Rücktritt bei Bilfinger
Ein Konzern vor der Zerschlagung

Bilfinger-Chef Per Utnegaard ist mit der Sanierungsstrategie des Mannheimer Traditionskonzerns gescheitert. Seinem Nachfolger bei dem Industriedienstleister bleibt nur eine Sache übrig: die Zerschlagung. Ein Kommentar.
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DüsseldorfDer Rücktritt von Vorstandschef Per Utnegaard markiert das Ende des einstigen Vorzeigekonzerns Bilfinger. Gleichzeitig ist er der Beginn der Zerschlagung des Mannheimer Konzerns. Damit ist die Sanierungsstrategie des gebürtigen Norwegers gescheitert, der erst vor gut zehn Monaten angetreten war, um den angeschlagenen Industriedienstleister wieder auf Kurs zu bringen.

Utnegaard wollte Bilfinger auf das Kerngeschäft konzentrieren, also auf die zwei Säulen Industriedienstleistungen sowie Building- und Facility-Management. Sein Plan: Er wollte den größten Verlustbringer, das Kraftwerksgeschäft, verkaufen. Doch der Plan ging bislang nicht auf, denn die hoch defizitäre „Powersparte“ lässt sich kaum an den Mann bringen. Die Energiewende sorgt dafür, dass die großen Versorger keine neuen Kohle- oder Gaskraftwerke mehr bauen oder alte modernisieren. Sie haben die Investitionen in Kraftwerke drastisch gekürzt. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Damit sieht es mit dem Verkauf der Bilfinger-Sparte weiterhin schlecht aus.

Doch das endgültige Ende von Utnegaards ursprünglicher Zwei-Säulen-Strategie deutete sich bereits im Januar ab. Da teilte Bilfinger mit, nun auch den Verkauf von großen Teilen der Immobiliensparte „Building and Facility“ zu prüfen. Offenbar hatten potenzielle Investoren ein Interesse an dem lukrativen Bereich bekundet.

Wenn der Konzern in seiner Not, einen Käufer für diese Sparte und für das Kraftwerksgeschäft finden würde, bliebe von dem einstigen stolzen Bilfinger-Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro am Schluss nur noch gut die Hälfte übrig.

Damit ist der Rücktritt von Utnegaard nur konsequent. Denn seine alte Strategie kann er so nicht mehr glaubwürdig verkaufen, weder den Beschäftigten und noch den vielen Kleinaktionären.

So endet die alte Strategie vom einstigen Baukonzern, der sich durch viele Zukäufe zu einem breit aufgestellten Industriedienstleister umwandelt, nun endgültig. Der frühere Bilfinger-Chef Herbert Bodner hat es vor Jahren versäumt, die Dutzenden Firmen, die er kaufte, zu einer Einheit zu formen.

Das gelang auch einem selbsternannten Integrator an der Konzernspitze wie etwa Hessens Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch nicht mehr. Zu lange durften die Manager der übernommenen Firmen weiter herrschen. Die Missstände in dem Firmengeflecht fielen erst auf, als die Unternehmen nicht mehr die gewohnten Gewinne machten.

Es wird schwierig, einen internationalen Topmanager zu finden, der das arg gestutzte Unternehmen führen will, und sich an die Arbeit macht, das beschädigte Image wieder zu polieren. Außerdem muss der neue Vorstandschef bereit sein, den weiteren Zerschlagungskurs des Großaktionärs – der Finanzinvestor Cevian – mitzutragen.

Kommentare zu " Rücktritt bei Bilfinger : Ein Konzern vor der Zerschlagung"

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  • Die Analyse ist bitter! Ich habe meine Bilfinger-Aktien rechtzeitig verkauft, habe noch einen guten Gewinn gemacht.

    Für mich ist aber der Fall ein typisches Beispiel wie in der Börsenöffentlichkeit doch ungestraft Unsinn verzapft werden kann (ich meine allgemein und nicht das Handelsblatt mit diesem Artikel):

    Bilfinger war ein fähiger deutscher Baukonzern (Realwirtschaft, Produktion, Technologie), der festgestellt hat, dass die Zukunft durch Dienstleistungen bestimmt wird. Warum? Weil es irgendwelche Analysten so verzapft haben. Darum wurde das neue Eldorado den Tätigkeitsschwerpunkt auf Hauslaktivitäten äh Tschuldigung Facility Management zu legen. So eine Kakophonie kann dann jeder erzählen, daher ist auch ein Politiker geeignet bei so etwas den Chef zu spielen. Dann fällt das ganze Kartenhaus zusammen, und alle die daneben standen und applaudierten sind weg und betreiben plötzlich Fehleranalyse.

    Eigentlich fragt man sich wie man sehenden Auges so einen Schwachsinn zulassen kann... aber wenn wir die aktuellen Themen uns alle ansehen. Das Schema gibt es überall. Ich will die Flüchtlingskrise nicht schon wieder strapazieren... oder die Schulden nach der Finanzkrise sind jetzt höher als vor der Krise... der Kommentar wenn es zusammenfällt ist absehbar...

    Das mag mit menschlichem Herdentrieb erklärbar sein... aber eines sollte dieser Herde klar sein, sie ist eben NICHT Teil der Aufklärung, sie ist einfach eine Herde, in der keiner weiss warum er läuft (bzw. der neben ihm macht es halt genauso) und wohin...

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