkret wird. Verschiedene Medien berichten, dass der deutsche Internetgigant einen Börsengang plane – noch in diesem Jahr. Doch Rocket Internet bleibt stumm. Spekulationen kommentiere man nicht, heißt es aus der Pressestelle.

Falls die Nachrichten aus dem Konzern stimmen und Rocket Internet an die Börse geht, könnte es der größte deutsche IPO in diesem Jahr werden. Nach Angaben der „Financial Times“ soll das Unternehmen mit drei bis fünf Milliarden Euro bewertet werden. An der Vorbereitung des Börsengangs soll neben den US-Geldhäusern Morgan Stanley und JP Morgan auch die Berenberg Bank beteiligt sein.

Wenn, hätte, könnte: Noch ist alles reine Spekulation. Kurioserweise beschreibt genau dieser Satz auch das Geschäftsmodell von Rocket Internet am besten. Das Unternehmen investiert in Start-ups und spekuliert auf deren Erfolg. Derzeit gehören rund 75 Firmen zum Dachkonzern. Damit zählt Rocket Internet zu einem der wenigen europäischen Konzerne, die sich im Internet behaupten konnten – allerdings mit einer anderen Strategie als die amerikanischen Vorbilder.

Die USA, insbesondere das Silicon Valley, gelten als Ideenschmiede für IT-Ideen. Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook haben sich mit innovativen Geschäftsmodellen zu Monopolisten in ihrem Bereich aufgeschwungen und verdienen jedes Jahr Milliarden. Doch die Idee hinter Rocket Internet ist nicht, eine Innovation im Netz zu starten – sondern die besten Innovationen zu kopieren und damit Geld zu verdienen.

Wie erfolgreich das funktionieren kann, zeigt die Liste der Portale, an denen Rocket Internet bereits beteiligt war oder immer noch ist: Das früher erfolgreiche soziale Netzwerk StudiVZ, eine Kopie von Facebook. Das Videoportal My Video, eine Kopie von Youtube. Der Kleidungshändler Zalando, eine Kopie von Zappos. Durch alle Branchen hinweg hält sich das in Berlin gegründete Unternehmen Start-ups, die oftmals die Geschäftsmodelle amerikanischer IT-Größen übernehmen.

Hinter dem fragwürdigen Konzept stecken drei Brüder. Alexander, Marc und Oliver Samwer haben Rocket Internet 2007 gegründet. Ihr Vater war Rechtsanwalt. Auch Marc Samwer, der Älteste, studierte Rechtswissenschaften. Sein Bruder Oliver machte seinen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre (BWL), wurde dann Trainee bei der Investmentbank Sal. Oppenheim. Der Dritte und Jüngste im Bunde, Alexander Samwer, konzentrierte sich zunächst auf Volkswirtschaftslehre und Politik. Später machte er seinen Master in BWL.

Ihre erste erfolgreiche Kopie entwickelten die drei Brüder bereits vor dem Start ihres Unternehmens. Der Klon hieß Alando und war ein Abklatsch von Ebay. Mit dem Verkaufsportal schickten sich die Samwers an, dem großen US-Giganten Konkurrenz zu machen. Ebay löste das Problem auf seine eigene Art: Der Konzern zahlte rund 40 Millionen Euro für die deutsche Kopie – der erste große Deal der Samwer-Brüder.

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„Mit Ideen anderer schafft man kein neues Unternehmen“

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