Rückstellungen fürs US-Geschäft
Bilfinger schraubt Prognose zurück

Tom Blades bemüht sich bei Bilfinger um eine Sanierung. Nun muss er drohende Verluste bei Altprojekten in den USA auffangen. Doch Gewinnwarnungen läuteten schon einmal eine Krise des Industriedienstleisters ein.
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FrankfurtDer Industriedienstleister Bilfinger hat im Kampf gegen seine Dauerkrise einen Rückschlag erlitten. Um drohende Verluste aus einer Hand voll „Alt-Projekte“ in den USA abzudecken, muss Bilfinger 55 Millionen Euro zurückstellen. Daher werde kein operativer Gewinn mehr im Gesamtjahr erwartet, wie das Unternehmen am Dienstagabend per Pflichtmitteilung bekannt gab. Im vergangenen Jahr hatten noch 15 Millionen Euro zu Buche gestanden. Die erste Gewinnwarnung unter dem seit einem Jahr amtierenden Vorstandschef Tom Blades verschreckte die Anleger am Mittwoch nur kurz. Nach einem Minus von bis zu fünf Prozent drehte die Aktie des MDax-Unternehmens ins Plus und legte auf Kurse von über 35 Euro zu.

„Wir haben vor, die Alt-Projekte aufzuräumen“, sagte Blades. „Wir kommen voran mit unseren Plänen.“ Abgesehen von der Belastung in den USA sei das zweite Quartal sehr befriedigend verlaufen. Die Zahlen dazu legt Bilfinger am 14. August vor.

Die Anleger sind Schreckensnachrichten von Bilfinger gewöhnt. Vor drei Jahren senkte der einstige Baukonzern wegen Verlusten im Kraftwerksgeschäft seine Jahresziele über einen kurzen Zeitraum ein halbes Dutzend mal. Der damalige Vorstandschef und frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch musste gehen. Der Aktienkurs bröckelte ab von über 90 auf weniger als 30 Euro und erholte sich seither kaum. Dieses Jahr soll wie schon 2016 ein Übergangsjahr werden, in dem sich der geschrumpfte Konzern fängt. Bis 2020 peilt Blades Wachstum an.

Die missglückten Projekte in den USA seien 2015 und 2016, wenige Wochen vor Blades' Antritt am 1. Juli 2016, vom damaligen Vorstand beschlossen worden. Es handele sich um Aufträge der US-Tochter Westcon, unter anderem die Montage einer Methanolanlage in Texas. Blades versicherte zudem, das Projektgeschäft werde inzwischen besser kontrolliert. "Wir haben unser Risikomanagement geschärft", erklärte der Brite. Verträge mit Kunden enthielten mehr Klauseln gegen Risiken. Das Unternehmen fühlt seinen Projektmanagern mehr auf den Zahn. "Das hört sich alles sehr logisch an, ist aber neu für Bilfinger", ergänzte er. Die Krux liege auch in der starken Zersplitterung des Konzerns auf noch immer rund 100 operative Gesellschaften.

Blades hatte ursprünglich für 2017 einen operativen Renditeanstieg vor Steuern um einen Prozentpunkt auf rund anderthalb Prozent in Aussicht gestellt. Das Nettoergebnis kann der Mannheimer Konzern unterdessen dank Zuflüssen durch einen Rechtsstreit um ein Bauprojekt in Katar um 60 Millionen Euro erhöhen. Deshalb steht auch der für Herbst angekündigte Aktienrückkauf über 150 Millionen Euro nicht in Frage.

Beim Verkauf defizitärer Teile der Sparte Power, mit der die Talfahrt des Konzerns 2014 begann, legt Bilfinger unterdessen noch drauf. Bis Mitte nächsten Jahres sollten 13 Gesellschaften verkauft oder geschlossen werden, erklärte Finanzvorstand Klaus Patzak. Fünf seien bereits abgestoßen. In Summe koste die Bereinigung 30 Millionen Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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