Sharing Economy
Krokodil frisst Taxi

Das Berliner Start-up Allygator will den Nahverkehr revolutionieren – und internationalen Riesen wie Uber das Leben schwermachen. Ein Kilometer kostet zehn Cent. Unsere Redakteurin ist Probe gefahren.

BerlinEs gibt Tage, da verfluche ich mich dafür, dass ich so progressiv bin. Ich habe zum Beispiel kein Auto. Braucht man heutzutage ja nicht mehr, sage ich gern. Es kostet Geld, steht andauernd im Stau und Parkplätze gibt es in dem Berliner Szenestadtbezirk, in dem ich lebe, eh nur zu Weihnachten. Ganz zu schweigen von der Umwelt.

Wenn da nicht diese Tage wären, an denen es regnet. Oder wenn Sonntag ist und Bus und Bahn nur selten fahren. Nachts. Eigentlich immer, wenn ich auf dem Weg von A nach B mehr als einmal umsteigen muss und das Ziel den Preis für eine Taxifahrt nicht rechtfertigt. Dann wünsche ich mir ein Auto. 

Zum Glück gibt es in unserem progressiven Zeitalter für fast jedes Problem eine digitale Lösung. Um die Mobilität der Zukunft kümmern sich gleich mehrere Start-ups. Eine neue App heißt Allygator. Sie ist am Freitag gestartet und ich habe sie mir gleich runtergeladen.

Beim Allygator holen Fahrer die Menschen auf Bestellung mit einem Kleinbus von zu Hause ab und bringen sie zu ihrem Ziel. Quasi ein Taxi zum Teilen. Gebucht wird per iPhone, die Software erkennt, wenn eine neue Bestellung reinkommt, in wessen Route die gewünschte Strecke passen würde. Im Idealfall ist der Bus immer vollbesetzt. Die Gäste teilen sich die Kosten, obwohl jeder ein anderes Ziel hat.

Probehalber gebe ich ein Ziel in die App ein, und bekomme den Hinweis, dass ein passender Wagen nur ein paar Minuten von meiner Tür entfernt ist. Ob ich buchen wolle. Ich zögere. Wenn ich ein Taxi rufe, weiß ich genau, wie viel Zeit mir noch bleibt. Genug, um die Jacke anzuziehen, nochmal eine andere zu probieren und den Schlüssel zu suchen. Das Portemonnaie muss zu diesem Zeitpunkt aber schon gefunden sein.

Beim Allygator bin ich unsicher. Wo hält der jetzt genau? Mit welcher Währung bezahlt man da? Und wie werde ich ihn erkennen?

Die App hat mir verraten, dass mein Fahrer Thomas heißt und einen VW Sharan fährt. Als ich auf der Straße stehe und warte, sehe ich auf dem Display, wie sich ein Auto die Hauptstraße hochschiebt. Der fährt an meiner Straße vorbei, denke ich, da sehe ich schon, dass er rechts abbiegt und dreht. Thomas hält direkt vor meinem Haus. An dem Sharan ist eine Flagge mit einem Alligator drauf. „Hallo Miriam. Ich bekomme einen Euro“, sagt der Fahrer und hält die Hand auf.

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